Formel 1 Barcelona 2015: Nico Rosberg schlägt mit Pole zurück

, 09.05.2015

Mercedes bleibt auch in Europa das Maß aller Dinge: Nico Rosberg schlägt Lewis Hamilton und holt seine erste Pole - Ferrari-Updates helfen nur Sebastian Vettel

Er kann es also doch noch: Mit der schwangeren Ehefrau Vivian und Daimler-Konzernchef Dieter Zetsche als Glücksbringer an der Box sicherte sich Nico Rosberg beim Grand Prix von Spanien in Barcelona Formel 1 live im Ticker die Pole-Position. Es ist die erste für den Mercedes-Piloten in der Formel-1-Saison 2015 - und eine psychologisch besonders wichtige. "Ich bin froh, dass seine Demütigung jetzt vorbei ist", sagt Mercedes-Boss Niki Lauda. Und sein Kollege Toto Wolff gratuliert: "Nico hat heute mentale Stärke gezeigt."

Rosberg knüpfte damit nahtlos an seine starken Trainingsleistungen an, sodass selbst Seriensieger Lewis Hamilton neidlos anerkennen muss: "Ich war heute nicht schnell genug, Nico hat großartige Arbeit geleistet." Am Ende lagen 0,267 Sekunden zwischen den beiden Mercedes-Piloten, die sich im zweiten Q3-Run nicht mehr steigern konnten, sodass bereits die erste schnelle Runde zählte. Nur im (für die Startaufstellung bedeutungslosen) Q1 war Hamilton schneller.

"Freut mich total, ein guter Tag im Büro! Es ist alles aufgegangen", jubelt Rosberg, der eine Pole-Zeit von 1:24.681 Minuten hinlegte. Und er verweist auf die Statistik, dass in 24 Grands Prix in Barcelona 18 Mal der Polesetter gewonnen hat, der Sieger 22 Mal in der ersten Reihe stand: "Hier ist die Pole umso wichtiger, weil es im Rennen sehr schwierig ist, jemanden zu überholen. Ich werde versuchen, diesen Vorteil zu nutzen." Aber Hamilton kontert: "Morgen ist noch alles drin."

Mercedes hat mit dem an gut 30 Stellen aktualisierten F1 W06 Hybrid den Auftakt in die europäische Saison perfekt gemeistert und den Verfolgern keine Chance gelassen, den Abstand zu verringern. Nur ein einziger Gegner hatte weniger als eine Sekunde Rückstand, nämlich Sebastian Vettel (+0,777) im Update-Ferrari. Kimi Räikkönen (7.) kommt mit den Neuerungen noch nicht zurecht, fuhr mit der alten Version - und war damit um eine Sekunde langsamer.

"Wir haben die Bestätigung, dass das neue Paket an Sebastians Auto gut funktioniert hat", wertet Teamchef Maurizio Arrivabene das heutige Qualifying als Teilerfolg. Aber Vettel weiß, dass Platz drei momentan das Höchste der Gefühle ist: "Ich bin sehr zufrieden, mehr war heute nicht drin. Die Mercedes fühlen sich ein bisschen wohler. Vielleicht kommen wir morgen ein bisschen näher ran, aber ich bin sicher, dass sie stark sein werden."

Räikkönen belegte im Q2 den dritten Platz, 0,151 Sekunden vor Vettel, konnte aber im Top-10-Finale nicht mehr mithalten - und hat für das Rennen auch einen frischen Medium-Reifensatz weniger als die Top 3. "Ich rutsche nur herum und weiß nicht wieso. Das zweite Qualifying war okay, aber es fehlte der Grip", so der gar nicht so coole "Iceman", dessen Boxenfunk an diesem Wochenende oftmals genervt und schnippisch rüberkam.

Schnellster Finne war diesmal Valtteri Bottas (4./+1,013), dem es gelang, alles aus dem Williams rauszuholen - und das Stallduell gegen Felipe Massa (9.) um eine Sekunde zu gewinnen. Die Sensation war aber Toro Rosso: Lokalmatador Carlos Sainz Fünfter, Max Verstappen Sechster, nur eineinhalb Sekunden Rückstand auf Mercedes! "Ich habe erst in der Auslaufrunde realisiert, dass ich zu Hause fahre und Fünfter bin", jubelt Sainz. "Ein tolles Gefühl!"

Daniil Kwjat (8./+1,948) setzte sich zum ersten Mal teamintern gegen Daniel Ricciardo (10./+2,089) durch; in beiden Red Bulls steckt aber schon der vierte Motor der Saison - was bedeutet, dass beim nächsten Wechsel eine Grid-Strafe droht. Nicht in die Top 10 kamen hingegen Romain Grosjean (11.), Pastor Maldonado (12./beide Lotus) und Lokalmatador Fernando Alonso (13.), im McLaren-Stallduell immerhin um 0,094 Sekunden schneller als Jenson Button (14.).

Nicht ganz an die starken Leistungen in Übersee konnte das Sauber-Team anknüpfen: Marcus Ericsson (16.) scheiterte schon in Q1, Felipe Nasr (15.) wurde in Q2 Letzter. Schlechter waren nur Force India und Manor-Marussia. Nico Hülkenberg (17.) seufzt: "Wir sind schlicht und einfach zu langsam. Uns fehlt der Abtrieb, und dann ist Barcelona wirklich eine Killer-Strecke, denn hier braucht man eine gute Balance und Abtrieb. Beides haben wir leider momentan nicht."

Mercedes startet damit als klarer Favorit in das fünfte Rennen der Formel-1-Saison 2015. Nach den Ferrari-Updates eine kleine Erleichterung: "Die Frage war, wie Ferrari nach der Update-Orgie herankommt", sagt Niki Lauda. "Aus Mercedes-Sicht kann ich sagen: Da ist nichts passiert. Zum Glück! Der Abstand ist gleich geblieben oder sogar größer geworden." Und das noch dazu auf der aerodynamischen Referenzstrecke Barcelona...

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