Ricciardo nimmt Verstappen in Schutz: "Kommt mit der Reife"

, 01.09.2016

Daniel Ricciardo kann die Sicht von Kimi Räikkönen nachvollziehen, geht aber mit Max Verstappen nicht streng um - Lob gibt es von Nico Hülkenberg

Max Verstappen bewegt sich an der Grenze - sowohl auf der Strecke als auch bei seinen Rennfahrerkollegen. Für seine rücksichtslose Fahrweise gegen Kimi Räikkönen in Spa-Francorchamps musste der Niederländer in der letzten Woche viel Kritik einstecken - vor allen aus Ferrari-Reihen. Allerdings gibt es auch einige Befürworter des 18-Jährigen, der unbeirrt seinen Weg gehen will.

Auch Daniel Ricciardo möchte nicht allzu hart mit seinem Teamkollegen ins Gericht gehen. Der Australier hat Nachsicht mit dem Teenager: "Ich verstehe Kimis Sicht, aber ich verstehe auch die Intention von Max und seine Leidenschaft beim Fahren. Er möchte ein echter Kämpfer auf der Strecke sein, und das respektiere ich", sagt er. Man müsse einfach die richtige Balance finden, doch das wird Verstappen, da ist sich Ricciardo sicher.

Der Red-Bull-Pilot betont, dass man nicht vergessen dürfe, dass der Niederländer erst 18 Jahre alt ist. "Mit 18 Jahren war ich nicht einmal nah an der Formel 1 dran", erinnert sich Ricciardo. "Es wird mit der Reife kommen, aber die Basics sind schon einmal vorhanden." Dass Verstappen sich nicht verändern will, hält er in erster Linie für eine rebellische Teenie-Reaktion: "Es liegt vermutlich nur am Alter. Selbst ich bin noch unreif, aber in diesem Alter macht man eine Menge durch."

Verstappen ein zweiter Grosjean?

Wenn der Druck von außen steigt, dann wird sich auch der 18-Jährige beugen, glaubt er. Und wie der Druck steigen kann, das hat Romain Grosjean 2012 mitbekommen. Der Franzose galt einst als das größte Crash-Kid der Formel 1 und saß nach einem Unfall in Spa-Francorchamps sogar eine Rennsperre ab. Damals prasselte auch Kritik von allen Seiten auf den heutigen Haas-Piloten ein.

Mit Kritik von außen konnte Grosjean damals umgehen, dass diese aber auch von den anderen Piloten kam, habe ihm schon stärker zugesetzt. "Wir sind nur 22 und sollten Respekt voreinander haben, und wenn die anderen anfangen, dir die Schuld für Dinge zu geben, dann wird es härter und härter für dich", meint der Franzose, der sich sogar Hilfe von einem Psychologen suchte und heute eine völlig andere Fahrweise an den Tag legt.

Blickt er heute auf Verstappen, dann ist Grosjean auch zwiegespalten. Der Auftritt in Spa hat ihm wenig gefallen: "In der ersten Runde ist er ein wenig grenzwertig gefahren. Danach gab es auch ein paar Manöver, die grenzwertig waren", urteilt er, bescheinigt seinem Kollegen aber ansonsten ein gutes Zeugnis. "Er liebt Racing, das ist gut. Ihm fehlt einfach Erfahrung beim Verteidigen und Überholen." Außerdem habe er noch nie einen großen Unfall gehabt.

Hülkenberg würde sich auf die Schulter klopfen

Auch einige andere Piloten stellen sich auf die Seite des Niederländers: "Er ist ein außergewöhnlicher Fahrer, mehr sehe ich nicht", möchte Lewis Hamilton die Kritik nicht zu hoch hängen. Ein noch größerer Fan ist allerdings Nico Hülkenberg. Der Force-India-Pilot geht sogar noch ein Stück weiter und feiert das kritische Spa-Manöver: "Es ist eine Kunst, genau im perfekten Moment rüberzuziehen, so wie er das gemacht. Und dadurch Kimi die Luft zu nehmen. Es ist nicht so leicht, das so zu timen. Wenn mir das so gelingen würde, dann würde ich mir auch erst mal auf die Schulter klopfen", sagt er laut 'auto motor und sport'.

"Man versucht immer die Angriffe des Gegners abzuwehren. Max ist sehr gut drin", lobt der Deutsche weiter. "Ich fand das Manöver okay. Ich kann aber auch nachvollziehen, dass sich Leute darüber aufregen. Meinungen gehen bei so etwas immer auseinander." Landsmann Nico Rosberg findet das Manöver hingegen ebenfalls grenzwertig. "Das muss diskutiert werden", stellt er eine Debatte beim Fahrermeeting am Freitag in Aussicht. "Ich bin sicher, dass unsere roten Freunde etwas dazu zu sagen haben."

Sicherlich dürfte es dabei auch um das Thema Spurwechseln beim Bremsen gehen. Dafür stand Verstappen schon in Ungarn in der Kritik und dürfte es nun auch verschärft sein. "Wenn man bremst, dann hat man sich auf eine Linie festgelegt", will auch Ricciardo Verstappen nicht ganz in Schutz nehmen. Der Australier hat so ein Verhalten in letzter Zeit schon häufig ausmachen können und hat dabei die jungen Piloten im Verdacht.

Ricciardo tadelt Jünglinge

"Ich weiß nicht, wie sie in Juniorserien fahren, aber es scheint öfter bei den jungen Fahrern vorzukommen", mahnt er. "Ich hatte im Vorjahr in Austin einen Vorfall mit Carlos (Sainz; Anm. d. Red.), der ähnlich war und über den ich nicht glücklich war. Ich glaube, Carlos hat das seitdem nicht mehr gemacht. Es braucht wohl einmal, und dann hat man es gelernt. Ich möchte Max da nicht herausstellen, es ist so eine Sache bei den jungen Fahrern."

Den Vorfall mit Kimi Räikkönen auf der Kemmel-Geraden kann er aber nachvollziehen: "Als ich in die Formel 1 kam, war das Auto so viel schneller. Es hat eine Weile gebraucht, bis ich verstanden hab, wo ich mit dem Auto sein muss", sagt er. "Im Rennen ist alles schneller passiert und der Windschatten war stärker, von daher ist es im Rückspiegel nicht immer einfach zu sehen, wie schnell ein Auto ankommt." Explizit gegen die Meinung Kimi Räikkönens ist er daher nicht, "aber ich räume den jungen Fahrern den Vorteil der Zweifel ein", sagt er und bleibt gelassen. "Ich vertraue darauf, dass das mit dem Alter kommt. Es ist keine Sorge."

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