"Die Gefahr besteht": Toto Wolff sorgt sich um Lewis Hamilton

, 12.10.2016

Verständnis für Lewis Hamilton, aber: Seine unnötige Auseinandersetzung mit den Medien könnte in der entscheidenden Phase der WM Energie kosten

Mercedes-Sportchef Toto Wolff ist besorgt, dass Lewis Hamilton in der entscheidenden Phase der Formel-1-WM 2016 nicht hundertprozentig auf das Wesentliche fokussiert sein könnte. Denn der Nebenkriegsschauplatz, den Hamilton am vergangenen Wochenende mit seiner Konfrontation mit den Medien aufgemacht hat, könnte sich unter Umständen negativ auswirken.

Bei 'RTL' wurde Wolff nach dem Rennen in Suzuka gefragt, ob er besorgt sei, dass Hamilton mit solchen Dingen Energie verschwenden könnte, die er eigentlich auf der Rennstrecke braucht. Ehrliche Antwort: "Die Gefahr besteht. Du kannst diese Dinge nicht einfach abhaken", gibt der Mercedes-Sportchef zu. "Nico", ergänzt er, "macht das ganz richtig. Er schiebt alles, was Ablenkung ist, zur Seite. Das funktioniert in diesem Jahr."

Niki Lauda hingegen widerspricht seinem Landsmann. Er glaubt nicht, dass die derzeit 33 Punkte Rückstand zumindest teilweise durch fehlenden Fokus erklärt werden können: "Wenn du bei der Pressekonferenz aufstehst, verschwendest du keine Energie. Er hat sich nur kurz geärgert. Das hat alles damit nichts zu tun", meint der Aufsichtsratsvorsitzende des Mercedes-Teams.

Wolff von Ausbruch in Suzuka überrascht

Wolff scheint da mehr Zweifel zu haben: "Ich habe in Malaysia einen Lewis gesehen, der einen Lauf hatte und das Wochenende dominiert hat. Dann haben wir ihn mit dem Motorschaden im Stich gelassen. Das Rennen hätte er locker nach Hause gebracht. In der Woche darauf war alles okay", berichtet er. "Dann die Pressekonferenz und diese Mediengeschichte. Ob ihn das beeinflusst? Ich glaube nicht. Das ist nicht seine Priorität."

"Ich würde es nicht darauf zurückführen, dass sein Start nicht gut war, denn sein Rennen danach, seine Aufholjagd, die war außergewöhnlich", so der Österreicher. Dass Hamilton die Marke Mercedes-Benz bei seinen kontroversen Auftritten schlecht repräsentiert habe, bewertet Wolff nicht allzu kritisch: "Lassen wir ihn doch auf der Strecke sprechen. Seine Leistungen im Auto rechtfertigen ein bisschen Kollateralschaden."

Coulthard zeigt Verständnis für Hamilton

Auch David Coulthard, als langjähriger Topfahrer in der Formel 1 und heutiger TV-Experte mit dem Medienbusiness bestens vertraut, zeigt Verständnis für Hamilton: "Als Lewis mit seinem Telefon gespielt hat, gab es keine Fragen an ihn. Es kann sehr unangenehm sein, mit fünf anderen Leuten dort oben zu sitzen und zu warten, bis man dran ist. Ich habe Verständnis für ihn und die anderen Fahrer", sagt er gegenüber 'Channel 4'.

Lauda betont zwar im Interview mit 'Sky', dass man "zu Journalisten höflich sein" und "sich anständig benehmen" muss; das sei eine "Mindestanforderung" an einen Mercedes-Fahrer. Gleichzeitig bringt er Verständnis dafür auf, dass Hamilton der Kragen platzt, "wenn sich die Medien über alles Mögliche wichtig machen. Er kann seine Meinung sagen, dass ihm irgendwas nicht passt." Und: "Wir werden mit ihm reden. Aber grundsätzlich stört mich das nicht so."

"Am meisten stört mich, dass immer wieder dieses Motorproblem von Malaysia hochkommt. Wenn ich Lewis gewesen wäre, oder Bradley Lord, unser Pressemann, hätte ich gesagt: 'Kinder, wir können über alles reden, aber der Motor ist schon vorbei. Wir sind schon wieder in Japan angekommen.' Dieses permanente Nachfragen von manchen Medien nervt einen Fahrer. Da muss ich ehrlich sagen, verstehe ich Lewis", sagt Lauda.

Lauda: "Der läuft nicht aus dem Ruder"

Angst, dass Hamilton ausgerechnet in der entscheidenden Phase des WM-Kampfs die Fassung verlieren könnte, hat er nicht: "Der läuft nicht aus dem Ruder. Wir werden mit ihm reden, dass er höflich vorzugehen hat, besonders wenn wir die Pressekonferenz einberufen. Dann soll er ein bisschen länger dort sitzen bleiben", meint Lauda. Seiner Meinung nach hätte Hamilton besser sagen sollen: "Pass auf, lassen wir die Späßchen weg, reden wir über die Fakten."

WM-Rivale Nico Rosberg glaubt indes nicht daran, dass er durch Hamiltons Konfrontation mit den Medien einen unerwarteten Vorteil erlangen könnte: "Ich sehe, was backstage passiert. Hinter den Kulissen ist er so fokussiert wie eh und je", verrät er. "Nach Malaysia hat er so viele Stunden gearbeitet wie seit Monaten nicht mehr, um ein bisschen Extra-Rundenzeit zu finden. Ich nehme ihn extrem motiviert wahr. Der wird nicht nachlassen, sondern alles geben."

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