Ölige Drucksache: Testbericht BMW 123d

, 03.04.2008


BMW bietet mit dem 123d Coupé eine kompaktere und günstigere, wenn auch ganz sicher keine billige Alternative zum 325d Coupé.

Das BMW 3er Coupé ist ein gleichzeitig elegantes und dynamisches Auto, keine Frage. Für viele Fans der bayerischen Freude am Fahren ist es in Sachen Größe und Preis aber längst in für zu hohe Dimensionen entschwunden. Doch BMW bietet eine hausinterne Alternative: Das 123d Coupé bietet kompakten Diesel-Fahrspaß zum 6.450 Euro günstigeren Preis als etwa der zweitürige 325d. Ein Schnäppchen ist der knackige Bayer dagegen noch lange nicht.

Design

Die Coupéversion des kleinsten BMWs ist nicht etwa ein Schrägheck-1er mit Rucksack. Im Gegenteil: Das Design wirkt stimmig und wird viele BMW-Freunde an die zweitürigen Varianten des legendären 02ers oder der ersten beiden 3er-Generationen erinnern. Von vorne den Schrägheck- und Cabrio-Geschwistern wie aus dem Gesicht geschnitten, präsentiert das Coupé in der Seitenansicht die klassische BMW-Linienführung. Bei Sonnenschein sorgen Sicken und Charakterlinien für ein spannendes Lichtspiel. Den oft an seine Brüder gerichteten Vorwurf, ihre Karosserie hinge sprichwörtlich durch, muss sich das Coupé nicht gefallen lassen. Beim Heck gehen die Meinungen auseinander: Die einen finden es durchaus knackig, anderen ist es ein wenig zu trist geraten.

Antrieb

Erwischt: Die Bezeichnung 123d ist ein Etikettenschwindel. Der Vierzylinder mit Common Rail-Einspritzung verfügt über lediglich zwei Liter Hubraum. Dass der Selbstzünder trotzdem auf eine sehr respektable Literleistung von 102 PS kommt, liegt an zwei Turboladern. Diese arbeiten jedoch nicht gleichberechtigt, sondern sind unterschiedlich groß und lösen sich gegenseitig ab. Das Ergebnis sind satte 400 Newtonmeter bereits bei 2.000 Umdrehungen und eine Drehfreude, die erst bei rund 5.000 Touren nachlässt – Drehzahlregionen, die für andere Dieselmotoren so erreichbar sind wie für Hobby-Bergsteiger der Gipfel des Mount Everest. Dass das Phänomen „Turboloch“ durch Abwesenheit glänzt, lässt das Ganze so souverän wirken, dass es fast schon langweilig ist. Getreu dem Motto: „Stell´ Dir vor, Du sprintest in sieben Sekunden von Null auf Hundert und auf maximal 240 km/h und kriegst es nicht mit.“

Überhaupt dürfte die Antriebseinheit selbst den größten Diesel-Skeptiker bekehren. Akustisch verrät der Twinturbo-Selbstzünder nur beim Starten, dass er den öligen Sprit konsumiert, und hält sich – einmal auf Temperatur gebracht – dezent im Hintergrund. Der Griff zum Schalthebel ist wegen der hohen Drehmomentreserven des Motors ein seltenes, dank des straff ausgelegten, aber exakt definierten Getriebes ein freudiges Vergnügen. Ähnliches gilt für den Blick auf die Verbrauchsanzeige: Lässt man die serienmäßige Start/Stopp-Automatik walten und gehorcht der Schaltpunktanzeige, sind die von BMW angegebenen 5,2 Liter im Schnitt ein realistischer Wert. Wer den 123d fliegen lässt, muss mit acht Litern rechnen – angesichts der Performance trotzdem ein guter Wert.

Fahrwerk

Das Serien-Fahrwerk unseres Testwagens präsentiert sich straff abgestimmt, aber selten unkomfortabel, und lässt in flott durcheilten Kurven kaum Seitenneigung zu. Besser geht ein Kompromiss zwischen Komfort und Fahrdynamik kaum. Das M Fahrwerk (340 Euro Aufpreis) ist somit ein verzichtbarer Luxus. Genau wie die 1.300 Euro teure Aktivlenkung. Schon das Serienpendant ist direkt ausgelegt, die Servounterstützung erreicht genau das richtige Maß, es kommt viel Rückmeldung von der Fahrbahn. Andererseits bietet es den nötigen Komfort zum Beispiel auf der Autobahn, wo die Aktivlenkung viel zu nervös agiert. Ergo: Weniger ist mehr, diese Kreuzchen auf der Aufpreisliste kann man sich sparen.

Innenraum

Interessiert man sich für ein 1er Coupé, dann sicher nicht wegen des Platzangebots. Im Gegenteil: Man erfreut sich am knapp geschnittenen, zum Fahrer orientierten Cockpit mit dem perfekt in den Händen liegenden Sportvolant. Mehr als ein Notbehelf ist der Fond, der genug Platz für die Kleinen oder auf kurzen Strecken auch für Erwachsene bietet. Für den Urlaub zu zweit reicht das Kofferraumvolumen von 370 Litern allemal. Das mit den anderen 1ern identische Interieurdesign und Materialauswahl sind keine Glanzleistungen des Premium-Automobilbaus, aber durchaus akzeptabel, zumal es an der Verarbeitungsqualität nichts zu mäkeln gibt.

Kosten

32.500 Euro – der Grundpreis des BMW 123d Coupés. Eine selbstbewusste Ansage, schließlich sind das 3.750 Euro mehr als beim 177 PS starken 120d – viel Geld für 27 zusätzliche PS, eine etwas bessere Serienausstattung und ein wenig mehr Prestige. Trotzdem kann der Zweitürer eine kompaktere, aber deutlich günstigere Alternative zum 197 PS starken 325d Coupé sein, das erst bei 38.950 Euro startet. Wenig überraschend ist dagegen, dass die passive Sicherheitsausstattung fast und die aktive wirklich komplett sind, die Komfortausstattung dafür zu wünschen übrig lässt. Unser gut bestückter Testwagen kommt auf satte 44.100 Euro. Zahlen, die zweifeln lassen, ob man sich hier tatsächlich in der Kompaktklasse befindet.

Fazit

204 PS starker, aber durchaus genügsamer Dieselmotor, Heckantrieb, manuelles Sechsganggetriebe: Das BMW 123d Coupé bietet ein tolles Gesamtpaket, das sportlich ambitionierte Fahrer auch ohne Verfeinerungen der M GmbH oder Aktivlenkung zufrieden stellen wird. Der kompakte Zweitürer hat sogar das Zeug, den einen oder anderen Diesel-Skeptiker von sich zu überzeugen. Dank des günstigeren Preises und seiner noch knackigeren Fahreigenschaften dürfte so mancher sogar vom 3er Coupé in die kleinere Klasse umsteigen. Zu behaupten, man hätte sich ein Schnäppchen geleistet, wäre dann aber maßlos übertrieben.

Technische Daten (Werksangaben):

Leistung: 150 kW (204 PS) / 4.400 U/min
Max. Drehmoment: 400 Nm / 2.000 bis 2.250 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 238 km/h
Beschleunigung 0 – 100 km/h: 7,0 s
Durchschnittsverbrauch: 5,2 l / 100 km
CO2-Emission: 138 g/km
Grundpreis: 32.500 Euro

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