24h Nürburgring 2016: Neues Fahrzeug, neues Glück für BMW?

, 24.05.2016

Nicht wenige sehen BMW vor dem 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring 2016 als Favoriten auf den Sieg an - Doch kam die Über-Vorstellung bei VLN drei zu früh?

Nach den sehr erfolgreichen Zeiten mit GT2-Autos fehlte BMW in der GT3-Ära des 24-Stunden-Rennens auf dem Nürburgring bislang das Glück. Seit 2012 jedes Jahr als großer Favorit gestartet, machten den Z4 GT3 immer andere Zufälle einen Strich durch die Rechnung: Seien es Probleme, Boxenfeuer, das Wertungssystem nach Rennabbruch oder eine haarscharfe sportliche Niederlage. 2015 schrammten Maxime Martin, Lucas Luhr, Markus Palttala und Richard Westbrook um 40 Sekunden am Sieg vorbei.

Nachdem es dem Z4 nicht vergönnt war, den Nordschleifen-Sieg mit nach Bayern zu nehmen, soll es nun eine neue Waffe richten. Der BMW M6 GT3 ist so ziemlich das genaue Gegenteil des Z4: Wuchtig, gewaltig, martialisch. Gegenüber dem zierlichen Z4 mutet der Neue wie ein Panzer an. Nicky Catsburg, der auf dem Rowe-M6 #22 mit Klaus Graf, Richard Westbrook und Markus Palttala gemeldet ist, merkt im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' aber an: "Das ist im Grunde nur die Karosserie. Der Radstand ist ein bisschen länger, aber von der Charakteristik ist er dem Z4 sehr ähnlich."

Auch bei den Teams gibt es eine Änderung: Nach der Trennung von Marc VDS ist Rowe Racing als neues Team eingesprungen. Hinzu kommen zwei Fahrzeuge von Schubert, die auf den Sieg angesetzt werden, und zwei Fahrzeuge von Walkenhorst für die Lauerstellung. Während nahezu alle siegfähigen Teams auf Michelin-Reifen unterwegs sind, setzt Walkenhorst auf Material von Dunlop. Der Walkenhorst-BMW war es auch, der ein Video mit politischem Sprengstoff lieferte.

Karten aufgedeckt - oder doch nicht?

In den ersten Rennen hielt sich BMW noch vornehm zurück und rollte einfach mit. Die Boliden fielen nie auf. Bis zum dritten Lauf der VLN, als die M6 von der Leine gelassen wurden. Nicht nur Christopher Mies sieht BMW nach der Kanter-Vorstellung beim ADAC ACAS H&R Cup als Favoriten an . "Die haben in der ersten Runde ausgangs Flugplatz 230 drauf und fahren Schwedenkreuz voll. Das kann ich nicht einmal mit leerem Tank!", klagt ein Pilot der Konkurrenz gegenüber 'Motorsport-Total.com'.

Catsburg erklärt die Sache rational: Aerodynamisch sei der M6 schon immer hervorragend gewesen. Doch BMW musste erst noch ein Problem mit der Traktion aus engen Kurven heraus in den Griff bekommen. Das ist beim dritten VLN-Lauf augenscheinlich geschehen. BMW hat den ADAC ein wenig ins Dilemma geritten: Die Karten wurden aufgedeckt, sagen die Bajuwaren. Sollten sie nun zu sehr eingebremst werden, würde das wiederum eventuelles Sandbagging der Konkurrenz begünstigen.

Diese glaubt aber wiederum, dass BMW noch mehr drauf hat. "Schaut doch mal, wie der Jörg Müller ab Schwalbenschwanz vom Gas geht", sagt der anonyme Fahrer eines gegnerischen Teams. Letztlich entschied sich der ADAC Nordrhein für eine moderate BoP-Stellschraube: Statt 1,77 bar Ladedruck muss BMW auf 1,73 zurückschrauben - eine verkraftbare Einbremsung. Dafür wird das Nachtanken minimal schneller vonstattengehen, denn der Restriktor wurde von 56,2 auf 56,4 Millimeter aufgebohrt.

BMW-Urgestein Jörg Müller ist hauptsächlich für die Entwicklung des M6 GT3 verantwortlich. "Der ist so etwas wie mein Baby", sagt der 46-Jährige. "Ich bin beim Rollout die ersten Meter mit dem Fahrzeug gefahren und habe danach jeden Entwicklungsschritt hautnah miterlebt." Der Sieg ist da natürlich eine hervorragende Bestätigung. "Er zeigt uns, dass wir gut vorbereitet in den Höhepunkt unserer Langstreckensaison gehen. Trotzdem müssen wir uns immer vor Augen halten, dass der BMW M6 GT3 ein brandneues Fahrzeug ist."

Womit er auch schon auf den Knackpunkt anspricht. Auch BMW gehört zu den Herstellern, die völlig neues Material an den Start bringen. Und kein Test kann das wirkliche 24-Stunden-Rennen simulieren. "Die 24 Stunden auf dem Nürburgring sind die härteste Probe, auf die man ein solches Fahrzeug stellen kann", weiß auch Müller. Doch Maxime Martin verweist auf die Vorjahressieger: "Audi hat im vergangenen Jahr bewiesen, dass man auch mit einem neuen Auto gewinnen kann. Das werden wir natürlich auch versuchen."

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