Porsche-Boss Wiedeking verlässt das Unternehmen

, 23.07.2009

Damals sanierte er erfolgreich Porsche, führte den Sportwagenbauer aus der Verlustzone heraus und machte das Unternehmen zu einem der profitabelsten Automobilhersteller der Welt. Jetzt hat er den Machtpoker mit Volkswagen verloren und verlässt das Unternehmen. Die Rede ist von Dr. Wendelin Wiedeking, der seit dem 1. Oktober 1992 das Amt des Vorstandschefs der Porsche AG bekleidet. Der Aufsichtsrat der Porsche Automobil Holding SE einigte sich heute mit Dr. Wendelin Wiedeking und Holger P. Härter über ihre Demission. Beide Vorstände werden die Porsche SE und die Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG mit sofortiger Wirkung verlassen. Ihre Aufsichtsratsmandate bei der Volkswagen AG und der Audi AG legen sie ebenfalls nieder.



Dr. Wendelin Wiedeking

Wiedeking und Härter kamen in den letzten Wochen zu der Auffassung, dass es für die weitere strategische Entwicklung der Porsche SE und der Porsche AG besser sei, wenn sie als handelnde Personen zukünftig nicht mehr an Bord sind. Die beiden Top-Manager möchten mit diesem Schritt einen wichtigen Beitrag zur Befriedung der Situation leisten und die Bemühungen um einen integrierten Automobilkonzern fördern. Die riskante Übernahme von Volkswagen durch Porsche war zu viel und die Folge waren rund 10 Milliarden Euro Schulden für den Sportwagenbauer.

Nachfolger von Wendelin Wiedeking in seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender der Porsche AG wird der bisherige Produktionsvorstand der AG, Michael Macht. Stellvertreter wurde Thomas Edig, Vorstand Personal- und Sozialwesen der Porsche AG. Macht und Edig wurden darüber hinaus zu Vorständen der Porsche SE ernannt - Macht mit dem Zuständigkeitsbereich Technik und Produkte, Edig mit Verantwortung für den kaufmännischen Bereich und die Administration.



Holger P. Härter

Goldener Handschlag für den Abgang

Der Aufsichtsrat bot Wiedeking als Kompensation für die Auflösung seines Vertrages, der noch bis 2012 läuft, insgesamt 50 Millionen Euro an, von denen die Hälfte an eine soziale Stiftung geht. Wiedeking nahm dieses Angebot ebenso an wie Holger P. Härter, dem ein Ausgleich von 12,5 Millionen Euro offeriert wurde. Wiedeking und Härter verzichten damit auf dienstvertragliche Ansprüche in erheblichem Umfang.

Im September 2005 gab Porsche eine Beteiligung von rund 20 Prozent an den Stammaktien der Volkswagen AG bekannt. In der Folge zog Wiedeking im Januar 2006 in den VW-Aufsichtsrat ein. Nach Gründung der Porsche Automobil Holding SE im November 2007 übernahm Wiedeking ebenfalls den Vorstandsvorsitz dieser Dachgesellschaft, die neben der Porsche AG genau 50,76 Prozent an der VW AG hält.

Holger P. Härter trat 1996 beim Stuttgarter Sportwagenhersteller als Vorstand ein und verantwortete seither die Ressorts Finanz- und Betriebswirtschaft sowie Einkauf. Wie Wiedeking, gehört Härter seit Mai 2006 dem VW-Aufsichtsrat an. Im November 2007 berief ihn der Aufsichtsrat außerdem zum Vorstand Finanz- und Betriebswirtschaft der Porsche SE sowie zum stellvertretenden Vorsitzenden dieser Gesellschaft.

 

Persönliche Erklärung von Herrn Dr. Wendelin Wiedeking:

“Persönliche Gründe, aber auch meine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, veranlassen mich, einen erheblichen Betrag für soziale Zwecke zur Verfügung zu stellen. Als Zeichen der besonderen Verbundenheit mit meinen langjährigen Mitarbeitern und Weggefährten beabsichtige ich am Stammsitz der Porsche AG in Stuttgart-Zuffenhausen, eine gemeinnützige/mildtätige Stiftung zu gründen. Unter maßgeblicher Einbeziehung der Porsche-Betriebsräte soll die Stiftung, die mit Barmitteln in Höhe von 25 Millionen Euro ausgestattet werden soll, auch zukünftig eine sozial gerechte Entwicklung an allen Porsche-Standorten unterstützen.



Porsche-Produktion

Darüber hinaus werde ich dem Sozialfonds der Landespresse Baden-Württemberg e.V., der Stiftung der Hamburger Presse und dem Verein Kollegenhilfe niedersächsischer Journalisten e.V. je 500.000 Euro zukommen lassen. Die Spenden sollen entsprechend den jeweiligen Satzungszwecken der Unterstützung notleidender Journalisten im Alter dienen.

Des Weiteren werde ich in Projekte investieren, mit denen in Deutschland Arbeitsplätze geschaffen werden. Ich bin in Deutschland voll steuerpflichtig, so dass die Hälfte meiner Einkünfte als Steuer an den Staat geht.

Die Stiftung in Zuffenhausen soll meine beiden bereits bestehenden Stiftungen für soziale Zwecke in Beckum/Westfalen und Bietigheim-Bissingen mit einer Stiftungssumme von insgesamt 10 Millionen Euro ergänzen.“



Michael Macht (l.) und Thomas Edig (r.)

Macht und Edig: Der neue Vorstandsvorsitzende und sein Stellvertreter

Michael Macht, 1960 in Stuttgart geboren, trat nach einem Maschinenbaustudium an der Universität Stuttgart und einer Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer-Institut in Stuttgart 1990 als Fachreferent für Motorenplanung bei der Porsche AG ein. Nach weiteren Stationen als Referent des Produktionsvorstandes und des Vorstandsvorsitzenden, wurde Macht 1994 zum Geschäftsführer der neu gegründeten Porsche Consulting GmbH ernannt.

1998 berief der Aufsichtsrat Macht zum Vorstand Produktion und Logistik der Porsche AG. Im Mittelpunkt seiner Arbeit standen seither die Effizienzsteigerungsprogramme in der Produktion sowie die Neuausrichtung des Fertigungs- und Logistikverbundes der Porsche AG. Außerdem verantwortete Macht den Aufbau und Anlauf des Porsche-Werkes Leipzig sowie die Produktionsanläufe der neu entwickelten Baureihen Cayenne und Panamera.

Thomas Edig, 1961 in Stuttgart geboren, trat nach einem Studium an der Berufsakademie Karlsruhe mit Abschluss Diplom-Betriebswirt 1986 bei der Alcatel SEL AG in Stuttgart ein. Nach unterschiedlichen Stationen war Edig seit 1998 Mitglied des Vorstands und Arbeitsdirektor, bevor er 2002 in den Konzernvorstand von Alcatel in Paris berufen wurde. Nach einer Zwischenstation bei der Deutschen Telekom AG in Bonn, trat Edig 2006 in die Porsche AG ein und übernahm im Mai 2007 als Vorstand die Leitung des Ressorts Personal- und Sozialwesen sowie die Funktion des Arbeitsdirektors.

10 Kommentare > Kommentar schreiben

01.08.2009

[QUOTE=Landy;66956]Piech, Wulff und Merkel sind die Hauptverursacher dessen, was jetzt mit Porsche passiert. Oettinger hätte etwas ändern können, wenn er etwas mutiger gewesen wäre, genauso wie Wolfgang Porsche. Wiedeking hatte einen super Plan, der mit miesen Tricks zerstört wurde.[/QUOTE] Dem ist nichts hinzuzufügen. Wirklich schade.

26.07.2009

Piech, Wulff und Merkel sind die Hauptverursacher dessen, was jetzt mit Porsche passiert. Oettinger hätte etwas ändern können, wenn er etwas mutiger gewesen wäre, genauso wie Wolfgang Porsche. Wiedeking hatte einen super Plan, der mit miesen Tricks zerstört wurde.

26.07.2009

[QUOTE=BMW Power;66953]Porsche hat sich diese Situation selbst zuzuschreiben ...[/QUOTE] Nicht nur. Wie gesagt, ich empfehle den Spiegel-Artikel. Piech hat einen großen Anteil an der Porsche-Krise, welche ihm vollkommen in die Karten spielt.

26.07.2009

Porsche hat sich diese Situation selbst zuzuschreiben ...

26.07.2009

Die Zerstörung des Mythos Porsche ist im vollen Gange. Der neue 911 wird ein wieder verwerteter R8. Anders kann ich mir nicht Erklärung, warum der R8, den ich heute sah, diese drei Zahlen auf dem Nummernschild hatte.

26.07.2009

Verlassen kann man hier nicht wirklich sagen, sondern er musste gehen. Genau weil Porsche so familier betrieben wurde und mit der einzigste und letzte eigenständige Sportwagenhersteller war, fande ich diese Marke interessant, einfach alles " gefiel" mir am MYTHOS Porsche. Ich hoffe mein Kind kann irgendwann genauso wie ich, bevor es Papa sagen kann, Porsche sagen. Damit meine ich, dass ich ihm nicht mal beibringen muss dass es im Endeffekt ein Sportwagen von VW ist pder ein R32 in Porscheform. Wie es weitergeht werden wir sehen, aber 14 Mrd. Schulden hören sich nicht gut an...

26.07.2009

Ja ich finde es acuh schade. Ohje ich sehe es schon kommen. Der nächste 911 bekommt ein Audi Navi und nen V10 mittelmotor. Achja und ab sofort heißt es DSG und nciht mehr PDK. Ich hoffe wirklich das man es schafft Porsche eigenständig zu halten. Wobei cih mir nicht vorstellen kann das die Leute bei VW so blöd sind. Was würde denn ein Porsche bringen der kein Porsche mehr ist . Ein Problem sehe ich aber noch in der Kundschaft. Die größte Anzahl der Kunden bpsw mit Cayenne wären doch im Leben daran interessiert ob im Fzg. nun ein Porsche Motor sitzt. Um mit dem CarreraS durch Münster zu fahren würde den meisten Leuten auch ein V6 aus dem R32 genügen. Und weil das so ist, könnte ich mir gut vorstellen das die Leute aus Profigier eben diesen Porsche Mythos zugrunde gehen lassen. Indem man die aktuelle Motorenpalete auch auf Porsche versucht anzuwenden. Man oh man ich kann mir schon vorstellen wie sich ein Porsche in 5 Jahren anfühlt. Schonmal jmd den aktuellen TT gefahren ?? :D Ein bisschen schwarzmalerei muss sein ;).

24.07.2009

Sehr schade, aber das "Ende" von Porsche ist nun besiegelt. Hoffen wir, dass sie modellpolitisch ihre Eigenständigkeit behalten können und das Ruf nicht zu sehr beschädigt wurde. Wird Thomas Edig eigentlich Personalvorstand bleiben? Oder wird die Position nun von jemand anders übernommen? Weiß man schon, wer?

24.07.2009

Der letzte eigenständige Sportwagenbauer gehört nun also nun zum VAG Konzern ... Schaun was VW aus Porsche macht

23.07.2009

Damit ist Wiedeking nun also weg und Porsche nur noch eine Marke. Mal gespannt, was VW nun aus dieser Marke macht. Zu diesem Thema empfehle ich übrigens den aktuellen Spiegel (Ausgabe 30/09). Dort ist ein ausführlicher Artikel mit vielen Hintergrundinformationen abgedruckt.


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