Mercedes in Montreal: Abdampfen, bloß nicht abrauchen

, 02.06.2015

Die Silberpfeile hoffen, in Kanada eine Bestätigung für ihre Fortschritte bei der Zuverlässigkeit zu erhalten - Lewis Hamilton will "einfach zurückschlagen"

Bewährungsprobe für die Zuverlässigkeit des Mercedes W06: Beim Kanada-Grand-Prix am Wochenende müssen die Silberpfeile zeigen, ob sie das Manko einer ansonsten überragenden Vorsaison ausgebessert haben. Schließlich wurde ihnen in Montreal 2014 die Defektanfälligkeit zum Verhängnis und beendete die Siegesserie des Teams. Weltmeister Lewis Hamilton sinnt auf Seelenbalsam für den Strategiefauxpas in Monaco, Nico Rosberg auf die Bestätigung seines Formanstiegs.

Der Brite hat genug gehört von seinem rückblickend unerklärlichen Reifenwechsel in der Safety-Car-Phase gegen Rennende. "Ich denke, es wurde alles Nötige über Monaco gesagt", erklärt Hamilton die Diskussion für beendet. Er zeigt sich besonders hungrig: "Natürlich war es eine riesige Enttäuschung für mich und das Team. Aber wir lernen daraus und blicken gemeinsam nach vorne, wie wir das immer machen. Ich möchte einfach wieder fahren und zurückschlagen", so der Champion.

Rosberg wiegt sich trotz seines Erfolges nicht in Sicherheit, zumal er um die große Portion Glück im Spiel weiß. "Das Wochenende hat auch gezeigt, dass ich in diesem Jahr in unserem Kampf nachlegen muss", bewertet der Deutsche das Teamduell um den Titel. "Ich habe nun den Schwung von zwei aufeinanderfolgenden Siegen, aber die Saison ist noch lang. Ich weiß, dass ich noch mehr leisten kann", bekennt Rosberg, dass Hamilton in Monaco einmal mehr der Schnellere der beiden war.

Fans geben Nico Rosberg wenig Chancen im Titelkampf

Das sehen auch die Leser von 'Motorsport-Total.com so: In einer Umfrage mit 3.822 abgegebenen Stimmen geben 56,44 Prozent dem Wiesbadener "keine Chance" im Kampf um die Krone. 29,30 Prozent sehen eine knappe Entscheidung voraus, während nur 14,26 Prozent überzeugt sind, dass Rosberg sich in Abu Dhabi der dritte deutsche Formel-1-Weltmeister der Geschichte nennen darf.

Motorsportchef Toto Wolff erinnert daran, dass seine Truppe auf hohem Niveau jammert, denn Mercedes schrammte trotz der Panne nur knapp an einem Doppelerfolg vorbei. "Es war für uns alle schwer zu verkraften. Wir müssen jedoch immer daran denken, wie weit wir es gebracht haben, dass wir mit den Plätzen eins und drei enttäuscht sind", so der Österreicher. Co-Teamchef Paddy Lowe relativiert: "Es war ein einziger Fehler, der in Sekundenbruchteilen auf Basis von falschen Daten begangen wurde."

Paddy Lowe fürchtet Motorenupdates der Konkurrent

Dem Technikexperten ist klar, dass es Perfektion in der Formel 1 nicht gibt: "Im Sport dreht sich alles um Entscheidungen in Bruchteilen einer Sekunde. Dabei muss man Vorteile mit Risiken abwägen. Diese Entscheidungen gelingen nicht immer." Wolff hofft, dass sich seine Jungs trotz WM-Führungen in der Piloten- und Teamwertung nicht in Sicherheit wiegen. Er warnt: "Es gibt keinen Raum für Selbstgefälligkeit. Unsere Gegner sind bereit und warten nur darauf, jede sich bietende Gelegenheit auszunutzen."

Immerhin ist sich der Fortschritte in Sachen Zuverlässigkeit gewiss: "Wir werden bei diesem Rennen neue Antriebsstränge einsetzen, die zweiten für jeden Fahrer in diesem Jahr. Unsere ersten wurden an sechs kompletten Rennwochenenden eingesetzt", sagt der Brite über die makellose Bilanz, die lediglich eine zweite Einheitselektronik im Hamilton-Auto trübt. "Das ist eine unglaubliche Leistung. Beide Antriebsstränge erreichten eine Gesamtdistanz von jeweils mehr als 4.000 km."

Jedoch hatte das Aggregat noch keine Probe der Güteklasse Montreal zu bestehen: "Die Strecke setzt dem gesamten Fahrzeug stark zu, nicht nur dem Motor und den Bremsen. Deshalb konzentrieren wir uns darauf, beide Autos ins Ziel zu bringen. Auch mit Blick auf die Performance sehen wir nichts als selbstverständlich an", so Lowe über Motorenupdates bei Ferrari, Renault und Honda. "Entsprechend wird es spannend, zu sehen, ob und wie sich das Kräfteverhältnis an diesem Wochenende verändert."

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