Rennvorschau Spielberg: Setup-Roulette durch neuen Asphalt

, 29.06.2016

Der neue Spielberg-Asphalt sorgte schon in der DTM für rauchende Köpfe: Wieso das Wetter alles noch schwieriger macht und wer in Österreich Mercedes herausfordert

Nach seinem Sieg in Baku hat Nico Rosberg im Titelkampf gegen Lewis Hamilton wieder etwas Luft zum Atmen bekommen. Der Wiesbadener, der zuletzt deutlich unter die Räder gekommen war, reist nun mit einem Polster von 24 WM-Punkte nach Spielberg. Und dort hat der Mercedes-Pilot, der teilweise in Zell am See in Österreich aufgewachsen ist, beinahe Heimrecht. Denn bei den bisherigen zwei Grands Prix auf dem Red-Bull-Ring holte er sich stets die 25 WM-Punkte ab.

Eine 100-Prozent-Quote sei stets "etwas Besonderes", sagt der WM-Leader nicht ohne Stolz. "Aber es wäre natürlich noch besser, wenn ich daraus drei Siege in drei Rennen machen könnte." Die Vorzeichen besagen allerdings, dass es dieses Jahr schwieriger als zuletzt werden wird. Denn der Kurs wird sich grundlegend anders anfühlen, wenn Rosberg am Freitag erstmals auf die Strecke geht.

Grund dafür ist der neue Asphalt. Rosbergs Mercedes-DTM-Kollege Lucas Auer berichtet: "Die Strecke ist jetzt komplett flach, alle Bodenwellen sind verschwunden. Außerdem ist der Grip nun stark erhöht, das kann man deutlich spüren." Und das hat den Silberpfeilen beim DTM-Gastspiel in Spielberg das Wochenende ordentlich verhagelt, weil man die Pneus nicht ins Temperaturfenster brachte.

Neuer Asphalt, neue Rekordrunde?

Noch scheiden sich beim neuen Spielberg-Asphalt die Geister. Während Williams-Technikchef Pat Symonds mit einem höheren Reifenverschleiß als in den vergangenen Jahren rechnet, glaubt Pirelli an einen ähnlichen Verschleiß, aber zusätzlichen Grip. Dadurch werden die Rundenzeiten im Vergleich zum Vorjahr ordentlich purzeln. Die DTM war um ganze zwei Sekunden schneller. Da in der Formel 1 neben den Soft- und Supersoft-Reifen auch die neue Ultrasoft-Mischung zum Einatz kommen wird, sind deutlich Verbesserungen zu erwarten.

"Die Pole-Zeit könnte durchaus im Bereich des Rundenrekords liegen", vermutet der Mercedes-Technikverantwortliche Paddy Lowe, dass Zeiten im Bereich von 1:07.908 Minuten (Michael Schumacher 2003) möglich sein werden. Der Brite rechnet zudem mit einem Reifenpoker: "Durch den neuen Asphalt dürften die Reifen dort ganz anders als bisher funktionieren."

Rosberg und Hamilton gehen mit einer unterschiedlichen Reifenwahl in das Wochenende: Beide haben je acht Sätze der Ultrasoft-Mischung reserviert, der Deutsche hat allerdings nur einen Satz der Soft- (verpflichtend) und vier Sätze der Supersoft-Mischung zur Verfügung. Beim Briten sind es zwei Sätze Soft und drei Sätze Supersoft. Ferrari legt es noch weicher an als Rosberg: Die Roten setzen gar auf neun Sätze Ultrasoft.

Regen könnte für Setup-Roulette sorgen

Die Teams haben durch die Asphalt-Unbekannte in den Freien Trainings ordentlich Testarbeit vor sich, um die optimale Reifenstrategie zu finden. Da könnte ihnen aber das Wetter einen Strich durch die Rechnung machen: Während es im ersten Freien Training noch trocken sein dürfte, sind für den Freitag-Nachmittag Regenschauer und Gewitter angesagt. Ein ähnliches Bild kündigt sich für den Samstag an: Das Qualifying könnte ins Wasser fallen. Das Rennen am Sonntag sollte dann aber bei trockenenden Bedingungen über die Bühne gehen.

"Ein Trockenrennen nach feuchten Bedingungen in den Trainings wäre eine große Herausforderung", meint Williams-Technikchef Pat Symonds. Durch die schwankenden Bedingungen wären die Teams also gezwungen, bei der Reifenstrategie und beim Setup einen Schuss ins Blaue zu riskieren. Das hat bereits im Vorjahr in Austin zu einem unterhaltsamen Grand Prix geführt.

Pirelli rechnet mit zwei Stopps

Symonds rechnet mit "einem Zweistopprennen, und die unterschiedlichen Reifennominierungen scheinen das zu bestätigen." Zumindest diesbezüglich ist er sich mit Pirelli einig, obwohl Rosberg im Vorjahr mit nur einem Stopp erfolgreich war. Grund dafür war eine frühe Safety-Car-Phase, die sich auf die Strategien auswirkte.

Wird Williams nach 2014 und 2015 erneut erster Mercedes-Herausforderer sein? Motorsportchef Toto Wolff hat die Briten zumindest auf der Rechnung: "Williams ist in Spielberg immer schnell." Und auch Symonds sieht "keinen Grund, warum uns der Kurs nicht erneut Erfolg bringen sollte".

Vettel fordert in Spielberg Mercedes heraus

Auf der Motorenstrecke - der Vollgasanteil liegt bei über 60 Prozent - wird sich auch zeigen, ob Ferrari mit den Turbo-Updates bei der Antriebseinheit wirklich zu Mercedes aufgeschlossen hat. "Die Strecke sollte uns liegen", zeigt sich Sebastian Vettel, der in der Gegend des Kurses ein Haus besitzt, optimistisch. "Wir haben auch ein paar neue Teile dabei und können Mercedes hoffentlich ordentlich unter Druck setzen, nachdem wir uns im Vorjahr an Williams ein bisschen die Zähne ausgebissen haben."

Auch der Mercedes-Aufsichtsratsvorsitzende Niki Lauda fürchtet vor seinem Heimspiel, dass der Silberpfeil-Vorsprung in der Steiermark geringer ausfallen wird als in Aserbaidschan: "Der sollte nicht so groß sein, das Rennen wird also interesant."

Red Bull: So gut sah es vor dem Heimspiel noch nie aus

Auch Red Bull möchte, nachdem man sich in Baku beim Setup verrannte, an der Spitze mitkämpfen, zumal man beim Heimspiel bisher mit Platz acht als Highlight deutlich hinter den Erwartungen blieb. "Wir haben da mitunter unsere schlechtesten Resultate herausgefahren", sitzt der Stachel bei Red Bulls Motorsportkonsulent Helmut Marko tief.

Dieses Jahr glaubt der Österreicher an eine Trendwende: "Jetzt haben wir mehr Power, ein super Chassis und einen neuen Asphalt. Das bedeutet auch mehr Grip, und deshalb hoffen wir dieses Jahr auf bessere Resultate." Nicht zu unterschätzen ist auch Force India: Die kleine indische Truppe mit Sitz in Silverstone schafft es in den vergangenen drei Rennen durch den beherzt fahrenden Sergio Perez zwei Mal auf das Podest.

Und die langen Geraden sollten dem mit einem Mercedes-Triebwerk ausgestatteten VJM09 absolut entgegenkommen. Der Mexikaner glaubt jedenfalls, dass eine erneute Überraschung möglich ist: "Wir haben das Auto seit Barcelona deutlich verbessert und ich rechne damit, dass wir dieses Wochenende wieder konkurrenzfähig sein werden."

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