Pneumothorax: Warum Fernando Alonso nicht fahren kann

, 31.03.2016

Aus Angst um die Lunge lassen die Ärzte Fernando Alonso in Bahrain nicht fahren - Entscheidung über Start in China fällt in acht bis zehn Tagen

Fernando Alonso versteht die Entscheidung der FIA-Ärzte, ihm die Starterlaubnis für den Grand Prix von Bahrain zu verweigern. Nach seinem Horrorcrash beim Saisonauftakt in Australien hatte sich der McLaren-Honda-Fahrer am Donnerstagmorgen in Manama einem medizinischen Check unterzogen und anschließend bekannt geben müssen, dass er das Rennen nicht bestreiten darf.

Das Risiko einer Folgeverletzung sei zwar "sehr gering", aber: "Ich verstehe, dass wir alle null Risiko wollen. Ich respektiere die Entscheidung." Alonso kam leicht humpelnd im Fahrerlager in der Sachir-Wüste an, doch das eigentliche Problem sind nicht seine Beine, sondern die Rippenbrüche: "Die Fraktur ist noch nicht ganz zusammengewachsen, weil sie zu frisch ist", berichtet er. Und: "Eine Rippenfraktur kann bei manchen Bewegungen sehr schmerzhaft sein."

Unmittelbar nach dem Crash in Melbourne sei es ihm noch "gut" gegangen, bestätigt Alonso elf Tage später: "Ich hatte leichte Schmerzen im Knie, aber das war nicht tragisch. Ich hatte grünes Licht von den Ärzten, die Strecke zu verlassen. Alles war okay. Am Montag hat mir alles ein bisschen wehgetan, aber es war nichts Ernstes. Dann bin ich nach Spanien geflogen und die Schmerzen wurden noch ein bisschen stärker. Also habe ich mich einer CT unterzogen."

Rippenknochen drücken gegen die Lunge

Dabei wurde ein Pneumothorax festgestellt. Ein Pneumothorax ist laut Wikipedia "ein meist akut auftretendes, je nach Ausprägung lebensbedrohliches Krankheitsbild, bei dem Luft in den Pleuraspalt gelangt und damit die Ausdehnung eines Lungenflügels oder beider Lungenflügel behindert, sodass diese für die Atmung nicht oder nur noch eingeschränkt zur Verfügung stehen". Oder, vereinfacht gesagt: Die gebrochenen Rippenknochen drücken gegen die Lunge.

"Also hielt ich mich an den Rat der Ärzte, mich zu Hause zu erholen und die CT am Montag zu wiederholen", sagt Alonso. "Der Pneumothorax ist fast ganz weg, aber ich habe gebrochene Rippen. Da ist das Risiko beim Fahren zu hoch, weil die Sitzposition in der Formel 1 sehr speziell ist, bei sehr hohen Fliehkräften. Da könnten die Knochen in die Lunge geschoben werden. Das ist nicht wie ein gebrochenes Bein, wo man den Schmerz runterschlucken kann. Im Brustkorb können Organe verletzt werden."

Alonso wollte unbedingt fahren

Trotzdem wollte der Spanier in Bahrain unbedingt fahren, wenn es nach ihm gegangen wäre: "Beim Training zu Hause hatte ich Schmerzen, aber ich war bereit, diese Schmerzen im Auto auf mich zu nehmen. Die Schmerzen sind auszuhalten, wenn beim Fahren das Adrenalin durch den Körper strömt. Aber die Ärzte sagen, dass es andere Risiken gibt. Diese zu minimieren, ist nur logisch. Ich verstehe diese Entscheidung."

Laut FIA muss er sich vor dem Grand Prix von China, der am 15. April mit dem Freien Training beginnt, einem weiterem medizinischen Check unterziehen. Der Start in Schanghai sei daher "nicht hundertprozentig sicher", gibt Alonso zu. Aber er ist optimistisch: "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Rippen wieder ganz zusammengewachsen sind. Die nächsten zehn Tage sollten dafür ausreichen. Die Sicherheit hat auf jeden Fall Vorrang."

Albträume habe er nach dem spektakulären Unfall nicht gehabt, sondern "nur Schmerzen. Ich freue mich schon darauf, wieder ins Auto zu steigen. Das Team wollte, dass ich nach Hause fliege. Keine Chance! Ich will die Autos hören, ich will Stoffel helfen, ich will sehen, wie die Updates funktionieren. Es ist mein 16. Jahr in der Formel 1. Dass da Unfälle passieren, ist ganz normal. Jetzt hatte ich in den letzten beiden Jahren jeweils einen Unfall, wegen dem ich ein Rennen auslassen musste."

Volle Konzentration auf ungewohnte Rolle

Die Rippenbrüche sind übrigens nicht wegen der gebrochenen Sitzschale zustande gekommen, sondern einfach durch die Wucht des Einschlags (47g), sagt Alonso. Und auch vor einem Stromschlag durch die lose in der Luft hängenden Kabel des Honda-Hybridsystems habe er keine Angst gehabt: "Ich habe nichts gesehen. Du willst in dem Moment nur aus dem Auto raus, deine Füße auf den Boden setzen und weggehen."

Jetzt stellt er sich aus ungewohnter Position ganz in den Dienst von McLaren: "Ich will als Beobachter lernen, wie sich das Team auf das Rennen vorbereitet, wie das neue Qualifying-System läuft, wie das Rennen, die Strategie und die Boxenstopps ablaufen. Was ich außerhalb des Cockpits lernen kann, wird mir beim nächsten Mal im Cockpit vielleicht helfen." Als er in Australien 2015 schon einmal zuschauen musste, tat er das von zu Hause aus.

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