McLaren MP4-12C: Das giftige Kick-off des neuen Supersportwagens

, 18.06.2010

Sein Todfeind ist das Gewicht, sein Credo der pure Fahrspaß ohne Kompromisse: Der neue McLaren MP4-12C wird ab Frühjahr 2011 die Welt der Superportwagen bereichern und das große Erbe des legendären McLaren F1 antreten. Sein öffentliches Debüt gibt der 600 PS starke Mittelmotorsportwagen auf dem berühmten Goodwood Festival of Speed im Juli 2010. Speed Heads konnte bereits einen Blick auf das atemberaubende Original werfen und interessante Neuigkeiten in Erfahrung bringen.


Neuste Infos über die exklusive Weltoffensive

Mit Leistungsdaten hält sich McLaren noch bedeckt. Der 3,8 Liter große V8-Twinturbo soll mit seinen 600 PS und 600 Nm für spektakuläre Beschleunigungsorgien sorgen und eine Höchstgeschwindigkeit von ca. 330 km/h erreichen. 80 Prozent des Drehmomentes stehen bereits unter 2.000 U/min bis zur Obergrenze von 8.500 Touren an, was einen satten Vortrieb ermöglicht.

Der gewaltigen Power gegenüber steht ein Fahrzeuggewicht von nur rund 1.300 Kilogramm, was in einem giftigen Konzentrat gewaltigen Vortriebs resultiert. Tempo 200 sollen in unter 10 Sekunden möglich sein und die Verzögerung von 100 km/h auf Null gibt McLaren mit maximal 30 Metern an. Diese kurze Distanz muss man sich genau vor Augen führen und vorstellen, wie kräftig die Bremsen dabei zupacken.


Die Kraftübertragung erfolgt über ein 7-Gang-Doppelkupplungtsgetriebe an die Hinterräder. Bereits bei einem leichten Druck auf die Schaltwippe wird der richtige nächste Gang vorgewählt (ähnlich der Vorfokussierungstaste bei einer Kamera) und bei festem Druck schneller als bei anderen Systemen eingelegt.

Den genauen Preis der 4,51 Meter langen und flachen Flunder gab McLaren noch nicht bekannt. Dieser soll zwischen 180.000 Euro und 220.000 Euro betragen. Als Konkurrenten nennen die Briten den Lamborghini Gallardo, den Mercedes SLS AMG, den Porsche 911 Turbo und den Ferrari 458 Italia.

Von den 19 Ländern und 35 Händlern, bei denen McLaren MP4-12C an den Start geht, stellen Großbritannien, die USA und Deutschland die größten Märkte dar. Für 2011 sind zwischen 300 und 400 Fahrzeuge für Nordamerika geplant, 400 bis 500 für Europa (davon 70 Prozent für Großbritannien und Deutschland) sowie 100 bis 200 für den Mittleren Osten und Südafrika als auch für die Region Asien-Pazifik. Eine komplette Modellpalette aus ca. 4.000 Supersportwagen möchte McLaren bis 2015 fertigen.

 

Der McLaren MP4-12C stellt nur die Speerspitze einer ganzen Offensive dar. McLaren verriet, dass alle 12 Monate über den Zeitraum von 10 Jahren ein neues Modell erscheinen soll. Grund genug, den MP4-12C näher unter die Lupe zu nehmen, der sich komplett von Mercedes-Benz löste; denn der von Grund auf neu entwickelte Supersportwagen stellt eine komplette Eigenentwicklung dar - vom Chassis bis zur Elektronik.


Design: Jede Linie und jedes Elemente hat seinen Grund

Das Design des McLaren MP4-12C folgt ähnlichen Grundsätzen wie die Formel-1-Boliden von McLaren und der legendäre McLaren F1, bei denen alles seinen Zweck hat. Alle Rippen, Lüftungsöffnungen und der flache Unterboden sind aus gutem Grund vorhanden. Die aerodynamische Reinheit erklärt, warum der Sportler seine Höchstgeschwindigkeit mit großer Stabilität erreichen kann, ohne sich auf flache Frontflügel oder tiefe Frontspoiler verlassen zu müssen.

Die Front liegt sehr niedrig, da sie keine großen Motorkühler enthält, von denen zwei stattdessen an den Seiten längs eingebaut sind. Dadurch kann der McLaren MP4-12C zusätzlichen Stauraum unter der Motorhaube bieten. Große Lufteinlässe und Bi-Xenon-Scheinwerfer mit LED-Tagfahrleuchten beherrschen die Frontansicht des 12C. Ein Nasensplitter sorgt ferner für mehr Anpressdruck, während Luftleitschaufeln nahe den Vorder- und Hinterrädern den Anpressdruck bei minimal höherem Luftwiderstand erhöhen und Luft zum unerlässlichen Diffusor am Heck lenken.


Die Frontscheibe ist tief und niedrig für herausragende Vorwärtssicht und riecht nach McLaren F1: Bei Regenwetter reinigt die Scheibe ein einzelner gewichtssparender Pantograph-Scheibenwischer. Als weitere auffallende Design-Merkmale erweisen sich die Flügeltüren in V-Form, die bereits der McLaren F1 besaß. Das Flügeltürkonzept erlaubt Fahrer und Beifahrer ein möglichst leichtes Ein- und Aussteigen und darüber hinaus eine kleinere Türöffnung als ansonsten notwendig wäre.

Das Heck des McLaren MP4-12C wirkt mit seinem anpressdruckoptimierten Diffusor aggressiv und zielbewusst. Die Auspuffendrohre liegen hoch in der Mitte des Wagens. Dadurch, dass die Rückseite offen ist, wird ausreichend Heißluft aus dem Motorraum abgezogen. Das Triebwerk selbst ist durch das Oberdeck sichtbar. Die LED-Heckleuchtengruppen befinden sich dezent hinter horizontalen schwarzen Zierstreifen und lassen sich nur im eingeschalteten Zustand erkennen.

Die aktive Luftbremse ist eine weitere Innovation, die erstmals am F1-Boliden zum Einsatz kam und bereits im Mercedes-Benz SLR McLaren (Produktion 2003 - 2009) eingebaut wurde. Das System wirkt als stabilisierende Kraft auf die Hinterachse und wird beim Bremsen hydraulisch ausgelöst, lässt sich aber auch über einen Schalter im Innenraum aktivieren, wenn der Fahrer einen höheren Anpressdruck für eine bessere Straßenlage wünscht. Den Kontakt zum Asphalt stellen Leichtmetall-Gussräder in 19 Zoll vorne und 20 Zoll hinten her.

 

Carbon-MonoCell: Das leichtgewichtige Herzstück

McLaren ist bislang der einzige Hersteller, der die dreifache Krone der Motorsportwelt - Sieg in der F1-Weltmeisterschaft, in Indianapolis und in Le Mans - gewinnen konnte. Bis heute ist McLaren im Motorsport erfolgreich und überträgt diese Erfahrungen auf die Straße. Es ist keine Überraschung, dass McLaren seit 30 Jahren kein Auto mehr mit einem Metallchassis baute. Eine Fahrgastzelle aus Carbon ist leichter und bis zu fünf Mal steifer als ein Pendant aus Aluminium. So kommt beim MP4-12C eine Carbon-MonoCell zum Einsatz.


Interieur: Alles dreht sich um den Fahrer

Die niedrige Motorhaube ermöglicht einen Abwärtssichtwinkel aus Augenhöhe von sechs Grad und bietet dem Fahrer dadurch freie Sicht auf die Front des Wagens. Der Blick auf die Oberseite der Frontflügel erleichtert zudem die perfekte Platzierung in Kurven. Ein innerer Pfeiler mit einer Dreiviertel-Heckscheibe sorgt derweil für klare Sicht nach hinten.

Das Lenkrad stellt den wichtigsten Teil für jeden Fahrer dar. Der Lenkradüberzug ist technisch so präzise wie an McLarens Rennlenkrad. Grund dafür ist, dass die Überzüge von früheren Formel-1-Siegern modelliert und gescannt wurden und die Macher die effektivsten taktilen Eigenschaften und die Dicke ihrer Lenkräder für den Hochleistungsstraßenwagen übernahmen. Hinter dem Lenkrad befindet sich eine Schaltwippe nach Formel-1-Vorbild, die sich mit dem Lenkrad mitbewegt.


Der neue McLaren besitzt nicht zu viele Schalter, Knöpfe und Anzeigen. Wie beim McLaren F1 hat der Fahrer auf beiden Seiten Bedienelemente, die eine rationelle Positionierung von Schaltern ermöglicht: Klimaregler an jeder Türkonsole, Telematik in der oberen Mittelkonsole, ein sogenanntes Active-Dynamics-Bedienfeld im mittleren Teil der Mittelkonsole, Schaltung und weniger wichtige Bedienelemente auf der Getriebetunnelkonsole sowie Bordcomputer und Geschwindigkeitsregelung an der Lenksäule.

Das Active-Dynamics-Bedienfeld umfasst zwei Drehknöpfe und vier Tasten: „Start/Stop“, „Active“ (aktiviert alle Bedienelemente für die Dynamik), „Winter” (stellt Antriebstrang, Fahrwerk und elektronische Hilfen auf maximale Fahrerunterstützung ein) und „Launch” (leitet das Launch-Control-System ein).

Die beiden Drehschalter steuern den Antriebstrang und das Handling und haben jeweils drei Stellungen für den normalen, sportlichen und Hochleistungsbetrieb. Der Powertrain-Schalter ändert das Gasannahmeverhalten, die Getriebestrategie, Gangwechselzeiten und den Impuls (wie stark der Gangwechsel fühlbar ist). Die koaxiale „Manual“-Taste steuert die Verwendung von Schaltgetriebefunktionen.

 

Ein Handling-Schalter ändert die Stabilitätsregelung, das Lenkgewicht, die Straffheit des Fahrwerks und die Wanksteifigkeit. Über die koaxiale „Aero”-Taste kann der Fahrer die Luftbremse einsetzen, um einen größeren Anpressdruck zu erhalten.


Schlicht und dennoch höchst modern

Der stützende leichte Sportsitz ist elektrisch höhenverstellbar. Eine Ablage hinter den Sitzen, die groß genug für kleine Gepäckstücke ist, und eine „schwimmende“ Mittelkonsole, unter der sich noch Platz für einen großen Behälter befindet, sorgen für ausreichend Stauraum.

Der schlichte Eindruck, den das Interieur vermittelt, täuscht über das Komfortniveau und Sicherheitsmerkmale hinweg, die eine komplette Ausstattung einschließlich Airbags, vollautomatischer Doppelzonen-Klimaanlage, hochentwickelten Telematik- und Audiosysteme, Einparkhilfe, Bordcomputer, Geschwindigkeitsregelung und elektrisch verstellbaren Sitzen mit Speicherfunktion umfassen.

Eine völlig neue Verbindung zwischen dem Fahrer und seinem Supersportwagen entsteht durch das System IRIS, das einen vollständig integrierten PC und einen Touchscreen mit einer Vielzahl nützlicher Funktionen bietet, wie zum Beispiel Bluetooth und einen Media-Player. So lässt sich das Satellitennavigationssystem per Stimme steuern und durch die WLAN-Verbindungsfähigkeit auch Dateien von einem anderen Computer an das Auto senden.


MP4-12C: Was bedeutet der Name?

Bei McLaren hat, wie man erwarten konnte, alles einen bestimmten Zweck. Die Bezeichnung stellt keine Ausnahme dar. „MP4“ ist schon seit 1981 die Chassis-Bezeichnung für alle Formel-1-Wagen von McLaren und steht für McLaren Project 4. Die Bezeichnung geht auf den Zusammenschluss der Organisation „Project 4“ von Ron Dennis mit McLaren zurück.

„12“ bezieht sich auf den internen Fahrzeugleistungsindex von McLaren, mit dem wichtige Leistungskriterien für konkurrierende Fahrzeuge und die eigenen Wagen bewertet werden. Diese Kriterien umfassen Leistungsfähigkeit, Gewicht, Emissionen und aerodynamische Effizienz. Zusammengefasst liefern die Werte einen Gesamtleistungsindex, der während der Entwicklung des Wagens als Maßstab diente.

Das „C“ bezieht sich abschließend auf Carbon und hebt die einzigartige Anwendung von Kohlefaser-Technologie in der zukünftigen Serie der McLaren-Sportwagen hervor.

6 Kommentare > Kommentar schreiben

20.06.2010

Wirklich ein super Fahrzeug, tolles Design, spitzen Motorisierung, etc. etc. ......aber an den F1 kommt dieser laaang nicht ran und ich seh den MP4 auch nicht als Nachfolger. Leistung ist einfach ein ganzes Stück schwächer. Früher war die Konkurrenz z.B. ein F40 oder vergleichbares. Und...Wo ist der mittig positionierte Fahrersitz?! :hmpf:

07.07.2010

30.08.2010

Ein super Design! Ein sicherlich starker Motor...Jedoch leider nur eine "kleinere Version" des F1, welche in einem überarbeiteten Gewand und etwas "alltagstauglicher" daher kommt. Dennoch ein echter Hingucker und durchaus auch ein Konkurrent für Aston Martin & Co. :applaus:

01.09.2010

Das ist er sicherlich. Das Cockpit ähnelt dem 918, nur sieht es weniger wertig aus.

17.02.2011

Jetzt sind ja die ersten Leistungsdaten bekannt: 0-100: [B]3,1[/B] 0-200: [B]8,9[/B] Kosten wird er knapp 200.000€

27.12.2014

Ein McLaren MP4-12C ist mir neulich vor die Kamera gerutscht. Einfach einzigartig dieses Auto. [IMG]http://www.internationalesportwagengalerie.de/McLaren%20MP4-12C/00247.JPG[/IMG] [url=http://www.internationalesportwagengalerie.de]Internationale Sportwagengalerie[/url]


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