Sauber präsentiert den C34: Graue Maus wird 2015 farbig!

, 30.01.2015

Bei den Schweizern ist alles neu - von den Piloten bis zur Farbgestaltung: 2015 will Sauber für die schlechteste Saison aller Zeiten mit WM-Punkten entschädigen

Mit dem neuen Auto soll alles besser werden: Nach dem enttäuschenden Jahr 2014, in der Sauber keinen einzigen Punkt holte und damit das schlechteste Abschneiden der Teamgeschichte verbuchte, stellten die Schweizer am Freitagvormittag ihren neuen Boliden für die Saison 2015 vor. Im Internet wurde der C34 präsentiert, der optisch so gar nicht an die graue Vorsaison erinnert - und das ist durchaus wörtlich zu verstehen. Vielmehr setzt Sauber auf frische Farben und Sponsorenmillionen aus Brasilien.

Die Farbe Blau dominiert den Look des C34, wobei viele Freiflächen den Eindruck erwecken, dass weitere Geldgeber dem Team nicht schaden können. Die Großbank Banco do Brasil, der langjährige Förderer des Felipe Nasr, wirbt erwartungsgemäß als neuer Hauptsponsor auf den gelben Seitenkästen. Erwartungsgemäß sind die Gönner aus Mexiko mit Esteban Gutierrez verschwunden, dafür sind bekannte Sauber-Partner wie die Schweizer Uhrenmarke Certina und der FC Chelsea an Bord geblieben.

Auffälligste Neuerungen des technischen Designs sind die Nase und die Airbox. Die Front des C34 ist deutlich breiter und verfügt an der Spitze über einen "Knubbel", den in dieser Form noch kein anderes Team präsentiert hat. Die gesamte vordere Partie ist gemäß des neuen Reglements flacher und erinnerte in der Silhouette an die Modelle der Konkurrenz. Bei den Lufteinlässen über dem Cockpit setzt Sauber auf zwei kleine Zusatzschächte an den Seiten.

Neue Fahrer, gewohnter Antrieb

Motor, Energierückgewinnungs-System und Getriebe stammen weiterhin von Ferrari. Gemäß dem Technischen Reglement dürfen im Hinblick auf die Saison 2015 gewisse Komponenten komplett neu konstruiert werden. Dabei ist das Ziel nicht nur die Leistungssteigerung des Turbomotors, sondern vor allem auch die Optimierung der Energierückgewinnung und die Energiespeicherung.

Das Auspuffendrohr ist nach wie vor zentral angeordnet und verläuft zwischen zwei Pylonen, die sich jedoch neuerdings nicht mehr auf dem hinteren Crashelement, sondern auf dem Getriebegehäuse abstützen. Die Feder- und Dämpferelemente an der Hinterachse werden zwar weiterhin von einer Zugstrebe aktiviert, ansonsten handelt es sich um eine völlige Neukonstruktion mit getrennten unteren Dreiecksquerlenkern. Auch die Getriebeübersetzungen wurden verändert.

Kaltenborn fordert WM-Punkte

Auch in Sachen Personal ist in Hinwil in diesem Jahr vieles neu: Adrian Sutil musste trotz gültigen Vertrages genau wie Teamkollege Gutierrez die Koffer packen und Platz machen für zahlungskräftige Piloten. Mit dem Schweden Marcus Ericsson sowie dem Brasilianer Nasr setzt Sauber auf eine neue Paarung. Testpilot Raffaele Marciello, seines Zeichens Juniorpilot von Ferrari und wohl auch dank des Sauber-Antriebspartners in dieser Rolle, unternimmt seine ersten Formel-1-Schritte.

Teamchefin Monisha Kaltenborn sagt: "2014 war ein sehr enttäuschendes Jahr. Doch das ist Vergangenheit, unser Blick ist nun nach vorne gerichtet. Wir haben die Lehren gezogen und gehen mit Zuversicht in die neue Saison. Wir müssen uns verbessern und in der Position sein, um WM-Punkte zu kämpfen." Optimistisch ist die Österreicherin, einzige weibliche Teamchefin in der Formel 1, in Bezug auf die neue Fahrerpaarung: "Ich freue mich auf unsere beiden neuen Piloten, die frischen Wind ins Team bringen. Beide sind jung, talentiert und hoch motiviert."

Ericsson kommt mit einem Jahr Formel-1-Erfahrung in die Schweiz. Der in der Junior-Serie GP2 zuvor mäßig erfolgreiche Skandiavier fuhr im vergangenen Jahr beim Hinterbänkler Caterham und setzte sich mit dem unterlegenen Boliden kaum in Szene. Vor dem Hintergrund des drohenden Aus des Teams fand er eine neue Anstellung und will sich bei Sauber für höhere Aufgaben empfehlen. Ericsson blickt optimistisch in die Zukunft: "Nach einer schwierigen Saison wollen wir uns nun als Team nach vorne arbeiten und im Mittelfeld kämpfen, so wie man das in der Vergangenheit auch konnte. Als Fahrer möchte ich noch mehr lernen, um mich als Pilot in der Formel 1 zu etablieren."

In Jerez nur eine "Rollout-Version"

Nasr wird erste in Melbourne sein Grand-Prix-Debüt feiern. Der Südamerikaner, dem Experten seit Jahren nachsagen, ein Toptalent zu sein, wurde in der abgelaufenen GP2-Saison Gesamtdritter und sammelte bereits als Williams-Testpilot Formel-1-Erfahrung. Ein schlagkräftiges Argument Nasrs ist sein Sponsor Banco do Brasil, wie sich an der Farbgestaltung des C34 erkennen lässt. "In meiner Rookie-Saison gibt es eine Menge zu lernen, unter anderem einige Strecken, die ich noch nicht kenne", erklärt er. "Aber ich fühle mich bereit, diese Herausforderung anzunehmen."

Sein Streckendebüt wird der neue Renner wie bei den meisten anderen Teams am Sonntag zu Beginn der Testfahrten im spanischen Jerez geben. Das Team wird nach eigenen Angaben mit einer "Rollout-Version" ausrücken, lässt allerdings offen, was unter dieser Wortneuschöpfung genau zu verstehen ist. Fest steht: Einige Komponenten stammen noch vom Sauber C33, bevor diese schrittweise durch neue Teile ersetzt werden.

Sauber bestätigte in diesem Zusammenhang die durchgesickerte Testplanung: An den Tagen eins und vier wird Ericsson den neuen Boliden testen, am zweiten und dritten Tag Nasr. Während der Vorbereitung lastete auf Sauber stets großer finanzieller Druck, schließlich leidet das eidgenössische Privatteams besonders unter der Formel-1-Finanzkrise. Nach der Präsentation des C34 scheint jedoch die erste Pflichtaufgabe bewältigt.

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