Red-Bull-Boss droht: "Spielen ganz sicher keine Nebenrolle!"

, 12.03.2016

Dietrich Mateschitz und Helmut Marko machen unmissverständlich klar, dass Red Bull nur dann in der Formel 1 bleibt, wenn sie bald einen siegfähigen Motor bekommen

Red Bull und Toro Rosso bleiben der Formel 1 erhalten - zumindest vorläufig. Nachdem es lange Zeit danach aussah, dass beide Teams für die Saison 2016 keinen Motor finden, einigte sich Red Bull mit Renault doch noch auf eine Verlängerung der Partnerschaft. Zwar tragen die Aggregate in diesem Jahr offiziell den Namen TAG Heuer, dahinter verbirgt sich aber noch immer der bereits bekannte Antrieb. Toro Rosso startet 2016 mit Vorjahresmotoren von Ferrari. In beiden Fällen ist das aber keine Dauerlösung.

"Ich hoffe, wir werden keine Wiederholung der Ereignisse aus 2015 erleben", erklärt Red-Bull-Teamchef Christian Horner im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' und verrät: "Wir haben eine Übereinkunft mit unserem Motorenlieferanten bis zum Ende des Jahres und werden die Entscheidung während des Jahres fällen. Wir haben vergangenes Jahr gezeigt, dass wir mit der Entscheidung sehr lange warten können."

Das Wunschszenario wäre eine erneute Hängepartie ganz sicher nicht. Doch Horner weiß: "Unsere Optionen sind limitiert. Wir müssen sehen, wie es sich entwickelt. Neue Hersteller gibt es für 2017 ja nicht. Um jetzt noch für 2017 einzusteigen, ist es definitiv zu spät." Dementsprechend schließt Horner auch ein eigenes Motorenprogramm von Red Bull aus und erklärt: "Das ergibt keinen Sinn. Formel 1 ist ein kontinuierliches Investment."

Mateschitz droht mit Ausstieg

Red Bulls favorisierte Lösung wäre ein Alternativmotor eines unabhängigen Herstellers. Dieser Plan wurde von den aktuellen Motorenherstellern allerdings abgelehnt und liegt zunächst einmal auf Eis. Folglich müsste sich Red Bull mit Mercedes, Ferrari oder Honda einigen, wenn man 2017 einen anderen Motor haben möchte. Doch die beiden Erstgenannten haben - zumindest in diesem Jahr - kein Interesse daran, einen Konkurrenten mit aktuellem Material zu beliefern.

"Die Macht von Mercedes und Ferrari tut der Formel 1 nicht gut", erklärt Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz gegenüber 'Autosport' und droht: "Wenn wir nach 2016 keinen konkurrenzfähigen Motor haben, dann haben wir keine andere Wahl, als unsere Zukunft zu hinterfragen." Ähnliche Ausstiegsdrohungen sprachen die Red-Bull-Verantwortlichen bereits im Jahr 2015 aus.

"Momentan ist alles ziemlich offen", erklärt Mateschitz und stellt unmissverständlich klar: "Wir werden in den nächsten fünf Jahren definitiv nicht um Platz fünf kämpfen. Die Formel 1 ist nicht die Tour de France, und wir werden ganz sicher keine Nebenrolle spielen." Mit solchen Aussagen setzt Mateschitz vor allem Bernie Ecclestone unter Druck. Der Formel-1-Boss kann es sich nicht leisten, direkt zwei Teams zu verlieren.

Marko fordert FIA zum Handeln auf

"Mittelfristig ist noch immer nicht klar, was in Zukunft mit uns passieren wird", erklärt auch Red Bulls Motorsportberater Helmut Marko im Gespräch mit 'Formula1.com' und ergänzt: "Herr Mateschitz hat oft gesagt, dass wir nicht nur in der Formel 1 sind, um einfach dabei zu sein - wir wollen gewinnen. Das olympische Prinzip liegt nicht in der DNA von Red Bull." Bei den Diskussionen über neue Motorenregeln habe es für Red Bull bisher noch kein "vernünftiges Ergebnis" gegeben.

"Red Bull ist ein Championteam. Und wenn wir keinen konkurrenzfähigen Motor bekommen, dann behindert uns das massiv. Das führt zu einem verzerrten Wettbewerb, was eine sehr ungesunde Situation ist. Die ganze Sache geschieht mit Absicht - zumindest ist das mein Eindruck. Natürlich kann ich die Position von Mercedes oder Ferrari verstehen. Aber der Verband, die FIA, sollte reagieren", fordert Marko.

"Es gibt keine Kostenreduktion, keine Angeleichung der Motoren und keine klaren Regeln dazu, wie ein unabhängiges Team wir wir konkurrenzfähige Motoren bekommen kann", ärgert sich der Österreicher und ergänzt: "Das Concorde-Agreement läuft bis 2020. Aber wenn wir so lange bleiben sollen, dann brauchen wir bald einen konkurrenzfähigen Motor." Auch seine Worte klingen wie eine Drohung.

Mateschitz lobt Renault-Fortschritte

Klar ist aktuell nur, dass Red Bull zumindest die Saison 2016 noch einmal mit Renault-Motoren überbrücken wird. "Obwohl der Antrieb der gleiche wie im vergangenen Jahr ist, habe ich das Gefühl, dass Renault mit neuen Leuten in verantwortlicher Position hart pusht", lobt Mateschitz die Franzosen und erklärt: "Sie zeigen Leidenschaft, eine sehr professionelle Einstellung und sind hungrig nach Erfolg."

Auch die eigene Designabteilung bekommt ein Lob vom Chef. "Der neue RB12 ist eines der besten Autos, das wir je auf die Strecke geschickt haben. Es ist ein Meisterwerk von Adrian (Newey; Anm. d. Red.) und seinem Team", so Mateschitz. Umso ärgerlicher ist es da, dass Red Bull trotz dieses "Meisterwerks" wohl auch in der Saison 2016 nicht um den WM-Titel in der Formel 1 mitkämpfen kann.

"Unser Ziel muss es sein, Platz drei in der Meisterschaft hinter den beiden Werksteams zu holen, und die Kundenteams mit deren Motoren zu schlagen", erklärt Mateschitz. Man darf gespannt sein, mit welchem Motor die Bullen in der Saison 2017 an den Start gehen werden - oder ob sie ihre Drohung dieses Mal wahrmachen, wenn sie bei Mercedes und Ferrari ein weiteres Mal abblitzen.

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