Sebastian Vettel: "Runde passte wie die Faust aufs Auge"

, 19.09.2015

Pole-Position: Sebastian Vettel beendet in Singapur die Ferrari-Durststrecke und die Mercedes-Serie - Kimi Räikkönen fühlt sich nicht komplett wohl

61 Rennen musste Ferrari auf eine Pole-Position warten, bis Sebastian Vettel dieser Negativserie beim Nachtrennen in Singapur ein Ende setzte. Der Deutsche dominierte das Qualifying und fuhr überlegen auf den ersten Startplatz. Zum ersten Mal seit Hockenheim 2012 (Fernando Alonso) steht ein Ferrari wieder ganz vorne. Da Mercedes große Probleme hatte, lautete das Duell Ferrari gegen Red Bull. Vettel brannte eine fehlerfreie Runde in den Asphalt und nahm seinem ehemaligen Teamkollegen Daniel Ricciardo eine halbe Sekunde ab. Kimi Räikkönen komplettierte das gute Ferrari-Ergebnis mit Startplatz drei.

Für Vettel war es insgesamt die 46. Pole-Position in seiner Karriere und die erste seit Brasilien 2013. Es ist seine erste Pole in Ferrari-Diensten. "Unglaublich!", jubelt der zweifache Saisonsieger. "Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich am Samstag so viel Adrenalin gespürt habe. Ich weiß, dass es erst Samstag ist und der Job morgen gemacht werden muss. Als ich gehört habe, dass wir es geschafft haben, war es ein toller Moment. Von Beginn weg lief es schon sehr gut. Das Auto war fantastisch zu fahren und wurde im Laufe des Qualifyings immer besser. Wir haben heute das Maximum erreicht."

Spätestens im dritten Freien Training kristallisierte sich Ferrari als Favorit heraus. Dass Vettel am Ende eine halbe Sekunde vor dem Red Bull von Ricciardo liegen würde und das Mercedes-Duo eineinhalb Sekunden Rückstand hat, war in dieser Deutlichkeit nicht zu erwarten gewesen. "Von dem Vorsprung bin ich überrascht", meint Vettel mit Blick auf das Ergebnis. "Es hat heute alles geklappt, am Ende bin ich eine fast perfekte Runde gefahren. Die Runde ist hier sehr lang und man kann schnell kleine Fehler einbauen. Aber die Runden haben heute gepasst wie die Faust aufs Auge."

"Es kam wirklich alles zusammen. Ich war sehr glücklich, als ich über die Ziellinie fuhr. Es fühlte sich nach einer sehr guten Runde an, die es am Ende auch war. Für morgen sind wir in einer guten Position. Ich bin mir sicher, dass Mercedes morgen schnell sein wird. Alles andere wäre - so wie heute - eine Überraschung. Natürlich ist auch Red Bull stark. Morgen müssen wir die Arbeit erledigen."

Ferrari dominierte die Qualifikation. In Q1 fuhren beide nur mit dem härteren Soft-Reifen auf die Strecke. Vettel verzichtete auf einen zweiten Angriff, Räikkönen drehte noch eine schnelle Runde. In Q2 rückten beide mit den roten Supersoft-Reifen aus. Vettel fuhr Bestzeit und es gab keinen weiteren Versuch. Auch in Q3 setzte sich der Deutsche sofort an die Spitze, Räikkönen reihte sich hinter Ricciardo als Dritter ein. Im zweiten Angriff konnte nur Vettel zulegen und die Bestzeit auf 1:43.885 Minuten schrauben.

"Wir sind wirklich stolz", strahlt Teamchef Maurizio Arrivabene. "Dafür arbeiten wir hart und das zahlt sich aus. Die Abstimmung war heute perfekt. Ich möchte aber auch daran erinnern, dass wir zwei perfekte Fahrer haben, die es umsetzen können. Sebastian ist eine unglaublich starke Runde gefahren. Seine Pole war schon sicher, aber er hat weiter gepusht", ist der Italiener voll des Lobes für seinen Starfahrer. Ferrari ist mit dieser Ausgangsposition auch der klare Favorit für das Rennen. "Das ist erst der Anfang der Story", schmunzelt Arrivabene.

Kimi Räikkönen kann nicht alles herausholen

Entscheidend für ein starkes Rennergebnis wird wie immer der Start sein. Räikkönen muss es diesmal besser hinbekommen als zuletzt in Monza, wo ihm der Motor fast abgestorben wäre. Räikkönen wartet übrigens seit Magny-Cours 2008 auf eine Pole-Position. Trotzdem schaffte es der Finne nun zum zweiten Mal in Folge im Qualifying in die Top 3. "Ein gutes Resultat für das Team, obwohl ich am Vormittag nicht zufrieden war. Deshalb ist es etwas überraschend, dass ich so weit vorne bin", meint der "Iceman". "Wir müssen es morgen umsetzen, damit beide Fahrer auf dem Podium stehen." Zum ersten Mal seit Einführung der Hybrid-Ära Anfang 2014 steht kein Auto mit Mercedes-Antrieb auf dem besten Startplatz.

Die große Frage war, warum Ferrari in Singapur so stark ist. "Jede Strecke erzählt eine eigene Geschichte und die Performance des Autos verändert sich auch von Kurs zu Kurs", meint Arrivabene philosophisch. Vettel ergänzt, dass er Mercedes stärker auf der Rechnung hatte: "Ich dachte, dass sie sich gestern und heute zurückgehalten haben. Sie haben zweifellos das stärkste Paket in diesem Jahr. Sie müssen Probleme haben und sich nicht wohlfühlen. Ich schließe sie im Rennen nicht aus. Überholen ist hier schwierig, aber wenn man die Pace hat, kann man nach vorne kommen."

Das Zusammenspiel zwischen Chassis und Reifen machte in Singapur den entscheidenden Unterschied. Der Stadtkurs ist keine Motorenstrecke. "Hier machen zehn PS mehr nur eine Zehntelsekunde aus", rechnet Ferrari-Technikdirektor James Allison bei 'Sky Sports F1' vor. "Das war es nicht. Der Vorsprung zu Red Bull ist mehr oder weniger im erwarteten Rahmen. Merkwürdig ist, wie langsam Mercedes ist. Von Monaco und Ungarn wissen wir, dass wir nicht so schlecht sein würden. Trotzdem freut uns natürlich dieser große Vorsprung."

Mit einem guten Start ist für Vettel am Sonntag alles möglich. Diese Erfolgserlebnisse sind der Antrieb bei Ferrari, um Mercedes zu jagen. "Wenn wir über die Motivation sprechen, sollten wir die WM anführen", beschreibt der charismatische Teamchef Arrivabene die derzeitige Stimmung im Team. "Motivation gibt dir viel Kraft und Enthusiasmus, aber leider nicht mehr Motorleistung oder ein besseres Chassis. Wir arbeiten aber hart. Wir tun alles, damit wir nicht nur aufholen, sondern Mercedes auch überholen."

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