Gipfel der Motorenhersteller: Kommt freie Entwicklung?

, 13.10.2015

Diese Woche tagen die Motorenhersteller, um über eine Lockerung des Formel-1-Reglements zu diskutieren - Honda, Ferrari & Renault wollen Entwicklungsfreiheiten

Als 2014 die neue Hybrid-V6-Turbo Formel eingeführt wurde, sah der Plan vor, dass die Entwicklung von Jahr zu Jahr beschränkt und immer mehr Teile Schritt für Schritt eingefroren werden. Es zeigte sich aber bald, dass dieses Vorhaben zu ambitioniert ist. Mit Ausnahme von Mercedes bereitete die komplexe Technik in der ersten Saison Ferrari und vor allem Renault große Probleme. Ferrari bekam die Technik nach einem Jahr besser in den Griff. Renault fehlt weiterhin die Leistung und Honda hat diverse Probleme.

Laut Informationen von 'Motorsport.com' treffen sich am Donnerstag Vertreter von Mercedes, Ferrari, Honda und Renault mit der FIA, um über das Motorenreglement zu sprechen. Es wird in erster Linie darum gehen, inwieweit man die Beschränkungen bei der Entwicklung lockern und gleichzeitig sicherstellen kann, dass die Entwicklungskosten nicht explodieren. Durch das aktuelle Reglement werden Performancevor- und nachteile eingefroren und sind im Laufe einer Saison praktisch nicht zu ändern.

Aus diesem Grund treffen sich die Teamchefs mit den Motorsportchefs der jeweiligen Hersteller, um Lösungen zu finden, wie man das Feld in der Formel 1 ausgeglichener gestalten könnte. Sollte das Reglement gelockert werden, damit vor allem Honda und Renault über den Winter deutliche Fortschritte machen können, könnte das auch die Entscheidung von Carlos Ghosn beeinflussen. Noch ist nämlich nicht gesichert, dass Renault den Rennstall Lotus übernehmen wird.

Schon im Vorjahr wurde darüber diskutiert, die Motorenentwicklung für 2015 freizugeben. Mercedes stellte sich dagegen. Schließlich fand Ferrari ein Schlupfloch im Reglement. Deswegen wurde die Weiterentwicklung per Token-System während der Saison überhaupt möglich. Dieses Schlupfloch im Reglement gibt es 2016 aber nicht. Das heißt, dass laut aktuellem Stand der Dinge alle Hersteller Ende Februar 2016, wenige Tage nach den ersten Wintertests, ihren Antrieb homologieren müssen.

Ab diesem Zeitpunkt ist bis Saisonende keine Weiterentwicklung an den Antrieben erlaubt. Praktisch wird das Performance-Level zwischen den Teams mehr oder weniger eingefroren und würde sich im Laufe der Saison kaum ändern. Honda, Renault und auch Ferrari wollen diese Regel abschaffen. Es muss auch während der Saison möglich sein Updates zu bringen, oder man gibt alle Einschränkungen ganz auf und gibt die Antriebsentwicklung komplett frei.

Lässt sich Mercedes auf Kompromiss ein?

Eine Änderung des Reglements muss einstimmig erfolgen. Die drei Hersteller müssen einen Kompromiss mit Mercedes finden. Die Silberpfeile sind der Konkurrenz nicht nur leistungstechnisch, sondern auch im Zeitplan klar voraus. Mercedes setzte den Antrieb mit Blick für 2016 schon in Monza ein. Ferrari könnte mit dem neuen Update in Austin nachziehen, wo auch Honda die jüngste Entwicklung erstmals im Rennen einsetzen will. Und vom angekündigten Renault-Update fehlt bisher jede Spur.

Bleibt der Homologationstermin mit Ende Februar bestehen, so könnte sich Mercedes voraussichtlich einen Vorsprung einfrieren lassen, der bis Saisonende bestehen würde. Der Weltmeister würde praktisch schon vor dem ersten Rennen feststehen. In Zeiten sinkender TV-Quoten muss etwas getan werden, damit es auch an der Spitze einen spannenden Kampf um den Sieg und eine gute Show gibt. Deswegen wird sich Mercedes wohl auf Kompromisse einlassen.

Allerdings muss Mercedes vorsichtig pokern, welche Freiheiten man den Gegnern zugesteht. Ferrari hat schon in diesem Jahr gezeigt, dass man auf dem richtigen Weg nach vorne ist. Deswegen werden am Donnerstag wohl mehrere Szenarien besprochen. Analog zur Zeitbeschränkung im Windkanal könnte es beispielsweise auch ein Zeitlimit für Prüfstandstests geben. Welcher Kompromiss auch immer gefunden wird, er könnte ganz entscheidend für die Formel-1-Zukunft in den nächsten beiden Jahren sein.

Laut 'Motorsport.com' steht am Donnerstag noch ein weiterer Aspekt auf der Tagesordnung. Im Reglement sind für die nächsten beiden Jahre Bereiche des Antriebs aufgelistet, bei denen überhaupt keine Entwicklung stattfinden darf, selbst wenn ein Hersteller diese erkunden möchte. Für 2016 sind das unter anderem das Kurbelgehäuse, der Ventiltrieb und das Belüftungsventil. Für 2017 gibt es dann weitere Einschränkungen, bis schließlich kaum noch Raum für Entwicklungen besteht. Diese Einschränkungen stehen ebenfalls zur Debatte. Sollten sich die Hersteller einstimmig auf einen Kompromiss einigen, geht er weiter zur Formel-1-Kommission, die eine Änderung absegnen muss.

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