Sind die DTM-Zugeständnisse an BMW zu weit gegangen?

, 12.07.2016

Hat BMW durch die Zugeständnisse einen zu großen Vorteil? - Die Meinungen gehen auseinander - Elementar ist die Ausgeglichenheit im DTM-Feld

Wenn am kommenden Samstag der erste Lauf in Zandvoort über die Bühne gegangen ist, erreicht die DTM-Saison 2016 Halbzeit. Mit bisher sieben verschiedenen Siegern waren die Rennen so ausgeglichen wie selten zuvor. In der Fahrerwertung liegen auf den ersten drei Plätzen Fahrer von BMW, Audi und Mercedes. Es gibt keinen eindeutigen Meisterschaftsfavoriten. Dennoch führt BMW vor dem Gastspiel in den Niederlanden die Fahrer- und Markenwertung an. Nur bei den Teams liegt Abt-Audi vor zwei BMW-Mannschaften.

Nicht alle sind damit glücklich, dass BMW bei Saisonhalbzeit zwei Wertungen anführt, denn im Winter wurden BMW Zugeständnisse gemacht. Der M4 ist um 7,5 Kilogramm leichter als die Autos von Audi und Mercedes. Außerdem darf der Heckflügel um 50 Millimeter breiter sein. BMW erhielt diese Zugeständnisse, weil im Vorjahr die Performance schwächer als von der Konkurrenz war, obwohl am Ende BMW den Markentitel gewann.

Die große Frage lautet: Wie sehr helfen BMW diese Zugeständnisse? "Ich möchte mir darüber keine Gedanken machen", winkt Norisring-Sieger Nico Müller ab. Der Audi-Pilot nimmt die Situation als gegeben an: "Man hat vor der Saison diese Entscheidung getroffen, um die Serie attraktiver zu gestalten und umkämpfter zu machen. Bei Saisonhalbzeit sieht man, dass sich das ganz gut bestätigt. Wir haben drei verschiedene Hersteller auf den ersten drei Plätzen der Fahrerwertung. Die Meisterschaft ist so eng wie noch nie. Dementsprechend würde ich sagen, dass das Ziel erreicht wurde."

Vietoris: Man sollte die Zugeständnisse überdenken

Diese Meinung teilen aber nicht alle. "Ich sehe es etwas anders", sagt Mercedes-Pilot Christian Vietoris. "BMW führt zu Saisonhalbzeit zwei der drei Wertungen an, obwohl sie im Vorjahr deutlich unterlegen waren. Man müsste schauen, ob es zu viel des Guten war. Das liegt aber nicht in meiner Hand und auch nicht in der Hand der Fahrer. Für uns gilt es, das Beste daraus zu machen und so viele Punkte wie möglich mitzunehmen. Trotzdem denke ich, dass man es vielleicht noch einmal überdenken müsste und es etwas zu viel gewesen ist."

Als Tabellenführer reist Marco Wittmann nach Zandvoort, obwohl der Champion von 2014 nur bei seinem Sieg in Spielberg auf dem Podest stand. Wie groß ist seiner Meinung nach der Vorteil durch die Zugeständnisse? "Gute Frage. Ich glaube, man kann es gar nicht so genau ausrechnen wie viel das hilft. Man hat im Vorjahr genau gesehen, dass wir die schwächste Marke waren und wir uns schwergetan haben. Letztendlich wurden diese Zugeständnisse im Sinne der Show, im Sinne der DTM gemacht. Ich glaube, Nico hat es gut auf den Punkt gebracht. Wir sehen ein ausgeglichenes Feld, was man erzielen wollte. Von dem her ist es richtig aufgegangen."

Es bleibt auch festzuhalten, dass Wittmann vor allem wegen seiner Konstanz die Tabelle anführt, während viele andere Mitfavoriten in Unfälle und sonstige Zwischenfälle verwickelt waren. Mit Ausnahme des ersten Rennens in Hockenheim fuhr Wittmann immer in die Top 8. Edoardo Mortara, der zwei Punkte Rückstand hat, gewann in der ersten Saisonhälfte zwar schon zweimal, doch zweimal kam der Audi-Pilot außerhalb der Punkteränge ins Ziel. Einmal schied Mortara aus. Das zeigt, dass konstante Ergebnisse im vorderen Teil des Feldes der Schlüssel zum Meistertitel sein werden.

Deshalb hält Wittmann auch fest: "Ich glaube nicht, dass wir das überlegene oder stärkere Auto haben. Aktuell waren wir vielleicht die Cleveren und haben uns aus allem herausgehalten. Deswegen führen wir die Fahrer- und Herstellerwertung an. Schauen wir, wie sich die zweite Saisonhälfte entwickelt und wie das Bild am Saisonende aussehen wird. Ich denke, dass es so richtig ist."

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