Nase voll von Formel kompliziert: "Das versteht doch keiner!"

, 13.06.2015

Ferrari-Präsident Sergio Marchionne und Rennlegende Gerhard Berger wollen mit dem Regel-Wirrwarr aufräumen und die Piloten wieder den zu Stars machen

Großmutter bei der sonntäglichen Schwarzwälder Kirschtorte und Filterkaffee mit Kondensmilch darüber aufzuklären, was es mit dem Reglement der Formel 1, ihren neuen Antrieben und sonstigen Komplikationen der Königsklasse auf sich hat, kann zu einem aussichtslosen Unterfangen geraten. Mittlerweile stoßen sich sogar die Kenner der Materie an einer zunehmend diffizileren Beletage des Motorsport und fordern, mit Bestimmungen aus dem Akademiker-Wortschatz rasch aufzuräumen.

Sergio Marchionne betont im Gespräch mit 'Sky Sports F1', dass von diesem Vorhaben auf lange Sicht die Gunst der Fans abhängt: "Ich würde gerne volle Tribünen und die höchstmögliche Zahl an Zuschauern sehen, und dass der Sport ein richtig interessantes Erlebnis für die Fans ist", so der Ferrari-Präsident. "Dafür ist es wichtig, die Komplexität des Sports zu entwirren. Wir haben ein Wirwarr aus Regeln entworfen, was jedem das Leben schwer macht", beklagt ich Marchionne.

Die Liste der Punkte, die als unverständlich gelten, ist lang. Sie beginnt mit Hybridmotoren und ihren Elektroraffinessen, geht über Boxenstrategien mit unterschiedlichen Reifenmischungen und endet bei Autos, die schneller sind, wenn sie langsamer fahren - weil das weniger Sprit verbraucht. "Wenn du den Fernseher einschaltest und nicht wirklich in der Materie steckst, verstehst du das alles doch gar nicht", hadert Rennlegende Gerhard Berger im 'Sky'-Interview.

Ferrari-Boss fordert: "Wir müssen wieder zurückrudern

Dem Österreicher ein Dorn im Auge ist etwa der umklappbare Heckflügel, der Überholen möglich machen soll: "DRS-Zone eins, DRS-Zone zwei - es ist einfach zu kompliziert. Damit tut man sich keinen Gefallen." Die teilweise aufgeblähten Personalapparate der Teams, die sogar parallel zum Rennen auch in den Fabriken schuften, sind gar nicht nach Bergers Geschmack. "Das braucht es doch alles nicht", findet er und will die Piloten mehr als die Ingenieure in den Fokus rücken. "Wir müssen Motorsport haben, in dem in erster Linie der Fahrer der entscheidende Faktor ist."

"Nicht mit hochgestochener Technik fahren, die erstens die Show schlechter macht und zweitens niemand mehr versteht", watscht Berger das Hybridreglement ab. Nach Meinung Marchionnes gibt es darüber sogar einen Konsens unter den Verantwortlichen, die sich hinter verschlossenen Türen aber auf nichts einigen können: "Wir sind zu weit gegangen und müssen jetzt wieder zurückrudern. Das bedeutet: mehr Einfachheit und mehr Spektakel." Wie sich der starke Mann bei Ferrari das allerdings vorstellt, ohne dabei neuerlich für massive Umkosten zu sorgen, verschweigt er.

Berger liebt die Formel 1 - und macht deshalb lieber nicht mit

Red-Bull-Teamchef Christian Horner erkennt in möglichen Regelnovellen für die Saison 2017 einen Hoffnungsschimmer, wie er 'Sky Sports F1' schildert: "Ermutigend ist, dass die Chassisregeln wirklich aufregend aussehen: breitere Autos, größere Reifen, fünf bis sechs Sekunden schnellere Zeiten, und auch der Fahrer bekommt mehr zu tun", freut er sich über eine physisch forderndere Serie und verspricht seinen Angestellten im Cockpit: "Sie werden für ihr Geld arbeiten müssen."

Außerdem wünscht er sich Piloten, die wieder das ganze Rennen über Vollgas geben. Horner hält den aktuellen Ansatz Pirellis für "zu konservativ" und findet: "Rennen mit nur einem Boxenstopp sind nicht gut für die Formel 1. Es braucht zwei oder drei." Auch das Sparen von Sprit ist ihm ein Dorn im Auge, was er mit dem Vorschlag quittiert, die Grands Prix um einige Runden zu verkürzen und das 100-Kilogramm-Spritlimi anzueben. "Es muss ein Sprintrennen von Anfang bis Ende sein."

Geeinigt haben sich die Eminenzen der Szene allerdings noch auf gar nichts. Wahrscheinlich ist das der Grund, warum Berger wenig Lust verspürt, an einer "neuen" Formel 1 mitzuwirken: "Ich gehe wahnsinnig gerne zu den Rennen. Ich leide mit, wenn sie fade sind. Ich zerbreche mir den Kopf", sagt der Mann, der für die FIA schon die Nachwuchsklassen in Ordnung bringen sollte. "Ich versuche aber dennoch, möglichst wenig meinen Senf dazu zu geben, weil es reden sowieso schon so viele mit."

Jetzt kommentieren
Jetzt bewerten

Zum Bewerten musst Du registriert und eingeloggt sein.

Weitere Formel 1-News

Sebastian Vettel ist mit Ferrari bereit, auch Mercedes ins Visier zu nehmen

Vettel angetan: Warum das springende das richtige Pferd war

Seit knapp über einem halben Jahr darf er sich Ferrari-Angestellter nennen: Den Schritt weg von seiner zweiten Formel-1-Wiege Red Bull hin zur Mythosmarke bereut Sebastian Vettel nicht - was nicht nur …

Ricciardo wird sich in Spielberg für eine Topplatzierung mächtig strecken müssen

Red Bull vor dem Heimspiel: Mission Schadensbegrenzung

Schlechtere Vorzeichen könnte es für ein Heimspiel kaum geben: Red Bull ist am kommenden Wochenende auf der Hausstrecke in Spielberg klarer Außenseiter, wenn es um die Pokale beim achten …

Jenson Button und McLaren wollen endlich Fahrt aufnehmen

McLaren beendet Hängepartie: Neue Nase besteht Crashtest

Endlich positive Nachrichten für die krisengebeutelte McLaren-Truppe: Wie das Team aus Woking am Freitagabend via Twitter verkündet, hat die neue Nase für den MP4-30 den FIA-Crashtest …

Kimi Räikkönen wie die Fans ihn kennen - aber nicht sein privates Umfeld

Kimi Räikkönen: Warum der "Iceman" kein Eismann ist

Einsilbige Antworten, die Sonnenbrille auf der Nase festgewachsen und nie länger im Formel-1-Paddock zu sehen als es unbedingt nötig ist: Das ist Kimi Räikkönen, wie man ihn seit Beginn …

Red Bulls Motorsportberater Helmut Marko muss sich aktuell in Geduld üben

Red Bull und Renault: Nächste drei Wochen sind entscheidend

Keine leichten Zeiten für Red Bull: Noch immer liefert der Renault-Antrieb nicht die gewünschte Leistung, zuletzt in Kanada mussten sich Daniil Kwjat und Vorjahressieger Daniel Ricciardo mit den …

AUCH INTERESSANT
20 unglaubliche Fakten: Pikes Peak und der Fabel-Rekord

AUTO-SPECIAL

20 unglaubliche Fakten: Pikes Peak und der Fabel-Rekord

Härter, schneller und noch krasser: „Pikes Peak“ ist der „Heilige Gral“ unter den Bergrennen und geht in die Extreme. Volkswagen war dort so schnell wie niemand zuvor und schaffte es, einen …


Formel1.de

TOP ARTIKEL
VW T-Cross: Der erste Check - das sind die großen Trümpfe
VW T-Cross: Der erste Check - das sind die …
Ford Kuga RS: Ein richtig starker Performance-SUV
Ford Kuga RS: Ein richtig starker Performance-SUV
Seat Ibiza FR 2018: Was reißen drei Zylinder im Sport-Test?
Seat Ibiza FR 2018: Was reißen drei Zylinder im …
News-Abo
Jeden Morgen kostenlos per E-Mail:
Aktuelle Artikel
McLaren 600LT Test: Liebe auf den ersten Kick
McLaren 600LT Test: Liebe auf den ersten Kick
VW T-Cross: Der erste Check - das sind die großen Trümpfe
VW T-Cross: Der erste Check - das sind die …
German Car of the Year 2019: Das beste Auto des Jahres
German Car of the Year 2019: Das beste Auto des …
Skoda Fabia Monte Carlo Test 2019: Der sportliche Einstieg
Skoda Fabia Monte Carlo Test 2019: Der …
Jaguar I-Pace Test: Bringt dieser Elektro-SUV die Wende?
Jaguar I-Pace Test: Bringt dieser Elektro-SUV …


Speed Heads - Sportwagen- und Auto-Magazin

Das Auto und Sportwagen Magazin mit täglich aktualisierten Auto News, Motorsport News, Auto Tests, Sportwagen Berichten und der streng geheimen Auto Zukunft. Speed Heads ist die Community für echte Auto-Fans und informiert im Sportwagen Magazin über Neuigkeiten aus der Welt der schnellen Autos.

  • emotiondrive Logo
  • Torpedo Run Logo
  • Motorsport Total Logo
  • autoaid Logo