Superlizenz: Dreht die FIA nochmal am Punkteschlüssel?

, 16.01.2015

Nach der Kritik von Renault bestätigt die FIA, dass sich am Punkteschlüssel noch etwas ändern könnte - Michael Schumacher hätte mit Sonderregel starten können

Das in der vergangenen Woche neu eingeführte Punktesystem für die Superlizenz der Formel 1 wurde von allen Seiten mit Spannung empfangen - allerdings nicht überall mit Freude zur Kenntnis genommen. Denn während die meisten zwar mit der Grundidee konform gingen, waren andere unzufrieden über den Verteilungsschlüssel, mit dem die Punkte an die Fahrer ausgeschüttet werden sollen. Besonders bei Renault herrschte Unverständnis über das Bewertungssystem.

Denn die hauseigenen Formelklassen in der Renault-World-Serie (WSbR) seien nach Meinung des Herstellers vollkommen unterbewertet. So wird die Formel Renault 3.5, deren Meister Kevin Magnussen und Carlos Sainz jun. zuletzt den Aufstieg in die Königsklasse schafften, mit weniger Zählern bedacht als die GP2 und sogar die Formel-3-EM. Noch schlimmer: Der Meister der Formel Renault 3.5 bekommt nicht einmal genügend Zähler zusammen, um die 40 nötigen Punkte für die Superlizenz auf dem Konto zu haben.

Aus diesem Grund möchte Renault noch einmal mit der FIA sprechen, um Änderungen am System zu bewirken. Die FIA hat indes mitgeteilt, dass man bereit wäre, in Zukunft kleine Änderungen am System vorzunehmen, wenn sich herausstellt, dass die aktuelle Struktur nicht passend sei. So erklärt ein Sprecher der FIA gegenüber 'Autosport': "Es ist nur natürlich, dass von Jahr zu Jahr vielleicht kleine Anpassungen vorgenommen werden."

In Bezug auf die angebliche Unterbewertung der Renault-Serien erklärt der Sprecher weiter, dass viele Faktoren zu der Punkteeinschätzung geführt haben - nicht nur der sportliche Wert einer Meisterschaft. "Die Kriterien des Punktesystems sind nicht nur durch die relative sportliche Performance der verschiedenen Meisterschaften entschieden worden. Es gibt auch andere Überlegungen, die wir als Regelhüter ebenfalls einbezogen haben." Doch natürlich werde man sich auch der Beschwerde Renaults annehmen.

Ausnahmen nur im Ernstfall

Und während sich auf der einen Seite über eine niedrige Bewertung gewundert wird, kommen andere Serien in der Verteilung sehr gut weg. Überrascht hat beispielsweise die Entscheidung, dass die meisten Punkte in einer Serie vergeben werden, die gar nicht existiert. Doch die FIA hat natürlich eine Erklärung parat, warum es die meisten Zähler in einer nicht existenten Formel 2 geben wird. "Die Intention ist, eine klar strukturierte Linie von den Anfängen des Motorsports bis in die Formel 1 zu entwickeln", so der Sprecher weiter. "Die zukünftige Formel 2 wird ein wichtiger Schritt in diesem Prozess sein."

Ein weiteres Fragezeichen im neuen Lizenzsystem dreht sich um spezielle Ausnahmen. Nach Veröffentlichung der Kriterien war klar, dass Fahrer wie Jenson Button oder Kimi Räikkönen früher nicht einfach so in die Formel 1 hätten gelangen können. Und auch ein gewisser Michael Schumacher hätte 2010 kein Comeback feiern dürfen, weil er in den drei vorangegangenen Jahren nicht mindestens an fünf Grands Prix teilnahm.

Doch gerade für solche Fälle behält sich die FIA vor, spezielle Ausnahmen genehmigen zu können. Im Ernstfall könnte der Motorsport-Weltrat WMSC gefragt werden, sollte ein Fahrer die Kriterien nicht ganz erfüllen. Man wolle mit seinem System zwar verhindern, dass Ausnahmen zur Regel werden, "doch wenn es wie im Fall Michael Schumacher zu einer echten Ausnahme kommt, haben wir immer die Möglichkeit, den WMSC zu konsultieren", so der FIA-Sprecher.

Das Aus für Wehrlein, Wolff und Frijns?

Doch für andere Piloten könnte es 2016 eng werden. Mercedes-Testpilot Pascal Wehrlein und Williams-Testpilotin Susie Wolff würden aktuell in die Röhre gucken, weil sie nur eine Superlizenz besitzen, weil sie genügend Testkilometer auf dem Buckel haben. Der Sprecher bestätigt konkret auf die beiden Piloten angesprochen: "Sie würden sich aktuell nicht für eine volle Superlizenz 2016 qualifizieren."

Und es sieht auch nicht danach aus, als würde es einer der beiden auf regulärem Weg schaffen. Wolff ist aktuell in keiner Nachwuchsklasse unterwegs, Wehrlein kann in der DTM keine Punkte für die Superlizenz sammeln. Sollten sie 2015 nicht unerwartet zu fünf Grands-Prix-Einsätzen kommen, müssen sie auf eine Ausnahmeregelung der FIA hoffen. Gleiches gilt auch für den Niederländer Robin Frijns, dessen Punkte für den Gewinn der Renault-World-Serie 2012 im kommenden Jahr gestrichen werden.

Doch der ehemalige Testfahrer von Caterham ist der Überzeugung, dass sein Fall für die FIA eine Ausnahme darstellt: "Wenn ich der FIA meinen Lebenslauf vorlege, werden sie nicht viel Aufhebens darum machen", glaubt er und ist von dem Konzept des Punkteführerscheins überzeugt. "Es ist gut, dass bald nur noch die wirklich guten Jungs in die Formel 1 kommen werden. Ich denke, so sollte es auch sein", sagt er zu 'GPUpdate.net'. Der Niederländer galt lange als das ganz große Talent, musste sich allerdings zuletzt immer wieder hinter Fahrern anstellen, die mehr Sponsoren mitbringen.

Papa Hamilton: Fahrer sollen sich Zeit nehmen

Neben den 40 Punkten muss ein Pilot ab 2016 aber noch andere Voraussetzungen erfüllen, um eine Superlizenz in den Händen halten zu können. Ein Fahrer muss 18 Jahre alt sein, einen gültigen Führerschein besitzen und muss zudem mindestens zwei Jahre im Formelsport verbracht haben. Ein rascher Aufstieg, wie ihn Max Verstappen nach nur einem Jahr im Formelsport schaffte, ist somit nicht mehr möglich.

Für Anthony Hamilton ist das genau das richtige Signal. Der Vater von Weltmeister Lewis Hamilton findet sowieso, dass die Talente heutzutage viel zu schnell nach oben klettern und dabei teilweise auch Stufen auslassen, weil sie denken, dass sie es sich erlauben können. "Das Problem ist, dass die Talente nicht warten wollen. Sie wollen alles sofort", seufzt der Brite und findet gut, dass sich sein Sohn mit dem Aufstieg Zeit gelassen hat - was sich nun ausbezahlt zu haben scheint.

"Als Lewis in die Formel 1 kam, hatte er schon so viel Erfahrung und Wertschätzung", so der Vater gegenüber 'Reuters'. "Aber das hätte er nie geschafft, wenn er sich nicht die Zeit genommen hätte und durch die ganzen Lernprozesse gegangen wäre." Das neue System für die Superlizenz soll nun also dafür sorgen, dass mehr Fahrer vom Schlag eines Lewis Hamilton in die Formel 1 kommen. Ob die Umsetzung auch die Richtige ist, das wird sich erst noch zeigen müssen.

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