Wie "Schumi" Nico Rosberg in einen Eimer pinkeln ließ

, 29.07.2016

Michael Schumachers Psychotricks sollten Nico Rosberg zermürben, etwa ein besetztes Klo kurz vor dem Monaco-Qualifying oder eine Jumbo-Flasche Wodka

Nico Rosberg und Michael Schumacher waren zwischen 2010 und 2012 drei Jahre lang Teamkollegen im damals neuen Mercedes-Werksteam in der Formel 1. Freunde wurden die beiden nie, aber Rosberg, heute heißer Kandidat auf den WM-Titel 2016 , konnte von seinem um 16 Jahre älteren Landsmann jede Menge lernen. Die Erinnerungen an die gemeinsame Zeit sind jedoch gemischt. Im Vordergrund stehen diverse Psychotricks, mit denen Schumacher versucht hat, seinen jungen Herausforderer systematisch zu zermürben.

In einem Interview mit der 'Bild'-Zeitung erinnert sich Rosberg, welch abstruse Ausmaße Schumachers Spielchen teilweise angenommen haben. Zum Beispiel bei einer Episode in Monaco, vier Minuten vor Beginn des Qualifyings: "Jeder geht da nochmal schnell aufs Klo. In der provisorischen Monaco-Garage gibt's nur eins. Michael ging vor mir rein."

"Ich klopfte an die Tür", so Rosberg. "'Hallo, Nico hier, bitte aufmachen!' Er wusste also, dass ich draußen stehe und warte. Er machte nicht auf. Er hat so lange getrödelt, bis die vier Minuten fast um waren und er gerade noch rechtzeitig ins Auto schlüpfen konnte, um rauszufahren. Ich sollte mit voller Blase ins Qualifying gehen. Denkste, nicht mit mir! Ich habe in einen Eimer neben dem Klo gepinkelt."

Schumacher setzt nur an, Rosberg trinkt wirklich

Ein andermal ging es nicht darum, Flüssigkeiten auszuscheiden, sondern sie aufzunehmen. "Michael hat auf einer Teamparty vor den Augen der Mechaniker eine Jumbo-Flasche Wodka angesetzt und geblasen anstatt zu schlucken", lacht Rosberg. "Durch die Luftblasen sah es so aus, als würde er das Zeug weghauen wie Wasser. Ich habe natürlich schön getankt und er hat in Wirklichkeit nur gepustet."

Am nächsten Morgen war es mit Rosbergs guter Laune vorbei: Während Schumacher schon im Flieger saß, lag er noch verkatert im Bett und verpasste den Heimflug. Die schlimmsten Befürchtungen, als Rosberg im Dezember 2009 erfuhr, dass Schumacher sein Teamkollege werden würde, hatten sich also bewahrheitet.

Die Mitteilung des Teams sei damals "ein Schock" für ihn gewesen, gibt der WM-Zweite knapp sieben Jahre später zu: "Ich gegen den Siebenfachen, den Besten aller Zeiten. Da stehst du erst mal da und bist platt. Du weißt, wenn du gegen den verlierst, einen 41-Jährigen, auch wenn er siebenmal Weltmeister war, bist du weg vom Fenster. Dann kannst du einpacken. Fertig. Karriere-Ende. Aus."

"Michael wird dich in Grund und Boden fahren!"

Und zunächst schien auch kaum jemand zu erwarten, dass Rosberg Schumacher drei Jahre lang sicher im Griff haben würde. Sein ehemaliger Williams-Chef Patrick Head zum Beispiel prophezeite ihm, Schumacher werde ihn "in Grund und Boden fahren, so etwas hast du noch nicht erlebt!" Für Rosberg nicht aufmunternd: "Da habe ich erst mal dumm geguckt. War nicht gerade förderlich fürs Selbstvertrauen."

Er ließ dann aber Ergebnisse sprechen. Gleich beim ersten Rennen in Bahrain kam er vor Schumacher ins Ziel, gewann das Stallduell über drei Jahre mit 324:197 Punkten und holte auch den ersten Sieg für das moderne Silberpfeil-Werksteam. Trotzdem interessierte sich bei der ersten Teampräsentation alles nur für "Schumi". Rosberg: "Michael. Michael. Michael. Alles drehte sich um Michael. Ich stand da wie ein Geist, nicht existent. Das war hart."

Mercedes-Ingenieure: Keiner interessiert sich für Rosberg

Das war nicht nur bei den Medien so, sondern auch teamintern bei Mercedes. "Wenn Michael reinkam, schauten alle von ihren Computern auf. Wenn ich reinkam, passierte nichts. Das nagte natürlich an mir", gesteht Rosberg. Als er gleich in den ersten Rennen deutlich schneller war als sein höher eingeschätzter Teamkollege, wendete sich das Blatt aber und auch er wurde ernst genommen.

Beeindruckt ist Rosberg immer noch von Schumachers vorbildlicher Einstellung zum Beruf. So vergaß der siebenmalige Weltmeister etwa nie einen Geburtstag eines Mechanikers. Die Kehrseite war sein Aberglaube, der für das Team einen Riesenaufwand verursachte, weil Schumacher keine Schrauben mit einer geraden Zahl akzeptierte - die mussten allesamt aussortiert werden. Aber in Bezug auf seine Arbeitseinstellung konnte man ihm nichts vorwerfen.

Selbst als längst feststand, dass er seine Karriere beenden würde, änderte sich daran nichts: "Eines unserer schlechtesten Rennen. Ich war 13., Michael 16. Trotzdem saß Michael zwei Stunden mit den Ingenieuren zusammen um zu besprechen, was wir im nächsten Jahr besser machen müssen. Mit dem Wissen, dass er selbst nicht mehr dabei sein würde. Jeder andere wäre eine Minute nach dem Rennen im Helikopter von der Strecke geflüchtet. Da war er einmalig."

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