Nico Hülkenberg: "Bin endlich in der Formel 1 angekommen"

, 21.01.2015

Nico Hülkenberg im Präsentations-Interview: Wie er sich 2015 mit Force India steigern will, was 2014 die größte Lehre war und wie das Verhältnis zu Perez ist

Nico Hülkenberg geht 2015 in seine insgesamt vierte Force-India-Saison, nachdem er 2011 für das indische Team testete und 2012 und 2014 mit einer Sauber-Unterbrechung als Rennfahrer fungierte. Der Emmericher kann also durchaus schon als Force-India-Routinier bezeichnet werden. Warum der 27-Jährige nun endlich in der Formel 1 angekommen ist, was im Vorjahr seine größte Lehre war und welche Erwartungen er für die kommende Saison hat, verrät er im Interview.

Frage: "Nico, die Saison 2015 beginnt in Kürze. Fühlst du dich erfrischt, nachdem du Zeit zuhause verbracht hast?"

Nico Hülkenberg: "Ich habe auf jeden Fall meine Batterien aufgeladen. Ich habe Weihnachten mit meiner Familie und mit meinen Freunden verbracht und konnte dabei abschalten und entspannen. Die verbleibende Zeit habe ich mich wie üblich vorbereitet und meine Fitness trainiert, denn der Winter ist die beste Gelegenheit, um ein gute Basis aufzubauen, bevor die Saison beginnt."

Frage: "Du fühlst dich also bereit, um wieder ins Auto einzusteigen?"

Hülkenberg: "Ja definitiv. Es ist gut, ein bisschen Zeit abseits der Strecke zu verbringen, aber ab Januar freut man sich dann schon wieder auf die neue Saison und den Testauttakt. Der erste Tag mit einem neuen Auto ist immer ein spezieller Zeitpunkt: Man fühlt sich wie ein Kind zu Weihnachten, und man kann es gar nicht erwarten, das neue Spielzeug endlich in die Finger zu kriegen."

Frage: "Was hast du 2014 gelernt?"

Hülkenberg: "Ich glaube, dass 2014 mein bislang bestes Jahr in der Formel 1 war. Ich hatte das Gefühl, dass ich wirklich hier angekommen bin und mich mit allem wohlfühle, das zu diesem Job dazugehört. Die größte Lehre war für mich. dass man immer noch ein starkes Rennen haben kann, wenn man im Qualifying Probleme hat. Es ist wichtiger, ein konstantes Tempo im Rennen zu fahren und am Sonntag die richtige Strategie zu haben. Das haben wir im Vorjahr mehrmals bewiesen."

Frage: "Du kennst das Team inzwischen extrem gut. Wie wichtig ist diese Stabilität?"

Hülkenberg: "Es macht einen großen Unterschied, wenn man sich nicht an eine neue Umgebung gewöhnen muss. Man erspart sich also diese Eingewöhnungszeit, in der man die Leute kennenlernen muss und sich an die neuen Abläufe des Teams anpasst. Ich glaube also, dass es den Druck etwas verringert. Man kann all seine Energie ins Fahren und in die Verbesserung des Autos investieren."

Frage: "Erzähle uns über die Atmosphäre im Team."

Hülkenberg: "Sie ist sehr positiv, und das ist mit Sicherheit eine der großen Stärken dieses Teams. Es handelt sich um eine spezielle und einzigartige Atmsphäre, es fühlt sich wie eine große Familie an. Ob ich an der Rennstrecke oder in der Fabrik bin - das Umfeld ist immer großartig, und das hilft, wenn man als Fahrer das Maximum herausholen will. Alle machen Druck, damit wir jeden Tag und Jahr für Jahr besser werden. Ich freue mich darauf, erneut Teil dieses Prozesses zu sein."

Frage: "Das technische Reglement bleibt im Vergleich zum Vorjahr ziemlich stabil. Ist das aus der Sicht des Fahrers eine gute Sache?"

Hülkenberg: "Das macht es einfacher. Es gibt keine Überraschungen, und man fühlt sich wohler, wenn die Saison beginnt, denn man weiß, was einen erwartet. Natürlich gibt es immer kleine Änderungen - speziell bei Teilen wie dem Lenkrad. Es wird also immer neue Dinge geben, die man lernen muss. Ich finde es aber gut, dass alles stabil bleibt, denn für die Fans ist es sehr verwirrend, wenn man die Regeln jedes Jahr dramatisch ändert."

Frage: "Was ist für einen Fahrer dieser Tage die größte Herausforderung?"

Hülkenberg: "Beim aktuellen Reglement benötigt man mehr freie Kapazitäten, um mit den Dingen klarzukommen. Es gibt mehr Möglichkeiten und Einstellungen, die man verändern kann. Und man benötigt im Vergleich zu den vergangenen Jahren einen besseren Überblick. Konstanz ist auch sehr wichtig, denn der kleinste Fehler kann sehr kostspielig sein. Es ist die Herausforderung, dieses hohe Niveau über die Saison hinweg zu halten, und das ist nicht einfach."

Frage: "Du fährst einmal mehr an der Seite von Sergio Perez. Wie würdest du eure Arbeitsbeziehung bezeichnen?"

Hülkenberg: "Wir verstehen uns sehr gut. Wir kennen uns schon lange, denn wir sind 2005 in der Formel BMW gegeneinander gefahren. Ich denke, dass wir beide gemeinsam in unserem ersten Rennen auf dem Podest gestanden haben. Jetzt sind wir Teamkollegen, und da besteht immer sehr viel Konkurrenz, aber wir sind beide professionell genug, um zu wissen, dass wir zusammenarbeiten müssen, um das Team nach vorne zu treiben."

Frage: "Was dürfen wir uns 2015 von Nico Hülkenberg erwarten?"

Hülkenberg: "Hoffentlich spektakuläre Dinge! Das bedeutet viele Punkte zu sammeln, großartigen Rennsport zu bieten und viel Spaß zu haben. Ich bin Teil eines Teams, das wächst und hungrig nach mehr ist. 2014 war unsere bislang beste Saison, also müssen wir versuchen, dieses Jahr den nächsten Schritt zu machen, um den Teams vor uns noch mehr das Leben schwer zu machen."

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