TechArt Porsche 911 Carrera S Cabrio Test: Donnerkeil für Glücksgefühle

, 25.07.2013


Ein brutales Kreischen wie aus dem Nichts und kurz darauf erscheinen zwei zornig blitzende Xenon-Scheinwerfer im Rückspiegel bei der Fahrt durch einen Tunnel. Wer jetzt erst ein wenig wartet, um Platz zu machen, wird meist mit einem krachenden Downshift „bestraft“, worauf meist die nächste Beschleunigungsorgie, gepaart mit einem weiteren unbändigen Kreischen, folgt. Viele Autofahrer erleben dies aus der beschriebenen Sicht. Doch wir tauschen jetzt die Plätze und schlüpfen in die Rolle des Donnergottes, um das von TechArt veredelte Porsche 911 Carrera S Cabrio der aktuellen 991-Baureihe zu testen.

Wie ein auf Beute wartender Schneeleopard kauert der weiße 911er auf seinen schwarz lackierten, 21 Zoll großen „Formula III“-Schmiederädern, die unverkennbar die elegant-sportliche Handschrift der Tuning-Schmiede aus Leonberg tragen. Auch die Front verdeutlicht sofort, dass es sich hierbei um keinen normalen Carrera S aus Zuffenhausen handelt, sondern hier noch einmal Hand angelegt wurde.

Der Kenner sieht auf den ersten Blick, dass TechArt der Front des Cabrios eine komplett neue Formensprache verlieh, die insbesondere durch die schräg nach außen auslaufenden Streben auffällt und das Fahrzeug dadurch breiter und tiefer wirkt. Derweil fügt sich der neue Frontsplitter aus Carbon, der den Auftrieb an der Vorderachse bei einer Geschwindigkeit von 140 km/h um 5 Kilogramm reduziert, nahtlos in das Designkonzept ein. Die Seitenschweller ersetzte TechArt ebenfalls durch neue Anbauteile, die den Porsche noch bulliger wirken lassen und optisch tiefer legen.

Am Heck sorgen je zwei ineinander übergehende Endrohre pro Seite auf Wunsch für ordentlichen Krach. Dazu kommt ein kleiner Spoiler am Heck, der zusammen mit dem neuen, in Wagenfarbe lackierten Diffusor für zusätzlichen Abtrieb sorgt, um den Speed-Orgien bestens gerecht zu werden. In Zahlen ausgedrückt: Bei 140 km/h sind es bereits 17,5 Kilogramm zusätzlicher Abtrieb, bis zur Höchstgeschwindigkeit von bis zu 299 km/h steigt dieser Wert auf satte 76 Kilogramm.

TechArt schließt das Exterieur neben lackierten Außenspiegelzierleisten mit einem Satz neuer Fahrwerksfedern ab, die das Fahrzeug durch die Tieferlegung und in Kombination mit den Distanzscheiben sowie den neuen Rädern richtig in Szene setzen. Insbesondere das Fahrwerk soll zu einem Plus an Dynamik und Schärfe in Kurvenrevieren beitragen.

Auf die harte Tour: Noch schneller durch Kurven

Fährt sich das TechArt Porsche 991 Carrera S Cabrio so heiß wie es aussieht? Für den Vortrieb unseres Testwagens sorgt ein serienmäßiger 3,8 Liter großer Boxermotor mit 400 PS und 440 Nm maximalem Drehmoment im Heck, der in Kombination mit dem 7-Gang-Porsche-Doppelkupplungsgetriebe (PDK) eine Beschleunigung von 0 auf Tempo 100 in nur 4,3 Sekunden ermöglicht.

Das von TechArt modifizierte Fahrwerk kommt einerseits extrem hart daher, bietet aber gleichzeitig den passenden Komfort, um auch längere Strecken mit dem veredelten Cabrio fahren zu können, ohne mit Rückenschmerzen am Ziel auszusteigen. Beim Kurvenräubern auf der Landstraße spielt der Porsche von TechArt seine Stärken mit einer exzellenten Straßenlage gekonnt aus. Der TechArt-Porsche fährt eine klare Linie und lässt sich besonders präzise und flink fast wie auf Schienen durch Kurven zirkeln, während ich mir wünsche, dass die Straßenwindungen nicht mehr enden.

Am Gesetz vorbeigeschrien: Der Griff in die Trickkiste

Der noch emotionalere Teil, der jedem Autofan sofort ein Grinsen auf das Gesicht zaubert, wurde von TechArt besonders herausgearbeitet: der Sound. Wer den steuerbaren Klappenauspuff aktiviert, wird aus den Socken gehauen. Bei voller Beschleunigung wirkt der Sound wie eine Mischung aus einem schreienden Tiger, gepaart mit einer Herde voller aggressiver Stiere, die über die Straßen rennen. Jede Tunneldurchfahrt avanciert zu einem akustischen Genuss und zu einer Schrecksekunde für Motorradfahrer.

Mit 80 km/h im dritten Gang geht es rein in den Tunnel. Ich schalte einen Gang herunter, was mit einer satten Portion Zwischengas garniert wird, drücke den rechten Fuß ganz durch und genieße das infernale, fast apokalyptische Schreien des 3,8 Liter großen Sechszylinder-Boxermotors im Heck, während die 400 Pferde mit aller Gewalt versuchen, die Luft aus der Lunge zu drücken. Genau das sind die Momente, die jeder Sportwagen-Fahrer liebt und nicht missen möchte.

Der Clou kommt allerdings noch: In Deutschland gibt es bestimmte Lärmschutzbedingungen. Eine davon schreibt eine maximale Lautstärke von Fahrzeugen innerorts vor. Wer sich nun den Klang aus dem Tunnel ins Gedächtnis ruft, dem wird ziemlich schnell klar, dass diese Lautstärke mit Sicherheit nicht erlaubt ist.

Um genau dieses Problem zu lösen, griff TechArt in die Trickkiste und programmierte die Klappen der Sportabgasanlage auf spezielle Weise: Da im ersten und im zweiten Gang bis zu einer Geschwindigkeit von 40 km/h die Lautstärkegrenze nicht überschritten wird, dürfen in diesem Geschwindigkeitsfenster die Klappen komplett offen bleiben. Wer allerdings schneller als besagte 40 km/h fährt, würde diese gegebene Grenze überschreiten, so dass diese Auspuffanlage in Deutschland eigentlich nicht zulässig ist.

Da TechArt jedoch keinem Kunden den akustischen Hochgenuss vorenthalten möchte, schließt das System die Klappen von 40 km/h bis 70 km/h - eine Spanne, die beim Beschleunigen wie im Flug vergeht. Danach beginnt der richtige Spaß, der bis zu einer Höchstgeschwindigkeit von satten 299 km/h reicht.

Interieur: Wilde Exzesse für eine neue Identität

Die Insassen sollen nicht nur den brachialen Sound und die verschärfte Kurvendynamik erleben, sondern sich dabei wohlfühlen und von der Masse der Porsche-Fahrer absetzen. Nach einer Komplettkur von TechArt wirkt das Interieur noch hochwertiger als es bereits ab Werk bei Porsche der Fall ist. Dass bei TechArt echte Könner am Werk waren, zeigen vor allem die mit viel Detailliebe gesetzten Farbakzente in Form von roten Ziernähten sowie einer roten Umrandung der Schaltkulisse und des Schaltknaufes.

Das Lenkrad, eines der Steckenpferde von TechArt, polsterten die Macher in einem aufwändigen Prozess auf. Im Ergebnis liegt das Volant mit seinem weichen Lederbezug perfekt in der Hand, was das sportliche Kurvenräubern unterstützt. Als weiteres sehr nützliches Feature erweist sich die rot umrahmte PDK-Anzeige auf dem Mittelteil des Lenkrades, die dem Fahrer stets anzeigt, in welchem Fahrmodus er sich momentan befindet (Sport oder Sport Plus). Was Porsche nicht hat, ermöglicht TechArt: Da Porsche in Verbindung mit Schaltpaddles kein Multifunktionslenkrad offeriert, schafft TechArt entsprechend Abhilfe.

Damit gab sich TechArt noch nicht zufrieden und überzog zahlreiche Komponenten des Innenraumes mit einem neuen Lederbezug, der mit weißen und roten Kontrastnähten Akzente setzt. Neben den unzähligen belederten Teilen findet sich am Armaturenbrett kaum etwas, was nicht entweder in Wagenfarbe oder in Rot lackiert wurde. So fasst beispielsweise ein weißer Ring den Drehzahlmesser, den Tachometer und die Multifunktionsanzeige ein, während die Macher die Versteller der Luftdüsen im kontrastreichen Rot hielten.

Die Maßnahmen rundet TechArt neben den weiß lackierten Rückseiten der Sitzlehnen mit einem Paket für den Kofferraum ab, das aus einem speziellen Bezug für die Haube innen und eingelassenen LED-Leuchten besteht. TechArt nahm den offenen Sportwagen bis in das kleinste Detail auseinander, um diesen dann in einer noch schöneren Form neu zusammenzusetzen.

Fazit:

Wem sein Porsche 911 Carrera S Cabriolet der 991-Baureihe nicht sportlich genug aussieht und klingt, der ist bei TechArt bestens aufgehoben. Auch das Paket für das Interieur bietet neben einer überragenden Verarbeitung klasse Möglichkeiten, das Fahrzeug zweckorientiert, wie zum Beispiel ein Multifunktionslenkrad mit Schaltpaddles.

Der einzige Haken an der ganzen Sache ist wie so oft der Preis. Zum Basispreis des Porsche 991 Carrera S Cabriolets von knapp über 100.000 Euro kommen nämlich noch satte 33.184 Euro, bis man bei der Ausstattungsvariante unseres Testwagens anlangt.

Wer allerdings Wert auf ein noch sportlicheres Aussehen und eine schier endlose Eleganz im Innenraum, gepaart mit einer Portion brachialstem Sound legt, der ist hier genau richtig aufgehoben und spätestens nach der ersten Tunneldurchfahrt mit geöffnetem Verdeck rückt der Verkaufspreis in Gedanken ganz weit nach hinten.


Technische Daten Porsche 911 Carrera S Cabrio (991):

Antriebsart: Heckantrieb | Hubraum: 3.800 cm³ | Leistung: 294 kW/400 PS | Drehmoment: 440 Nm bei 5.600 U/min | Vmax: 299 km/h | Beschleunigung 0-100 km/h: 4,3 Sekunden | Durchschnittsverbrauch: 8,9 l/100 km | CO2-Emission: 210 g/km

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