Brawn: Verstappen hat die gleiche Arroganz wie Schumacher

, 04.11.2016

Ross Brawn vergleicht das Auftreten Max Verstappens mit dem von Michael Schumacher in dessen Anfangszeit und findet solche Leute für den Sport fantastisch

Max Verstappen spaltet mit seiner Art die Formel 1. Die einen sehen in dem 19-Jährigen einen begnadet talentierten Racer, die anderen einen verzogenen Bengel, der die Konkurrenz mit seinem Verhalten auf der Strecke gefährdet. Doch egal auf welcher Seite man steht, Max Verstappen sorgt für Gesprächsstoff in der Formel 1. Aus diesem Grund gehört der Niederländer derzeit auch zu den Lieblingspiloten Bernie Ecclestones - ähnlich wie Lewis Hamilton, der die Königsklasse stark nach außen trägt.

"Max fährt Rennen, und genau das soll er auch tun", sagt der Formel-1-Boss gegenüber 'formula1.com'. "Die Fahrer in der Formel 1 sollen gegeneinander fahren", findet der Brite die Gangart des Red-Bull-Piloten nicht negativ. Außerdem gefällt Ecclestone dessen Auftreten außerhalb des Cockpits, denn Verstappen zeige, dass er der Beste sein möchte. "Und er hat die Qualitäten und das Talent, das auch zu schaffen", so der 86-Jährige.

Doch Verstappens Art kommt nicht überall gut an. Auf der Strecke hat er sich mit seinem Bremsmanövern schon viele Feinde unter den Kollegen gemacht, abseits der Piste eckt er ebenfalls gerne an. Häufiger wird der Niederländer daher mit Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher verglichen, der die etablierte Konkurrenz Anfang der 90er-Jahre ebenfalls mit frechem Auftreten und harten Bandagen im Auto aufrüttelte.

Etablierte Fahrer fühlen sich bedroht

Selbst Ross Brawn, der viele Jahre lang mit Schumacher zusammengearbeitet hat, erkennt die Parallelen in der Arroganz der beiden: "Er hat das gleiche Selbstvertrauen, das den Leuten manchmal auf den Wecker geht", meint der Brite im Interview mit der 'BBC'. Das zeige sich nicht nur beim Fahren, sondern auch in anderen Bereichen wie Meetings oder Pressekonferenzen.

Brawn kann nachvollziehen, dass sich die etablierten Piloten deswegen ein wenig ans Bein gepinkelt fühlen: "Es gibt die Erwartung von der alten Garde, dass man sie respektieren sollte, aber das tun sie nicht", sagt Brawn und meint das ganz positiv: "Es ist ein harter Wettbewerb, und die Jungen wollen sich so schnell wie möglich etablieren. Ich kann viele Vergleiche zwischen Max und Michael finden. Er hat ebenfalls viele Leute aufgeregt."

Das will der ehemalige Mercedes-Teamchef auch sportlich verstanden wissen, denn schon Schumacher sei auf einem so hohen Niveau in die Formel 1 gekommen, dass es die anderen Fahrer aufgeregt habe - ähnlich wie bei Verstappen. "Dann wird man auch gegenüber den etablierten Fahrern ein wenig kritischer", sagt Brawn und findet Neulinge wie den Niederländer und nun bald Lance Stroll (Williams) aufregend und gut.

Verstappen: Man misst mit zweierlei Maß

Nach fast zwei Saisons hat der 19-Jährige seine Fußspuren auf jeden Fall schon hinterlassen und die Königsklasse nachhaltig beeinflusst. Wegen ihm hat man eine Art "Anti-Verstappen-Regel" eingeführt, die Spurwechsel beim Anbremsen untersagt. Kurioserweise war es aber nicht der Red-Bull-Pilot, der als Erster unter der neuen Regel zu leiden hatte, sondern ausgerechnet Kampfpartner Sebastian Vettel im Duell mit Verstappens Teamkollege Daniel Ricciardo.

"Er hat wohl erwartet, dass ich ihm die Position überlasse, aber ich verteile keine Geschenke", meint er in einer Kolumne zur Schlussphase von Mexiko am vergangenen Sonntag und verteilt eine übliche Spitze in Richtung des Deutschen: "Es fühlt sich fair an, dass Sebastian am Ende für seine Aktion bestraft wurde. Seltsam ist nur, dass erst im Nachhinein darauf geschaut wurde, sodass Daniel nicht seine Zeit auf dem Podium genießen konnte."

Im gleichen Atemzug legt sich der 19-Jährige mit der FIA an und bemängelt zweierlei Maß bei den Strafen. Während er für Abkürzen in der ersten Kurve gegen Vettel fünf Sekunden Zeitstrafe bekam, bekam Lewis Hamilton (Mercedes) für das gleiche Vergehen am Start nichts. "Das ist lächerlich", ätzt er. "Lewis und ich haben beide unseren Bremspunkt verpasst - in der exakt gleichen Kurve. Wie auch er hatte ich keinen Vorteil. Dass ich bestraft wurde und Lewis nicht, zeigt, dass mit zweierlei Maß gemessen wird."

Ein Blatt nimmt Verstappen selten vor den Mund, wie auch schon sein Team öfters erfahren musste, als er sich etwa gegen Stallordern widersetzt hat. Und während sich einige am Verhalten des Niederländers reiben, findet Brawn den Youngster erfrischend: "Jemand wie Max ist für den Sport fantastisch."

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