Marko stichelt: "Mercedes traut seinem Juniorprogramm nicht"

, 20.12.2016

Helmut Marko glaubt zu wissen, dass Pascal Wehrlein keine Chance bei Mercedes bekommen wird, und lästert über das Juniorprogramm - Entscheidung Ende Januar?

Bis die Entscheidung bei Mercedes fallen wird, wer die Nachfolge im Cockpit von Nico Rosberg antreten wird, dürfte es noch eine Weile dauern. Frühestens im Januar möchte man sich bei den Silberpfeilen festlegen. Mit Valtteri Bottas und Pascal Wehrlein gibt es derzeit zwei ernste Kandidaten, doch wäre der junge Deutsche wirklich die erste Wahl, dann wäre das Thema vermutlich schon durch.

Auch Helmut Marko, Motorsportberater vom größten Konkurrenten Red Bull ist dieser Umstand schon aufgefallen: "Wehrlein kommt unseren Informationen nach nicht zum Zug", erklärt der Österreicher bei 'ServusTV' und verhöhnt dabei das Juniorprogramm von Mercedes: "Das heißt, ihr traut eurem eigenen Juniorprogramm nicht", stichelt Marko, der seine vier Cockpits bei Red Bull und Toro Rosso grundsätzlich mit eigenen Kandidaten besetzt.

"Er ist sehr jung, aber no risk, no fun", sagt Marko, der nicht nachvollziehen kann, wieso man stattdessen einen Valtteri Bottas für viel Geld in Form eines Motorenrabatts aus dem Williams-Vertrag herauskaufen möchte - und Wehrlein zusätzlich für einen gewissen Betrag bei einem weiteren Team einkauft, was ohne Mercedes-Deal wohl Sauber wäre. "Ihr traut es dem Wehrlein nicht zu", so der Red-Bull-Mann in Richtung Aufsichtsratsvorsitz Niki Lauda.

Das will dieser allerdings nicht auf sich sitzen lassen und erklärt den Sinn eines Juniorprogramms: "Dort fängst du an, junge Fahrer zu motivieren und zum Team zu bringen, damit sie Erfahrungen sammeln", so Lauda. Ob Wehrlein schon so weit ist, um bei einem Topteam wie Mercedes zu fahren, darüber gelte es zu diskutieren. "Aber ich möchte an Verstappen erinnern. Den hast du erst einmal bei Toro Rosso geparkt, bis der Russe (Daniil Kwjat; Anm. d. Red.) nicht mehr richtig gefahren ist - dann hast du ihn rübergeholt. Das ist das gleiche Problem", stichelt Lauda in Richtung Marko zurück.

Lauda: Alle haben sich gemeldet

Bisher musste man bei Mercedes aus einem ganzen Fahrerberg die möglichen Optionen sondieren, um die bestmögliche Wahl zu treffen. Jeder einzelne aktuelle Fahrer habe sich bei Mercedes gemeldet - "außer Maldonado. Der hat vier Tage gebraucht, bis er den Nico Rosberg mitbekommen hat", lacht Lauda und sagt, dass Markos Red-Bull-Piloten "die ersten" gewesen seien, die sich bei ihm gemeldet hätten.

"Niki, ich bin am Knie, nicht am Kopf operiert", winkt Marko ab, schließlich besitzen seine Piloten noch einen Vertrag bis 2019. Bei Red Bull ist man gut aufgestellt und könnte im Gegensatz zu Mercedes solche Lücken, wie sie Nico Rosberg hinterlassen hat, schnell mit eigenen Fahrern auffüllen - ähnlich wie es beim Abgang von Sebastian Vettel zu Ferrari war, als kurzerhand Daniil Kwjat hochgezogen wurde.

In dieser Hinsicht wäre Wehrlein der logische Nachfolger, schließlich ist er auch bei den Testfahrten ab und zu für Mercedes unterwegs gewesen. Doch der Deutsche hatte schon gegen Esteban Ocon im Kampf um den Platz bei Force India das Nachsehen und könnte sich mit Bottas nun einem externen Kandidaten geschlagen geben müssen - Williams hat eine mögliche Freigabe des Finnen zumindest schon angedeutet.

Mercedes-Entscheidung erst Ende Januar?

Übrigens: Mit der Verpflichtung des Finnen würde man bei Mercedes laut Lauda nicht gegen die Compliance-Regeln verstoßen, obwohl Motorsportchef Toto Wolff neben Didier Coton und Mika Häkkinen an Bottas' Management beteiligt ist. "Das ist ganz einfach geregelt, weil er den Vertrag schon hatte, bevor er Boss von unserem Rennteam wurde", betont der Österreicher. "Das ist ausgenommen." Sollte Bottas zu Mercedes wechseln, "dann kann er nicht sein Manager sein und auch nichts kassieren oder sonst was. Das ist ganz klar geklärt. Der Vorwurf ist falsch", stellt Lauda klar.

Doch bis es so weit ist, kann man sich bei Mercedes noch einige Gedanken über das Thema machen, denn die Deadline verschiebt sich immer weiter. Wollte man den Fahrer ursprünglich vor Weihnachten verkünden, rechnet man mittlerweile eher mit Ende Januar. "Wir kriegen es vor Weihnachten sicherlich nicht hin, weil die komplizierten Verhandlungen länger dauern. Ich sage lieber Ende Januar, und dann bin ich vielleicht am 15. fertig", erklärt Lauda.

Natürlich habe man gehofft, das Thema schneller abwickeln zu können, weil man wissen möchte, wen man 2017 als Fahrer neben Lewis Hamilton hat. "Da warten auch 1.200 Leute", meint der Aufsichtsratsvorsitzende. Allerspätestens am 27. Februar 2017 sollte man einen Piloten gefunden haben, denn dann starten die Wintertestfahrten für die neue Saison. "Da werden wir jemanden haben müssen, sonst wäre es blöd", meint Lauda.

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