Porsche Macan Turbo Test: Ist das die Eier legende Wollmilchsau?

, 20.03.2016


Dachte man an Porsche, assoziierten damit lange Zeit viele nur die Sportwagen-Ikone 911. Diese Zeiten sind lange vorbei; denn Porsche präsentiert sich aktuell mit einer Vielzahl an Modellen aus unterschiedlichen Segmenten - seit einigen Jahren auch sehr erfolgreich mit Sport Utility Vehicles, kurz SUV. Der Porsche Macan markiert dabei einen kompakten SUV, der als Macan Turbo das Topmodell der Baureihe darstellt und leichtfüßiger sowie kompakter als der Platzhirsch Cayenne daherkommt.

Der Macan nimmt dabei eine besondere Rolle ein: Er soll sowohl im Gelände als auch im urbanen Großstadtdschungel für exzellente Fahreigenschaften und Spaß sorgen. Ob man ihn wirklich als „Eier legende Wollmilchsau im SUV-Segment“ bezeichnen kann, gehen wir im einwöchigen Porsche Macan Turbo Fahrbericht auf den Grund.

Satte 400 PS werkeln im Macan Turbo dank V6-Biturbo-Motor

Doch bevor wir uns den Fahreigenschaften widmen, folgt erst eine nüchterne Betrachtung der Kennzahlen. Der Porsche Macan Turbo leistet 400 PS und 550 Nm Drehmoment, das von 1.350 bis 4.500 Touren anliegt und spurtet in nur 4,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Porsche-typisch ist der Macan Turbo mit „VarioCam Plus“ ausgestattet - einer variablen Nockenverstellung mit zusätzlichem Ventilhub der Einlassventile. Mit dem optionalen „Sport Chrono Paket“ sind sogar 4,6 Sekunden für den klassischen Sprint auf Tempo 100 möglich. So ausgerüstet, schafft der 3,6-Liter-V6-Biturbo-Motor im Macan Turbo eine Höchstgeschwindigkeit von 266 km/h. Beeindruckende Zahlen! Hält man sich vor Augen, dass der Macan ein Leergewicht von fast zwei Tonnen auf die Waage stemmt.

Porsche Macan Turbo Test - Heck in Fahrt

Seinem Namen macht dieser SUV alle Ehre. Macan bedeutet auf indonesisch „Tiger“. Und genauso angriffslustig versteht sich der Macan auch: kräftig und jederzeit zum Sprung bereit, dabei aber leichtfüßig und ausdauernd im Gelände. Das lässt sich bereits auf den ersten Metern spüren: Das potente Triebwerk sorgt für ordentlich Spaß, insbesondere im „Sport Plus“-Modus, bei dem der Fahrer mit aktivierter Klappenanlage ein beherztes Knallen während des Schaltvorgangs genießt. Im „Sport Plus“-Modus sind die Schaltzeiten zudem noch einmal deutlich sportlicher abgestimmt, die Klappen des Sportauspuffs geöffnet und sämtliche Regler betreffend Gaskennlinie, Fahrwerk usw. auf „scharf und sportlich“ gestellt.

In diesen Genuss kommt der Fahrer allerdings nur mit dem optionalen „Sport Chrono Paket“. Wesentliche Bestandteile des „Sport Chrono Paketes“ sind eine digitale und analoge Stoppuhr und die „Sport Plus“-Taste. Auf Knopfdruck reagiert der Motor noch bissiger. Die Schaltzeiten werden weitaus kürzer, die Schaltvorgänge zudem sportlicher. Eine „Launch Control“ sorgt derweil für die optimale Beschleunigung beim Anfahren.

Für das Offroad-Vergnügen bietet der Macan zahlreiche Raffinessen:

Wer sich im Offroad-Terrain bewegen möchte, dem steht über einen Offroad-Knopf ein traktionsorientiertes Geländeprogramm zur Verfügung. Die Luftfederung und das aktive Dämpfersystem PASM (Porsche Active Suspension Management) wechseln automatisch ins Geländeniveau. Auch das optionale „Porsche Torque Vectoring Plus“ (PTV Plus) und das serienmäßige „Porsche Stability Management“ (PSM) passen sich dem Geländeeinsatz an - und das merkte man in unserem ungenierten Porsche Macan Turbo Test: Er wühlte sich sicher und unbeirrt durch hartes Gelände.

Porsche Macan Turbo Test - Seite seitlich

Die Traktion ist sogar bei steilen Bergfahrten schier unglaublich. Durchdrehende Räder sucht man hier schwerlich. Dafür verantwortlich ist eine voll variable Regelung der Antriebskraft, bei der im Bedarfsfall bis zu 100 % zwischen der Vorder- und Hinterachse verteilt wird. Die Bergabfahrhilfe PHC hält die Geschwindigkeit beim Herabfahren eines Berges konstant in einem einstellbaren Bereich zwischen 3 und 30 km/h, was für ein gesteigertes Sicherheitsgefühl des Fahrers sorgt.

Die Kraftübertragung erfolgt über das serienmäßige Porsche-Doppelkupplungsgetriebe (PDK), das für blitzschnelle Schaltvorgänge ohne Zugkraftunterbrechung bekannt ist - automatisch oder wahlweise über Paddels am Lenkrad. Das System besitzt zudem einen Segelmodus, der je nach Fahrsituation die Verbrauchs- und Emissionswerte senkt.

Porsche Macan Turbo Test - Front in Fahrt

Das aktive Dämpfersystem (PASM) erhöht die Sportlichkeit und den Fahrkomfort, da es sich je nach Fahrerwunsch individuell verstellen lässt. Die Luftfederung ermöglicht eine Tieferlegung um 15 mm im Vergleich zum Stahlfederfahrwerk. Die Niveauregulierung sorgt für eine konstante Fahrzeuglage. Die Bodenfreiheit lässt sich dabei in drei Stufen anpassen: Geländeniveau, Normalniveau und Tiefniveau. Im Geländeniveau liegt das Fahrzeug 40 mm über dem Normalniveau, im Tiefniveau 10 mm darunter. Praktisch: das Beladungsniveau. Dabei senkt sich im Normalniveau zum komfortablen Beladen nur das Heck um 40 mm ab. Die Bedienung erfolgt über eine Taste im Kofferraum.

Porsche Macan Turbo Verbrauch:

Der Durchschnittsverbrauch wird von Porsche mit 8,9 bis 9,2 Litern Super Plus auf 100 Kilometern angegeben. In unserem einwöchigen Test mit einem Mix aus Stadtverkehr, Autobahn und Landstraße ergab sich ein Durchschnittswert von 14,3 Litern bei einer gesamten Fahrstrecke von etwa 1.350 Kilomtern. Geschont wurde der Macan Turbo dabei nicht und überwiegend im „Sport Plus“-Modus gefahren, um der Sinfonie der Schaltvorgänge noch besser lauschen zu können. Auch war viel Stadtverkehr dabei, wodurch es zu einem höheren Gesamtverbrauch kam.

Das Exterieur des Macan Turbo ist besonders muskulös:

Das Gesicht des Macan lässt erahnen, dass hier kein langweiliger „Hausfrauen SUV“ durch die Großstadt gondelt, sondern Sportlichkeit dominiert. Die muskulöse Frontschürze mit den seitlichen Airblades der auffallend großen Kühlluftöffnungen ist allein dem Macan Turbo vorbehalten und verleiht dem SUV bereits optisch einen unbändigen Vorwärtsdrang.

Porsche Macan Turbo Test - Stoßstange vorne Kühlergrill

Die Dachlinie fällt nach hinten ab, so dass eine sportwagentypische Silhouette entsteht, von der außerdem die Aerodynamik profitiert. Ein optisches Highlight stellen die Sideblades dar, die sich in ihrer Form am Porsche 918 Spyder orientieren. Dadurch wirken die Proportionen der Türen schmaler, die Flanken deutlich schlanker und sportlicher. Muskulös gestaltete Porsche ebenfalls das Heck, bei dem das dreidimensionale Design der LED-Heckleuchten für eine eindrucksvolle Tiefenwirkung sorgt.

Der Porsche Macan lässt sich mit Rädern bis zu einer Größe von 21 Zoll ausrüsten. Porsche-Insider erkennen an den Bremssätteln, um welches Modell es sich handelt: Silberfarben bei den kleineren S-Modellen oder Rot beim Turbo. Gegen Aufpreis ist die Keramikbremse „PCCB“ erhältlich.

Porsche Macan Turbo Innenraum: Kein Wunsch bleibt offen

Das wichtigste Vorab: Das Zündschloss sitzt links, wie man es von Porsche kennt. Dieses Feature ist ein Überbleibsel aus vergangenen Tagen, als der Rennwagen-Pilot noch außerhalb des Fahrzeugs starten musste und durch ein links am Türeinstieg angebrachtes Zündschloss bereits beim Einsteigen das Fahrzeug starten konnte.

Doch zurück zum Porsche Macan: Das Wesentliche hat der Fahrer bei der Instrumententafel im 3-Tuben-Design schnell im Blick. Zu den drei Tuben gehört der mittig platzierte Drehzahlmesser, links davon der klassische Tachometer und rechts angeordnet ein 4,8 Zoll großer Farbbildschirm, der unter anderem Informationen des Bordcomputers und des Navigationsgeräts anzeigt.

Porsche Macan Turbo Test - Innenraum Sitze Fahrgastraum Lenkrad Zündschloss

Rings um den Wählhebel befinden sich zahlreiche Schalter, wie zum Beispiel zur Aktivierung des „Sport“- oder „Sport Plus“-Modus, der Klappenauspuffanlage und zur Deaktivierung der elektronischen Stabilitätsprogramme. Darüber befinden sich Schalter zum Einstellen des optimalen Raumklimas und zur Befeuerung des Hinterns mittels Sitzheizung. Selbstredend getrennt regelbar für Fahrer und Beifahrer.

Die adaptiven Sportsitze mit Komfort-Memory-Paket (18-Wege) vermitteln ein sicheres und komfortables Sitzgefühl. Durch die erhöhte Sitzposition hat man die Straße perfekt im Blick, behält dabei dennoch einen sehr sportlichen Anspruch, was dem Macan zum Spagat zwischen Sportlichkeit und Alltagstauglichkeit verhilft. Die elektrische Sitzverstellung lässt keine Wünsche offen und ermöglicht, sich sportlich fest zwischen die Seitenwangen zu quetschen oder komfortabel und erhaben dahinzugleiten. Optional gibt es eine Sitzbelüftung.

Die Systeme für Sound und Navigation folgen dem ergonomischen Konzeptgedanken und so lässt der hochauflösende Farb-Touchscreen keine Wünsche offen. Das „Porsche Communication Management“ (PCM) mit Navigationsmodul und großem Touchscreen ist Serie. Ebenso das „Surround Sound“-System von Bose, das mit 545 Watt Gesamtleistung und 14 Lautsprechern für ein besonderes Klangerlebnis sorgt.

Porsche Macan Turbo Test -

Mit der dreifach variablen Rücksitzbank - teilbar im Verhältnis 40:20:40, lässt sich der Macan den jeweiligen Bedürfnissen, zum Beispiel beim Wintersport oder im Alltag, schnell anpassen. Das serienmäßige Lederpaket betont die Hochwertigkeit des Interieurs. Porsche-typisch sind alle Nähte perfekt ausgeführt. Für ein angenehmes und helles Raumklima, das in der Nacht einen wunderbaren Blick auf den Sternenhimmel ermöglicht, sorgt das optional erhältliche großzügig gestaltete Panorama-Dach.

Fahrerassistenzsysteme mag der „faule Pilot“ heutzutage nicht mehr missen und so findet man selbstverständlich alle Annehmlichkeiten der Neuzeit wie den Abstandsregeltempostat, inklusive PorscheActive Safe (PAS), der Geschwindigkeit abhängig vom Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug regelt. Ebenso an Bord: ein Spurwechselassistent und ein Spurhalteassistent.

Fazit: Die Eier legende Wollmilchsau - zumindest in diesem Segment

Beim Porsche Macan Turbo kann man getrost von einer Eier legenden Wollmilchsau sprechen, vereint er doch sportliche Attribute mit perfekter Alltagstauglichkeit und guter Geländegängigkeit. Der rasante Anzug im Macan Turbo ist bezogen auf sein Leergewicht von beinahe zwei Tonnen sehr gut und auch das klangliche Erlebnis, das über diverse Programme regelbar ist, kommt nicht zu kurz.

Porsche Macan Turbo Test - Kofferraum Heckklappe Kofferraum Volumen

Dank der kompakteren Abmessungen von knapp 4,7 Metern Länge, 1,9 Meter Breite und rund 1,6 Meter Höhe kommt der Macan auch im Großstadtalltag gut zurecht. Das großzügige Kofferraumvolumen von 500 Litern, das sich durch das Umklappen der Rücksitzbank auf bis zu 1.500 Liter erweitern lässt, bietet genug Platz für sämtliche Einsatzzwecke. Die gute Offroad-Tauglichkeit bietet darüber hinaus viel Spielraum für ausgefallene Ausflugsziele und sorgt für einen hohen Spaßfaktor.

Der Porsche Macan Turbo bietet sehr viel, lässt sich allerdings nur bedingt als Eier legende Wollmilchsau bezeichnen. Sind wir einmal ehrlich: Natürlich schlägt ein reinrassiger Sportwagen den Macan in puncto Sportlichkeit oder ein extra konzipierter Offroader im Gelände. Doch so graziös vereint kaum ein Zweiter all diese wunderbaren Merkmale wie der Porsche Macan Turbo. Einziger Wermutstropfen: Der Porsche Macan Turbo ist erst ab 83.753 Euro erhältlich und richtet sich daher an eine Käuferschicht mit locker sitzender Geldbörse.

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