Vor dem Wasserleck: Lewis Hamilton glaubte an Siegchance

, 01.05.2016

Hamilton wollte Rosberg kassieren, doch die Silberpfeil-Piloten hatten keine Ahnung von den Problemen des jeweils anderen - Der Deutsche schonte auch die Reifen

Hätte Lewis Hamilton die symbolische Kehrtwende schaffen und Nico Rosberg beim Russland-Grand-Prix in Sotschi am Sonntag auf der Strecke niederringen können? Nachdem der Mercedes-Star bei den Podiumsinterviews von einer Siegchance bei der Jagd auf den Stallrivalen gesprochen hatte, sieht die Sache rückblickend anders aus. Ob er ohne seine Technikprobleme gewonnen hätte? "Das lässt sich doch unmöglich sagen", befindet Hamilton in seiner Presserunde rund zwei Stunden nach der Zieldurchfahrt.

Auf den ersten Blick sprechen die Zahlen für den Weltmeister: Nach dem ersten und einzigen Boxenstopp schrumpfte der Rückstand, den sich Hamilton beim Start und den anschließenden Zweikämpfen auf dem Weg nach vorne eingehandelt hatte, von 13 Sekunden in Runde 27 auf 7,4 Sekunden in Runde 25. Das heißt: Er holte pro Umlauf knapp sieben Zehntelsekunden auf. "Das Auto fühlte sich toll an. Ich war schneller, knabberte an seinem Vorsprung", bestätigt Hamilton.

Hinzu kam: Er hatte beim Reifenwechsel von Supersoft auf Soft zuvor etwas Zeit verloren und hätte deutlich dichter am Schwesterauto dran sein können. "Er ist etwas spät zum Stehen und ein wenig nach rechts gekommen", erklärt Mercedes-Sportchef Toto Wolff, was Hamilton bei dem Routinemanöver misslang. "Es war nicht gefährlich, aber bei den Stopps ist alles optimiert. Es ist wie eine Choreographie. 50 Zentimeter machen einen Unterschied." Einige Sekunden waren futsch.

So oder so hätte Hamilton jedoch das Wasserleck am W07 ereilt, infolgedessen er vom Gas gehen musste. "Es war jedes Mal eine Überraschung - an den vergangenen beiden Wochenenden auch", schnauft er ohne zu wissen, was sich an der Spitze abspielte: Auch Rosberg musste langsam machen und den Motor runterdrehen, weil sein V6-Hybrid den Exitus meldete. Außerdem schonte er die Soft-Reifen für einen langen Stint, weil er um seinen immer komfortablen Vorsprung wusste und nach eigener Aussage "über Lewis' Rundenzeiten jederzeit bestens informiert" war.

"Ich war in der Lage, mit dem Polster zu spielen und mir Reifen bis zum Ende aufsparen, was ja dann auch geklappt hat", erklärt Rosberg, der kurz vor Schluss die schnellste Rennrunde in den Asphalt brannte. Allerdings war auch er nicht über die streikende Technik im Auto des Rivalen im Bilde. "Ich dachte, es seien die Reifen, weil er sie zu Beginn des Stints sicher mehr strapaziert hatte als ich." Doch Pustekuchen: "Ich wollte es einfach nur Hause schaukeln", sagt Hamilton.

Die Heimreise trat der Brite somit eher gesenkten Hauptes an: "Fühlt sich nicht toll an und man hofft, dass der nächste Motor hält - aber er hat das Rennen durchgestanden", zieht er sich daran hoch, dass der Defekt nicht gleichbedeutend mit der nächsten Nullnummer war. "Nichts ist wirklich glatt gelaufen. Ich habe hart gekämpft, um nach vorne zu kommen und war am Ende nicht in der Lage, wirklich ein Rennen um den Sieg zu fahren - an diese Chance habe ich geglaubt." Immerhin: Vollgastier Hamilton hatte einen Grund, nicht an sein schwindendes Motorenkontingent zu denken.

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