Pirelli fordert für Reglement 2017 mindestens 18 Testtage

, 13.10.2015

Zustimmung im Fahrerlager zur Vertragsverlängerung mit Pirelli - Trotzdem fordert Paul Hembery für das neue Reglement ab 2017 mindestens 18 Testtage

Beim Grand Prix von Russland ließ Bernie Ecclestone die Katze aus dem Sack: Pirelli wird bis 2019 Einheitsausrüster der Formel 1 bleiben. "Wir haben uns auf die kommerziellen Aspekte geeinigt", bestätigt auch Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery. Die kommerziellen Aspekte betreffen hauptsächlich die Bandenwerbung rund um die Rennstrecken. Diesbezüglich hält Bernie Ecclestone die Fäden in der Hand. Mit dem neuen kommerziellen Vertrag der Brite Michelin praktisch außen vor gelassen.

Beide Reifenhersteller hatten im Frühling ihre Bewerbung beim Automobilweltverband FIA abgegeben. Nach der Überprüfung durch die FIA wurde das Thema an Ecclestone weitergereicht, der sich um die kommerzielle Seite kümmerte und damit praktisch alleine den Reifenpartner entscheiden konnte. Im Fahrerlager wurde die Vertragsverlängerung wohlwollend aufgenommen nach dem Motto: Alles bleibt, wie es ist. "Zumindest wissen wir früh Bescheid", nennt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff einen wichtigen Aspekt.

"Es geht darum, dass man Regeln früh genug entwickelt und Reifen dafür macht. Wir kennen die Jungs und arbeiten mit ihnen schon länger zusammen. Machen wir das Beste daraus", sagt der Österreicher. Und auch Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene nimmt die Vertragsverlängerung gelassen hin: "Wir haben keine Kritik. Nach Spa gab es unterschiedliche Meinungen. Wenn sie Reifenhersteller bleiben, werden wir mit ihnen zusammenarbeiten und ihnen helfen, damit die Formel 1 ab 2017 aufregender wird."

2017 wird "komplex"

Ab 2017 soll die Königsklasse spektakulärer werden. Eine endgültige Reglementnovelle ist noch nicht formuliert. Pirelli wird auch in Zukunft ein entscheidender Baustein dabei sein: "Wir wollen vier oder fünf Sekunden pro Runde schneller sein. Ich weiß nicht, wie viel davon vom Reifen und wie viel von der Aerodynamik und so weiter kommen soll", tappt Hembery auch noch im Dunkeln. "Es wird komplex, denn die Autos werden sich massiv verändern und man kann nicht mit einem aktuellen Boliden testen. Da gibt es so viele Fragezeichen."

Um der Formel 1 weiterhin die Treue zu halten, stellte Pirelli einige Forderung. Mit allen Details ist Hembery aktuell nicht zufrieden: "Ich halte es aber für eine einzigartige Möglichkeit, Technologie zu entwickeln. 2017 erwarten uns große Veränderung. Hoffentlich bekommen wir mehr Testtage. Wir haben um 18 gebeten und wollen, dass das Berücksichtigung findet. Wir brauchen 30.000 Kilometer. Sonst wird es schwierig mit den neuen Reifen. Es muss im nächsten Jahr im Juni geschehen."

Die primäre Marschrichtung soll gleich bleiben. Rennen mit einem Boxenstopp wie in Sotschi sollen die Ausnahme sein: "Die Formel 1 will noch immer zwei oder drei Boxenstopp. In der laufenden Saison waren wir eher an Ein-Stopp-Rennen dran, was nicht gewünscht ist. Da braucht es Veränderung. Wir wollen neue Technologien sehen", sagt Hembery deutlich.

Seit 2011 ist Pirelli wieder in der Formel 1 engagiert und musste schon viel Kritik einstecken. Zuletzt gingen die Wogen nach den Reifenplatzern in Spa-Francorchamps hoch. Gibt es keine Zwischenfälle und die Fans sehen ein spannendes Rennen, dann wird auf der anderen Seite kaum Positives über Pirelli gesagt. "Als Reifenhersteller kann man es nur falsch machen", spricht Wolff diesen Spagat an. "Man wird immer kritisiert."

"Man baut einen spektakulären Reifen, aber wenn er nachlässt, dann wird sich der Fahrer beklagen und wünscht sich haltbare Reifen. Einige Fahrer wünschen sich Reifen wie in Le Mans, wo Dreifachstints gefahren werden", denkt der Österreicher an den 24 Stunden-Klassiker. "Es ist für Pirelli eine knifflige Angelegenheit, dass der Reifen für alle passt." Aufgrund dieser Herausforderungen ist Hembery mit der Vorstellung der Reifen im Allgemeinen zufrieden: "Wir haben das Überholen massiv verbessert und für die besten Rennen der jüngeren Vergangenheit gesorgt. Wir haben auch einen dramatischen Technologiewandel mitgemacht. Wir waren deshalb konservativer, aber so gibt es weniger Boxenstopps als gewünscht."

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