Pascal Wehrlein: "Schieb-ihn-raus"-Affäre hat DTM geholfen

, 11.01.2016

Der DTM-Champion im 'Motorsport-Total.com'-Interview: Warum Mattias Ekström sagen soll, was er will und er mit Rivalen über eigene Fehler lachen kann

Auf die Kontroversen der DTM-Saison 2015 blickt Pascal Wehrlein mit gemischten Gefühlen: Wie der Mercedes-Pilot im Interview mit 'Motorsport-Total.com' schildert, war die "Schieb-ihn-raus"-Affäre für ihn ein zweischneidiges Schwert, weil sie der DTM einerseits zu Medienaufmerksamkeit verhalf, aber andererseits im Motorsport nichts zu suchen hätte. Dass Audi-Kollege Mattias Ekström meint, er hätte den Meistertitel nicht verdient, lässt den 21-jährigen Wehrlein völlig kalt.

Frage: "Pascal, du durftest als DTM-Champion Weihnachten und den Jahreswechsel feiern. Wie stolz macht dich solch ein Erfolg?"

Pascal Wehrlein: "Das macht mich sehr stolz und auch zufrieden. Im Alter von 20 Jahren jüngster DTM-Champion geworden zu sein, ist natürlich etwas besonderes. Beim Saisonfinale in Hockenheim hat man gespürt, welche Last von allen im Mercedes-Team abgefallen ist - und wie viel Glücksgefühle hochkamen. Später mein Auto ins Museum stellen zu dürfen, war auch noch einmal eine besondere Ehre."

Frage: "Deine Mutter stammt von der Insel Mauritius, die sehr bekannt ist für ihre Briefmarken. Die 'Blaue Mauritius' gilt als Inbegriff eines wertvollen Sammlerstücks..."

Wehrlein: "Echt? Das wusste ich noch gar nicht. Was ist die denn wert?"

Frage: "Die liegt bestimmt bei über einer Million Euro..."

Wehrlein: "Wow! Vielleicht gibt es ja bald in Anlehnung an meine DTM-Auto-Farben eine Mauritius in Schwarz-Gold. Das wäre etwas - und das hätte für mich einen ähnlich hohen Wert. Aber wir müssen erst einmal sehen, welche Farben mein Auto in diesem Jahr haben wird. Und das hängt wiederum von der Serie ab, in der ich starten werde. Die Entscheidung steht noch aus, Mercedes überlegt sich das gut."

Frage: "Bleiben wir bei der DTM 2015. Es gab im vergangenen Jahr viele Diskussionen und Sticheleien. Ist davon noch etwas zurückgeblieben, oder ist alles komplett abgehakt?"

Wehrlein: "Über einige Sachen kann ich mittlerweile schmunzeln, über andere aber immer noch nicht. Die Saison ist vorbei, ich bin Champion und entsprechend entspannt. Da lässt man einiges einfach außen vor. Einige Vorfälle sehe ich aber immer noch genauso wie zuvor. So etwas vergisst man nicht..."

Frage: "Zum Beispiel die Aussagen von Mattias Ekström, der gesagt hat, dass nicht du, sondern Jamie Green der beste DTM-Fahrer 2015 gewesen sei. 'Eki' ist nicht irgendwer in der DTM, er ist zweimaliger Meister und seit langer Zeit dabei. Haben Aussagen aus seinem Mund mehr Wert als jene von jüngeren Kollegen?"

Wehrlein: "Nein, denn jeder darf seine Meinung haben - egal, ob Ekström oder zum Beispiel mein Kollege Lucas Auer. Die Frage ist, ob man die geäußerte Meinung dann auch für richtig hält. Letztlich ist es doch so: Ich bin Meister geworden und nicht Jamie Green! Da kann 'Eki' so oft sagen wie er will, dass jemand anderes es mehr verdient hätte. Es ändert nichts."

Frage: "Du hast bei deinem Disput mit Maxime Martin am Nürburgring auch nicht gerade mit sanften Worten überzeugt..."

Wehrlein: "Stimmt, aber da lag ich falsch und habe das auch ganz schnell zugegeben. Es hatte für mich zuerst so gewirkt, als hätte Maxime mich in der Ecke als Bremsklotz benutzt. Es war aber nicht so, er war die ganze Zeit neben mir gewesen. Nach Ansicht der TV-Bilder habe ich mich bei ihm entschuldigt. Ich hätte auf meinem Standpunkt beharren können, das macht aber keinen Sinn. Ich habe mit Maxime gesprochen, mittlerweile lachen wir darüber. Ich habe kein Problem damit, einen Fehler zuzugeben. Alles ist gut."

Frage: "Die '#schiebihnraus'-Affäre war der größte Zündstoff im DTM-Jahr 2015. Der Vorgang hat sich nicht auf deine Meisterschaftsambitionen ausgewirkt, sodass wir nun entspannt darüber sprechen können. Hat diese Affäre der DTM insgesamt geschadet oder sogar geholfen?"

Wehrlein: "Das muss man aus zwei Perspektiven betrachten. Einerseits sind die Bilder von diesem Zwischenfall um die Welt gegangen. Jeder hat darüber gesprochen. Diese erhöhte Medienpräsenz und Aufmerksamkeit hat der Serie auf jeden Fall geholfen."

"Aber natürlich will so etwas im Motorsport niemand sehen. Auf einem solchen Weg die Aufmerksamkeit zu erzeugen, hilft unter dem Strich dann doch keinem. Die DTM stand vorübergehend enorm im Fokus, aber das Thema, um das es im Kern ging, war leider nicht wirklich etwas mit dem man Schlagzeilen machen will. Es mag kurzfristig spannend und interessant gewesen sein, aber solche Themen gehören für mich - und hoffentlich für viele andere - nicht zum Motorsport."

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