Porsche Cayenne Turbo S vs. Mercedes ML 63 AMG in der Kiesgrube

, 27.08.2007


Porsche Cayenne Turbo S und Mercedes ML 63 AMG: Zwei Allrad-Monster mit Straßenzulassung. Mit zusammen 1.031 PS verwandeln diese Kraftprotze jede Kiesgrube zum Bombenkrater.

[strong]Größer, schneller, stärker[/strong]

Das PS-Wettrüsten treibt immer krassere Blüten, und diese beiden gehören zur Speerspitze. In fünf Sekunden schießen die Zweitonner von Null auf Hundert. Mannshohe Blechklötze beschleunigen schneller als viele Sportwagen - die Autoindustrie muss verrückt geworden sein. Der ML 63 entwickelt 510 PS und 630 Newtonmeter aus 6,2 Litern Hubraum und regelt bei 250 km/h ab. Die angegebenen 16,5 Liter Durchschnitt schluckt der ML 63 fast im Standgas. Dafür kostet er ,,nur" 96.744 Euro. Deutlich teurer: Der Porsche mit 117.573 Euro. Zwei Turbolader pumpen den viereinhalb Liter-V8 auf 521 PS und 720 Newtonmeter. Schluss der Beschleunigungsorgie ist erst bei Tempo 270. Dann wird's allerdings teuer: Bei Vollgas säuft der Cayenne ganze Spritlaster leer.

[strong]Der Über-Cayenne[/strong]

Der Sound macht süchtig. Sanftes V8-Gebrabbel? Von wegen! Der Porsche trompetet wie eine wütende Elefanten-Herde. Geschaltet wird per Tiptronic oder automatisch - eigentlich egal. 720 Newtonmeter Drehmoment bedeuten Kraft bei jeder Drehzahl. Fahrwerk und Lenkung geben sich Porsche-typisch keine Blöße. Schnelle Kurven durcheilt der 2,5-Tonner wie auf Schienen, selbst bei Topspeed 270 fühlt man sich sicher wie in Abrahams Schoß. Eine gefährliche Illusion... Von vorne wirkt der Turbo S wie ein aufgebockter 911er. Wären da nicht die riesigen Lufteinlässe, die bei Bedarf die linke Spur einfach frei saugen. Am Design des Cayenne scheiden sich die Geister. Fest steht: Mittlerweile ist er ein akzeptiertes Mitglied der Porsche-Familie. Den Schriftzug am Heck sieht man in der Regel nur kurz. Haben die zwei Lader das Turboloch erst überwunden, verschwindet das Sprit schluckende Monster schnell am Horizont. Typisch Porsche: Zündschlüssel links und ineinander liegende Rundinstrumente. Pluspunkt Ausstattung: Navi, Reifendruckkontrolle und Sitzheizung gibt's für 120.000 Euro serienmäßig.

[strong]Hubraum statt Lader[/strong]

Statt Kompressor setzt AMG beim ML 63 auf einen Saugmotor. Und der tritt an wie eine Kanonenkugel: Fünf Sekunden auf Hundert. Dieses Auto verschiebt das Raum-Zeit-Kontinuum. Bei 250 regelt der Mercedes ab. Vernünftig, denn sonst würden überholte Kleinwagen vom Sog des Kolosses in den Straßengraben gefegt. Vielleicht dient die Selbstbeschränkung aber auch der eigenen Sicherheit. Denn in punkto Fahrdynamik ist der ML dem Porsche klar unterlegen. Lenkung und Fahrwerk sind zwar nicht schlecht, vermitteln aber nicht die Präzision des Cayenne. Bullig, brachial und ein bisschen böse wirkt der AMG. Großflächige Gitter in der Frontpartie schaufeln dem V8 Atemluft zu und sorgen für angemessenes Überholprestige. Die Silhouette des ML wirkt dynamisch, zumindest für die Zwei-Tonnen-Klasse. 19 Zoll-Alufelgen unterscheiden den AMG von seinen schwächeren Brüdern. Dezent ist was anderes. Mit AMG-Emblemen outet sich der ML als wahrer Potenzprotz. Auch das massige Heck verkündet überholten Fahrzeugen: ,,Ich bin kein normaler ML." Der Innenraum des ML wirkt hochwertiger als beim Porsche. Das Navi ist hier leider aufpreispflichtig, die Ledersitze gehören zum AMG-Paket. Den Spagat zwischen Sportwagen und Offroader schaffen beide dank Luftfahrwerk. Hoch im Gelände, tief auf der Straße.

[strong]Zwei Monster im Schlamm[/strong]

Auf Asphalt punktet der Porsche, doch wie steht's im Gelände? Eigentlich eine rein hypothetische Frage, denn außer uns prescht wohl niemand mit 100.000 Euro-SUVs über Schotterpisten. Den Anfang macht der ML. Im Offroad-Modus pumpt sich der Koloss auf stolze 25 Zentimeter Bodenfreiheit. Untersetzung, Mittel- und Hinterachssperre kosten 2.000 Euro Aufpreis. Doch auf der massiven Drehmomentwelle rollt der Mercedes trotzdem locker über Berg und Tal. Verschränkungen nimmt der extrem steife AMG gelassen. Sicherheitsplus: An Steilhängen bremst die Bergabfahrhilfe den Wagen auf Knopfdruck ein. Der Fahrer kann sich voll aufs Lenken konzentrieren und den Fuß von der Bremse nehmen - kein schlechter Offroader! In härterem Gelände würde der Mercedes ohne Untersetzung und Sperren aber schnell an seine Grenzen stoßen. Bei Porsche ist das serienmäßige Offroad-Paket wesentlich umfangreicher: Luftfahrwerk für 27 Zentimeter Bodenfreiheit, Untersetzung, Längssperre. So ausgestattet kommt der Cayenne selbst am Steilhang wieder ins Rollen. Bodenwellen und Verschränkungen walzt der Cayenne dank Luftfahrwerk einfach platt. Lediglich auf eine Bergabfahrhilfe muss der Porsche-Fahrer verzichten. Hier wird noch selbst gebremst. Onroad wie Offroad ist der Cayenne seinem Konkurrenten überlegen.

[strong]Fazit[/strong]

Sahnestück des ML 63: Der Motor. Auch die Verarbeitung ist hervorragend. Nur Fahrwerk und Lenkung sorgen manchmal für Gänsehaut. Offroad wie Onroad überlegen: Der Cayenne Turbo S. Dafür kostet er 20.000 Euro mehr und ist entschieden durstiger. Bei beiden stellt sich die Frage: Braucht die Welt Geländewagen mit 500 PS? Die ehrliche Antwort heißt ,,Nein". Überflüssig, umweltfeindlich, unvernünftig. Doch wie so oft macht genau das tierisch Spaß.

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21.03.2013


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