Sebastian Vettel: WM-Titel 2015 rechnerisch noch möglich

, 21.08.2015

Rechnerisch möglich, aber zugegeben schwierig: Sebastian Vettel über seine Chancen im WM-Kampf 2015 gegen die übermächtigen Mercedes-Silberpfeile

42 Punkte Rückstand hat Sebastian Vettel in der Formel-1-WM 2015 auf Spitzenreiter Lewis Hamilton, das entspricht umgerechnet einem Sieg und einem zweiten Platz. Das sieht nach (relativ) wenig aus; zieht man jedoch in Betracht, dass Mercedes schon acht Rennen gewonnen hat und Ferrari erst zwei, sollte der Abstand bei den nächsten Grands Prix theoretisch eher anwachsen als kleiner werden.

Dessen ist sich Vettel bewusst: "Wir hatten zwei Chancen - und beide haben wir genutzt. Das ist sehr gut. Aber der Vorteil von Mercedes ist sicher nicht einfach verschwunden", sagt er. Trotzdem will er die Hoffnung auf seinen fünften WM-Titel noch nicht vorzeitig begraben: "Man muss kein Genie sein, um auszurechnen, dass es von den Punkten her noch möglich ist. Aber wir sind realistisch und wissen, dass es verdammt schwierig wird."

Wir rechnen nach: In den verbleibenden neun Rennen sind 225 Punkte zu vergeben. Wenn Vettel immer gewinnt und Hamilton immer Zweiter wird, wäre der Deutsche am Ende Weltmeister - mit 385:364 Punkten. Allerdings ist ein solcher Saisonverlauf unrealistisch. Tatsache ist: Mercedes hat weiterhin das schnellste Auto - und könnte am ehesten noch in Gefahr geraten, wenn sich Hamilton und Nico Rosberg gegenseitig Punkte wegnehmen und Ferrari zuverlässig Topergebnisse einfährt.

"Wenn es eine Chance gibt, müssen wir sie nutzen. Ansonsten versuchen wir trotzdem, das Maximum herauszuholen", gibt Vettel die Marschroute für Spa-Francorchamps, das Ferrari-Heimspiel in Monza und die restlichen Rennen vor. Gerade auf den nächsten beiden Strecken, auf denen Höchstgeschwindigkeit gefragt ist, sollte sich Ferrari der Papierform nach gegen die leistungsstarken Mercedes-Antriebe schwer tun. Das war auf dem kurvenreichen Hungaroring anders.

Aber dass der überraschend verlaufene Grand Prix von Ungarn kein repräsentatives Rennen für das Kräfteverhältnis zwischen den Silberpfeilen und Ferrari war, ist Vettel bewusst: "Man darf nach dem letzten Ergebnis nicht den Kontakt zum Boden verlieren", sagt er. "Alles in allem läuft es für uns dieses Jahr sehr, sehr gut - besser als man erwarten konnte. Aber für jedes Rennen muss man sich neu sortieren."

Hoffnung schöpft er weniger aus den technischen Voraussetzungen als vielmehr aus dem in der Formel 1 vielzitierten Momentum, das er momentan auf seiner Seite wähnt: "Es war ein bisschen Pause drin. Vielleicht ist der eine oder andere nicht mehr ganz im Rhythmus", sagt Vettel und fordert vom Ferrari-Team: "Wir müssen schauen, dass wir schnell in die Gänge kommen und dort weitermachen, wo wir aufgehört haben."

Einen Nummer-1-Status beansprucht er indes nicht: "So etwas gibt es nicht", winkt Vettel ab. "Wenn es einen neuen Frontflügel gibt, dann gibt es gleich zwei Stück davon. So muss es auch sein. Wenn später in der Saison nur noch ein Auto um die Weltmeisterschaft kämpft, dann ist klar, wie man die Prioritäten setzen muss, aber bei unserem Rückstand können wir nur versuchen, von Rennen zu Rennen zu schauen und uns nicht auf die anderen zu konzentrieren."

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