Ende der Durststrecke: Ricciardo jubelt über lange fälligen Sieg

, 02.10.2016

Daniel Ricciardo hat in Malaysia seinen aus seiner Sicht lange fälligen Sieg geholt: Erst großer Kampf gegen Max Verstappen, dann Glück durch Hamiltons Ausfall

Daniel Ricciardo hatte es nach der knappen Niederlage von Singapur schon angekündigt: Er werde diese Saison noch ein Rennen gewinnen. Dass es schon beim nächsten Rennen in Malaysia klappt, damit hätte man bei Red Bull aber nicht gerechnet. Doch der Australier konnte vom Motorschaden Lewis Hamiltons profitieren und die beliebte Shoey-Tradition auf dem Podium zelebrieren, die er sich für den nächsten Sieg aufsparen wollte.

"Vor zwei Wochen habe ich gesagt, dass wir in diesem Jahr noch ein Rennen gewinnen werden. Jetzt ist es soweit", strahlt Ricciardo nach seinem vierten Karrieresieg noch etwas ungläubig. "Es war ziemlich emotional, weil der letzte Sieg zwei Jahre her ist." Für Ricciardo ist der Erfolg von Malaysia in gewisser Weise eine Wiedergutmachung für die Rennen in Spanien und Monaco, bei denen er unverschuldet um zwei mögliche Siege gebracht wurde.

"Heute hatte er Glück. Aber er verdient das absolut. Dieser Sieg hatte sich lange angekündigt", freut sich Teamchef Christian Horner mit seinem Schützling und ist begeistert über den ersten Doppelerfolg in der Hybridära, denn Max Verstappen rundete das Ergebnis mit Rang zwei ab. "Beide haben sich hart bekämpft, aber wir hatten durch Lewis' Pech auch Glück. Wir mussten das aber auch ausnutzen, und das ist uns gelungen", sagt Horner.

Hat Red Bull Hamilton zum Pech "gezwungen"?

Denn Red Bulls Glück war der Motorschaden von Hamilton. Der Brite war am gesamten Wochenende in Sepang eigentlich nicht zu bezwingen, doch 15 Runden vor Schluss strich sein Mercedes-Aggregat die Segel. "Nichts für ungut, Lewis, aber den Sieg nehme ich mit", strahlt Ricciardo und spielt damit auf das Monaco-Rennen an, als Hamilton vom Boxenstopp-Pech des Australiers profitierte. "Im Motorsport scheinen sich Dinge über einen gewissen Zeitraum auszugleichen", so Horner.

Motorsport-Berater Helmut Marko sieht bei 'Sky' allerdings auch, dass es möglicherweise nicht zu 100 Prozent bloß Glück für Red Bull war: "Wir wollten Mercedes unter Druck setzen. Hamilton musste wahnsinnig schnelle Runden fahren, um noch einen Zusatzstopp herausholen zu können. Vielleicht hat das mit dazu beigetragen, dass er den Motorschaden gehabt hat", so der Österreicher. Doch so oder so: "Es war von beiden Fahrern eine unglaubliche sportliche Leistung", lobt er.

Denn der Kampf um den Sieg war zwischenzeitlich auf Messers Schneide. Auch Max Verstappen hätte das Rennen gewinnen können, wenn er beim harten Duell mit Ricciardo in Runde 39 vorbeigekommen wäre. Doch der Australier wehrte sich nach Kräften und konnte den 19-Jährigen hinter sich halten. "Das hat es entschieden", weiß er im Nachhinein. Damals wusste er es noch nicht. "Ich dachte, ich muss es vermutlich noch 18 Mal machen", lacht er.

Freie Fahrt bei Knallerduell

Doch das Virtuelle Safety-Car nach dem Aus von Hamilton spielte ihm in die Karten. Beide Fahrer wurden noch einmal an die Box geholt und mit Softs rausgeschickt - Ricciardo auf neuen, Verstappen auf gebrauchten. "Mit dem Virtuellen Safety-Car hatten wir einen kostenlosen Boxenstopp, wo sie auf ähnliche Reifen gegangen sind", erklärt Horner. "Vorher hatte Max einen Vorteil von acht Runden. Wir hatten Sorge, dass beide es nicht bis zum Ende schaffen würden, und haben den freien Stopp genutzt und sie auf den gleichen Reifen rausgeschickt."

Eine Stallorder à la Multi 21, wie zwischen Sebastian Vettel und Mark Webber vor einigen Jahren an gleicher Stelle, gab es vom Kommandostand nicht. "Wir haben gesagt, dass sie frei fahren sollen", betont Helmut Marko. Man habe den Piloten lediglich mitgeteilt, dass sie sauber fahren und die Punkte mit nach Hause bringen sollen. "Es war cool, dass sie gesagt haben, dass wir frei fahren dürfen", findet Ricciardo und ist sich sicher, dass beide Fahrer nun viel Respekt beim Team gewonnen haben.

Denn das entscheidende Duell wurde hart aber fair geführt: "Es war ziemlich eng, aber wir haben uns gegenseitig Platz gelassen. So ist es in Ordnung. Der neue Asphalt scheint kaum Abrieb hinterlassen zu haben, von daher konnte man oft zu zweit in Kurven fahren. Das war großartig", erzählt Ricciardo, und auch Verstappen hatte seine Freude: "Daniel und ich respektieren uns, von daher hatten wir Spaß", meint der Niederländer.

Verstappen hat den Sieg vor Augen

Zwar ärgert ihn ein wenig, dass er den Sieg dadurch verpasst hat, "aber so ist Rennsport. Das kann passieren", sagt er. "Ich hatte Angst, dass wir uns berühren, aber ich wollte nicht ohne einen Kampf untergehen", gibt Ricciardo noch zu, doch nach dem Boxenstopp hatte er ein wenig Ruhe. Denn auf gleichen Reifen konnte Verstappen nicht mehr dran bleiben, ohne sich die Reifen zu ruinieren. "Ich wusste, dass es hart wird, aber so ist Racing. Manchmal hat man Glück, manchmal nicht", so Verstappen.

"Max hat alles gegeben", bekommt aber auch der Niederländer Lob von Teamchef Horner. "Es sah so aus, als würde die Strategie ihm in die Hände spielen. Wir sind beim frühen Virtuellen Safety-Car (für Grosjean; Anm. d. Red.) ein Risiko eingegangen und haben ihn reingeholt. Er war damit der erste der Spitzenleute auf einer anderen Strategie." Fast wäre es sich für ihn ausgegangen, doch für Red Bull ist der Doppelerfolg auch so das perfekte Ergebnis.

Mit 43 Zählern hat man Ferrari im Kampf um Rang zwei deutlich auf Distanz gehalten und mit Ricciardo einen überglücklichen Fahrer in den Reihen. Der Schampus-Shoey soll allerdings nicht die Runde machen, wenn es heute ans Feiern geht. "Ich freue mich auf ein paar schöne kleine Whiskeys", lacht Ricciardo, der heute schon den Flug nach Japan nimmt.

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