Ford Ranger Wildtrak 2012 Test: Dreckwühler mit Suchtgefahr

, 12.07.2012


So ausgerüstet, spurtet der Ford Ranger Wildtrak 3.2 Duratorq TDCi 4x4 in 10,4 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und erzielt eine Höchstgeschwindigkeit von 175 km/h. Da zeigt der Ranger Wildtrak nicht nur beim Durchzug auf der Landstraße seine Qualitäten, sondern weiß auf der Autobahn so manchen Autofahrer zu beeindrucken, wenn im Rückspiegel der bullige Pickup mit der markanten Front im Rückspiegel immer größer wird. Bis etwa 140 km/h schreitet der Ranger dabei besonders passioniert voran. Den Durchschnittsverbrauch gibt Ford mit 10,4 Litern pro 100 Kilometer an.

Außer einem „Normal“-Modus, der auf niedrigen Verbrauch und weiche Gangwechsel ausgelegt ist, kann der Fahrer ein „Performance“-Programm aktivieren, das höhere Drehzahlen zulässt. Darüber hinaus bietet das Getriebe die Möglichkeit, die Gangwechsel durch Drücken (Herunterschalten) beziehungsweise Ziehen (Heraufschalten) des Wahlhebels manuell vorzunehmen.

Zum Vergleich: Der aktuell stärkste VW Amarok ist mit einem doppelt aufgeladenen Vierzylinder unterwegs, der aus 2,0 Litern Hubraum insgesamt 180 PS und 420 Nm bei 1.750 U/min generiert. Das reicht, um den VW Amarok 2.0 BiTDI mit Allrad, Automatik und Doppelkabine in 10,9 - 11,3 Sekunden (abhängig von der Ausstattung) von 0 auf Tempo 100 zu beschleunigen. Die Top-Speed liegt zwischen 174 und 179 km/h, während der Verbrauch im Mittel bei dieser Motorisierung im besten Fall zwischen 7,5 und 8,0 Litern auf 100 Kilometern liegt.

Die gegenwärtige Spitzenmotorisierung des VW Amaroks mag durch das Downsizing-Konzept weniger verbrauchen. Doch zum Charakter eines bulligen, robusten Pickups passt ein hubraumgrößerer Motor einfach besser, der dies bei jedem Druck auf das Gaspedal lustvoll mit seinem Sound nach außen herausbläst.

Handling auf der Straße: Ist das wirklich ein Pickup?

Zu überzeugen weiß der neue Ford Ranger mit einem Fahrkomfort fast auf Pkw-Niveau und Handling-Eigenschaften, die von einem Pickup sonst eher nicht erwartet werden. Bei hohen Geschwindigkeiten zeigt der Ranger Wildtrak einen hohen Geräuschkomfort und bietet Spurtreue auf der Autobahn sowie auf kurvigen Landstraßen. Die Straßenlage ist für einen Pickup mit dem hohen Aufbau beeindruckend, erfreulich die direkt ausgelegte Lenkung und der Federungskomfort - vorbei sind die Zeiten, in denen die Insassen regelrecht durchgeschüttelt wurden.

Verantwortlich für das solide Handling sind eine neu entwickelte Lenkung, eine komplett neue Vorderachse und eine optimierte Hinterachs-Aufhängung. Als Grundlage der verbesserten Handling-Eigenschaften dienen der verlängerte Radstand - mit 3,220 Metern Klassenbestwert - sowie die größeren Spurweiten vorne und hinten, die an der Vorder- und Hinterachse 1,560 Meter erreichen. Der Rahmen des neuen Rangers ist darüber hinaus doppelt so steif wie der des Vorgängermodells.

Positiv auf den Kraftschluss zwischen Ford Ranger und der Straße wirkt sich außerdem die elektronische Antriebsschlupf-Regelung aus, die während der Beschleunigung das Durchdrehen einzelner Räder verhindert, indem sie bei Bedarf das Motormoment zurücknimmt oder auch über die Bremse eingreift. Überdies besitzt der neue Ford Ranger serienmäßig ein elektronisches Sicherheits- und Stabilitätsprogramm (ESP), das sich auf Wunsch deaktivieren lässt.

Eine Vielzahl moderner Sicherheitssysteme kümmert sich ferner um die optimalen Bremseigenschaften. Dies beginnt beim Antiblockierbremssystem (ABS) und reicht über den Sicherheits-Bremsassistenten (Emergency Brake Assist) bis hin zur elektronischen Bremskraftverteilung EBD (Electronic Brake Force Distribution). Dabei beißen die Bremsen auf der Straße kräftig zu.

Suchtgefahr: Härtetest im rauen Gelände

Während es immer weniger „echte“ Geländewagen gibt - also reine „Dreckwühler“ mit einer hohen Geländetauglichkeit - stoßen die Pickups in diesen Bereich vor. Der Ford Ranger sieht nicht nur robust aus, sondern lädt mit seinen Qualitäten geradewegs zu einer Tour abseits befestigter Straßen in einem Offroad-Park ein. Starke Steigungen, steile Abhänge und tiefe Wasserdurchfahrten bewältigt der neue Ford Ranger Wildtrak so zuverlässig, dass Offroad-Fahrten mit diesen Pickup geradezu süchtig machen können.

Mit einer unverschämten Lockerheit meistert der Ranger schwierige Passagen, in denen etliche moderne SUVs vermutlich an ihre Grenzen stoßen würden. Es bereitet geradezu Spaß, mit dem Ranger im Schlamm zu wühlen und diesen richtig einzusauen. Für ein leichtes Vorankommen im Gelände sorgt der Allradantrieb, der sich über einen Schalter in der Mittelkonsole bequem während der Fahrt aktivieren lässt.

Beim Allradantrieb hat der Fahrer die Wahl zwischen „High Range“ für schlechte Straßenbedingungen und unbefestigte Strecken sowie „Low Range“ für besonders anspruchsvolles Gelände. Im konventionellen Einsatz auf festen Straßen treibt der Ranger die Hinterräder an.

Den besonderen Umständen, die sich im Offroad-Einsatz ergeben, entspricht das Antiblockiersystem (ABS), das selbsttätig erkennt, ob der Pickup über unbefestigten Untergrund rollt, und seine Regelintervalle entsprechend flexibel anpasst. Das Ergebnis: eine ausgewogene Bremsbalance und -stabilität.

Dank einer Bodenfreiheit von 23,2 Zentimetern, einem Böschungswinkel von 28 Grad vorne und 26 Grad hinten eignet sich der Ford Ranger Wildtrak 4x4 sogar für größere Offroad-Abenteuer. Ein Vergleich zum VW Amarok: Bodenfreiheit am Heck 20,3 Zentimeter, Böschungswinkel vorne 28 Grad und hinten 23,6 Grad.

Hinzu kommt beim Ford Ranger eine spezielle Geländeuntersetzung, die je nach Einsatzbedingung zusätzliches Antriebsmoment mobilisiert oder die Motorbremswirkung bei Bergabfahrten optimiert. Ein Berganfahr-Assistent erleichtert derweil das Wiederanfahren an bis zu 60-prozentigen Steigungen - eine Besonderheit, mit der nicht jedes Modell in dieser Kategorie aufwarten kann. Selbst Steigungen von 100 Prozent kämpft sich der Ranger hoch.
Das in Deutschland nicht erhältliche Sperrdifferential für die Hinterachse würde das Gesamtpaket krönen.

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