Ross Brawn: Wer Michael Schumacher wirklich entdeckt hat

, 22.11.2016

Nicht er selbst oder Flavio Briatore, der sich so gerne damit rühmt: Tom Walkinshaw hätte den jungen Deutschen zu Benetton geholt - "Er war ein richtiger Stachel"

Ross Brawn und Michael Schumacher - diese Kombination stand jahrelang für maximalen Erfolg. Dass das "Superhirn" und der spätere Rekordweltmeister in der Saison 1991 bei Benetton erstmals in der Formel 1 zusammenspannten, war einem häufig vergessenen Hintermann des Erfolges zu verdanken: Tom Walkinshaw. "Er und ich haben beide sein Talent erkannt. Wir wussten beide, wie gut er war", sagt Brawn im Interview mit 'Sky Sports F1' über seinen langjährigen Weggefährten.

Denn schon bevor Walkinshaw bei Benetton den Posten des Chefingenieurs übernahm und Brawn der Technikchef des Teams wurde, hatte das bei Jaguar in der Sportwagen-WM engagierte Duo ein Auge auf den Deutschen geworfen. Brawn traf Schumacher zum ersten Mal, als der damalige Mercedes-Junior in der Prototypen-Serie an den Start ging und bei Silber für Wirbel sorgte. "Er war ein richtiger Stachel. Obwohl das Auto großartig war, tat es weh, was er gesagt hat", so Brawn.

Noch mehr als das knallharte Feedback des Youngsters beeindruckten ihn und Walkinshaw seine Qualitäten als Arbeitstier. "Am Anfang steht immer natürliches Talent", meint Brawn, "das hatte er, aber auch den Fleiß, die Intelligenz, die Hingabe und die Liebe für das Bewegen eines Rennautos. Er liebte es zu fahren." Ergo war Schumacher erste Wahl, als es für die beiden in die Formel 1 ging. Nachdem ein Versuch, Ligier zu kaufen, am fehlenden Geld scheiterte, lockten sie ihn zu Benetton.

Bernie Ecclestone hatte sie zuvor mit Flavio Briatore zusammengebracht, um den Rennstall auf Vordermann zu bringen. "Tom war der Architekt", schreibt Brawn in seinem kürzlich erschienen Buch 'Total Competition: Lessons in strategy from Formula One', das er gemeinsam mit Adam Parr veröffentlicht hat. "Flavio will immer damit gerühmt werden, Michael entdeckt zu haben, aber er wusste nicht einmal, wie Michael aussah, als er sich dem Team angeschlossen hat."

Walkinshaw und Brawn machten es sich zunutze, dass Eddie Jordan Schumacher für das Formel-1-Debüt in Spa-Francorchamps nur einen Vertrag über ein Rennen zugestanden hatte und ihn halten wollte, aber nicht konnte. "Er hatte nicht das nötige Wissen. Der Kontrakt war nicht robust genug", beschreibt Brawn die Situation, als die beiden ihren Wunschpiloten zu Benetton holten und dafür einen ihrer Stammpiloten loswerden mussten: Nelson Piquet oder Roberto Moreno.

Es traf Moreno, doch der andere Brasilianer war mit der Entscheidung alles andere als glücklich. "Nelson hat einen riesigen Aufstand geprobt und uns vorgeworfen, unehrlich zu Roberto gewesen zu sein", erinnert sich Brawn an sich anbahnenden Abschied des dreimaligen Weltmeisters. "Michael hatte Nelson aber schon an einen Punkt gebracht, an dem Nelson erkennen musste, dass er unser Junge war." Ergo ging Piquet am Saisonende und verfolgte Schumachers kometenhaften Aufstieg als Privatier.

Ob Michael Schumacher der größte Formel-1-Pilot aller Zeiten war, will Brawn nicht sagen. Ein Loblied stimmt er dennoch an: "Ganz sicher war er der beste Fahrer, mit dem ich jemals gearbeitet habe und auch der beste seiner Generation." Der Kerpener sei eine sehr ehrliche Person. "Weder er noch ich mögen Spielchen. Wir setzen uns zusammen und räumen Dinge aus dem Weg", erklärt Brawn.

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