"Alfa Romeo": Red Bull erwog Ferrari-Mogelpackung

, 13.11.2015

Ein Comeback von Alfa Romeo in der Formel 1 scheiterte nur an bürokratischen Hürden - Helmut Marko bestätigt Red-Bull-Teilnahme an der Saison 2016

Red Bulls Motoren-Odyssee scheint zu einem guten Ende zu kommen: Nach Christian Horners erlösenden Aussagen bestätigt auch Helmut Marko, dass beide Teams 2016 dabei sein werden. Unterdessen kommen weitere Details über den Verhandlungsmarathon ans Licht. In Gesprächen mit Ferrari wurde ein Plan diskutiert, den Namen "Alfa Romeo" in die Formel 1 zurückzubringen. Dieser Plan musste jedoch wegen diverser Unwägbarkeiten fallen gelassen werden.

Die Italiener waren ursprünglich im Sommer bereits aus dem Rennen, als Red Bull irrtümlich geglaubt hatte, sich Mercedes-Motoren gesichert zu haben. Nach der endgültigen Absage aus Stuttgart war Ferrari wieder eine Option. So wurde laut 'Motorsport.com' ein Geheimplan diskutiert: Red Bull sollte die 2015er-Antriebseinheit von Ferrari bekommen und eigenständig in den erlaubten 32 Token weiterentwickeln. Dafür sollte das Aggregat den Namen "Alfa Romeo" erhalten. Dies ist Teil einer Strategie von Sergio Marchionne, sämtliche Marken des Fiat-Konzerns bekannt zu machen.

Alfa Romeo kann auf eine erfolgreiche Motorsport-Vergangenheit zurückblicken, ist jedoch seit zehn Jahren nicht mehr werksseitig im Motorsport vertreten. Der Deal hätte Red Bull eine gewisse Unabhängigkeit von den Herstellern verschafft, während Marchionne einen traditionsreichen Namen zum Nulltarif in die Formel 1 zurückgeholt hätte. Alfa Romeo hatte 1950 und 1951 und noch einmal zwischen 1979 und 1985 an der Formel 1-Weltmeisterschaft teilgenommen. Zudem trat der italienische Hersteller in den 70er-Jahren als Motorenlieferant für McLaren, March und Brabham auf.

Umsetzung scheitert an Bürokratie

Letztlich scheiterte die Abmachung aber an mehreren Punkten. Red Bull hätte im Eilverfahren eine eigene Motorenabteilung hochziehen müssen, die eigentlichen Hürden sind aber eher bürokratischer Natur: So verbietet die FIA Herstellern per Reglement zwei unterschiedliche Motoren für eine Saison zu homologieren, darüber hinaus wäre der Weg juristisch fragwürdig gewesen - Stichwort: geistiges Eigentum. Außerdem fürchtete Red Bull, dass Ferrari es verbieten würde, dass der eigenständig weiterentwickelte Motor die Werksaggregate schlägt.

Nach den gescheiterten Verhandlungen mit Ferrari wurde Red Bull bei Honda vorstellig, doch zu Gesprächen kam es gar nicht erst, nachdem McLaren klar gemacht hat, dass man Exklusivpartner der Japaner sei und sein Veto einlegen würde. Red-Bull-Teamchef Christian Horner erlöste die Formel 1 dann am Donnerstag: Der österreichische Konzern wird dem Fahrerlager erhalten bleiben. Helmut Marko bestätigt bei 'Sky': "Beide Red-Bull-Teams werden nächstes Jahr dabei sein. Ich kann noch nicht sagen, in welcher Motorenpartnerschaft, weil noch Details zu finalisieren sind."

Es gibt nun zwei Optionen: Red Bull begnügt sich entweder für ein Jahr mit Ferrari-Vorjahresmaterial oder schlägt sich eine weitere Saison mit Renault-Triebwerken durch. Gerüchten im Fahrerlager zufolge ist Letzteres die derzeit bevorzugte Option - in Kombination mit den von Renault ursprünglich verworfenen Upgrades von Ilmor. "Es wäre die einfachste Lösung, denn man kennt die Einbaudaten des Renault-Motors", sagt Marc Surer auf 'Sky'. Für die Renault-Variante spricht außerdem, dass Red-Bull-Chefingenieur Paul Monaghan zusichert, dass sein Team keine Testfahrten für 2016 verpassen werde.

Marko ohne Sorgen um Alternativmotor

Wie auch immer die endgültige Lösung für Red Bull aussieht, Marko stimmt die Fans des einst dominanten Teams der Formel 1 auf ein drittes Jahr Flaute ein: "Wir sehen 2016 als Übergangsjahr an, um 2017 wieder mit dem unabhängigen Motor richtig dabei zu sein, der mit den Hybridtriebwerken gleichwertig sein wird." Die FIA hat diesbezüglich das Heft in die Hand genommen und bereits eine Ausschreibung auf den Weg gebracht.

Red Bull, Bernie Ecclestone und Jean Todt verbindet trotz aller Differenzen auf anderen Ebenen eine Interessenkohäsion: Todt und Red Bull wollen die Vormachtstellung der Hersteller brechen, Ecclestone die ungeliebten Hybrid-Motoren loswerden. Doch die Konzerne haben Machtinstrumente - unter anderem bildet ein Vetorecht Ferraris eine Hürde. Marko bleibt gelassen: "Wir haben die Zusicherung von Bernie Ecclestone, dass diese Motoren kommen werden. Vielleicht mit einer Mehrheit, sonst gibt es andere Wege, um es durchzusetzen."

Der Red-Bull-Motorsportberater rechnet vor: "Uns wurden bislang Motoren zwischen 30 und 35 Millionen Euro angeboten, der Preis für den neuen V6-Biturbo soll irgendwo zwischen sechs und acht Millionen pro Jahr liegen. Das sind nur die Einsparungen beim Basispreis. Man braucht weniger Kühler und Personal aufgrund der simpleren Technik. Die Ersparnis liegt im Bereich von 30 Millionen Euro." Pro Saison, wohlgemerkt. Eines zeichnet sich jetzt schon ab: Red Bulls Motoren-Odyssee wird sich bald auf eine andere Ebene verlagern - die politische.

Jetzt kommentieren
Jetzt bewerten

Zum Bewerten musst Du registriert und eingeloggt sein.

Weitere Formel 1-News

Mercedes vs. Ferrari: Sind die Roten bereits auf Augehöhe mit Mercedes?

Nach Lauda-Aussage: Fahrer gespalten über Ferrari-Motor

Mercedes-Team-Aufsichtsratschef Niki Lauda ließ vor dem Grand Prix von Brasilien aufhorchen: Ferrari sei nun auf Augenhöhe mit Mercedes was den Antrieb betrifft. Der Mercedes-Vorteil von 20 PS sei …

Im Wettlauf der Ingenieure sieht Lauda Ferrari gegenüber Mercedes im Kommen

Lauda: Ferrari-Motor ist genauso stark wie der von Mercedes

Der Mercedes-Aufsichtsratsvorsitzende Niki Lauda glaubt, dass nach der Saison 2015 die Zeiten vorbei sind, in denen die Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und Nico Rosberg der Konkurrenz einfach auf und davon …

Verheißungsvoller Auftakt: Ferrari ist in Mexiko eines von drei Spitzenteams

Immer vorn dabei: Sebastian Vettel sieht Ferrari gut …

Egal ob Vormittag oder Nachmittag, Qualifying-Simulation oder Longrun: Ferrari war am Freitag im Autodromo Hermanos Rodriguez in Mexiko-Stadt immer vorne mit dabei, obschon die Roten im beiden Zeitentableaus …

Bald Rivalen? Noch ist das Verhältnis zwischen Hamilton und Vettel intakt

Mercedes gegen Ferrari 2016: Vorfreude auf brisantes Duell

Die Formel-1-Saison 2015 gehört eindeutig Lewis Hamilton und Mercedes, doch der heimliche Gewinner heißt bereits jetzt Sebastian Vettel, der gemeinsam mit Ferrari alle Erwartungen übertreffen …

Späßchen mit dem Boss: Ob Vettel da gerade einen italienischen Witz erzählt?

Ferrari: Warum Italienisch für Sebastian Vettel wichtig ist

"Forza Ferrari" gehört zum allgemeingültigen Wortschatz eines jeden Tifoso. Sebastian Vettel beweist nicht nur am Teamradio nach einem Sieg, dass er dieses Italienisch-Grundlevel bereits bei weitem …

AUCH INTERESSANT
Walter Röhrl: Seine 7 besten Momente

AUTO-SPECIAL

Walter Röhrl: Seine 7 besten Momente

Walter Röhrl gehört zu den besten Rallye-Fahrern aller Zeiten und fuhr auch auf der Rundstrecke bedeutende Rennsiege ein. Jetzt wird es persönlich: Walter Röhrl kramt in seiner Fotokiste und …


Formel1.de

TOP ARTIKEL
Ford Mustang Bullitt 2018: Der erste Check und der Preis
Ford Mustang Bullitt 2018: Der erste Check und …
Seat Ibiza FR 2018: Was reißen drei Zylinder im Sport-Test?
Seat Ibiza FR 2018: Was reißen drei Zylinder im …
Louis Vuitton Ferrari gehört 15-jährigem
Louis Vuitton Ferrari gehört 15-jährigem
News-Abo
Jeden Morgen kostenlos per E-Mail:
Aktuelle Artikel
Lamborghini Aventador SVJ: Monster holt Nordschleifen-Rekord
Lamborghini Aventador SVJ: Monster holt …
Porsche 718 Cayman GTS Test: Lohnen sich die 11.000 Euro?
Porsche 718 Cayman GTS Test: Lohnen sich die …
Porsche Cayenne E-Hybrid Test: Was er wirklich verbraucht
Porsche Cayenne E-Hybrid Test: Was er wirklich …
Porsche 919 Hybrid Evo: Neuer Rekord auf der Nordschleife?
Porsche 919 Hybrid Evo: Neuer Rekord auf der …
VW T-Roc Cabrio 2020: VW legt sich mit Range Rover an
VW T-Roc Cabrio 2020: VW legt sich mit Range …


Speed Heads - Sportwagen- und Auto-Magazin

Das Auto und Sportwagen Magazin mit täglich aktualisierten Auto News, Motorsport News, Auto Tests, Sportwagen Berichten und der streng geheimen Auto Zukunft. Speed Heads ist die Community für echte Auto-Fans und informiert im Sportwagen Magazin über Neuigkeiten aus der Welt der schnellen Autos.

  • emotiondrive Logo
  • Torpedo Run Logo
  • Motorsport Total Logo
  • autoaid Logo