Formel 1 in Melbourne 2015: Mercedes vor Ferrari

, 13.03.2015

Nico Rosberg sichert sich die erste Freitagsbestzeit 2015 vor Lewis Hamilton - Sebastian Vettel im Ferrari erster Verfolger beim Grand Prix von Australien

Der Auftakt zur Formel-1-Saison 2015 ist geschlagen - und die ganz großen Überraschungen hat es im Albert Park von Melbourne nicht gegeben. Denn auch im zweiten Freien Training zum Grand Prix von Australien sicherte sich Nico Rosberg (Mercedes) die Bestzeit (1:27.697 Minuten), diesmal 0,100 Sekunden vor seinem Teamkollegen Lewis Hamilton. Die Silberpfeile bestätigten damit in der zweiten Session nach den Wintertests ihren Anspruch auf eine erfolgreiche Titelverteidigung.

Obwohl Rosbergs Start nicht ganz reibungslos war (DRS funktionierte nicht), lieferte Mercedes unterm Strich mit beiden Autos eine überzeugende Vorstellung ab. Die erste Einschätzung von Formel-1-Experte Marc Surer: "Ich sehe keine Schwäche an diesem Auto. Sie können fahren, so viel sie wollen. Das Auto ist schnell mit harten und weichen Reifen, mit viel und wenig Benzin. Die Konkurrenz hat noch einen weiten Weg vor sich."

Aber immerhin sei der Vorsprung "mit vollen Tanks dann nicht mehr so krass", analysiert Surer und sagt: "Das lässt hoffen, dass es zumindest im Rennen ein bisschen Konkurrenz gibt." Zum Beispiel durch Ferrari, denn Sebastian Vettel (+0,715) und Kimi Räikkönen (+1,145) sicherten sich heute die Positionen drei und vier. Räikkönen hätte womöglich schneller fahren können, klagte aber über Kupplungsprobleme - und unterstellte seiner Crew einen möglichen Einbaufehler.

Das Zwischenfazit seines Renningenieurs am Boxenfunk klang zufriedenstellend: "Kimi, du bist ähnlich schnell unterwegs wie Valtteri Bottas. Manchmal etwas schneller, manchmal etwas langsamer." Räikkönens finnischer Landsmann wurde mit 1,568 Sekunden Rückstand Fünfter, war aber Williams-Alleinkämpfer. Denn bei Felipe Massa musste nach einem Wasserleck der Motor ausgebaut werden, weshalb er erst morgen wieder fahren kann.

Technische Probleme gab es auch bei Lokalmatador Daniel Ricciardo (Red Bull), der ebenfalls wegen eines Motorwechsels nicht fahren konnte. Manor-Marussia bekam die Autos weiterhin nicht fertig für einen Einsatz, dafür durften am Nachmittag aber beide regulären Sauber-Fahrer auf die Strecke gehen. Felipe Nasr (11.) absolvierte stattliche 33 Runden, Marcus Ericsson (17.) wurde von einer gebrochenen Radaufhängung hinten links gebremst.

Den einzigen Crash des Tages lieferte Kevin Magnussen ab, als er den McLaren in Kurve 6 in die Leitplanken setzte. "Mein Fehler", gab der Alonso-Ersatzmann via Twitter zu. Magnussen wurde am Ende 18. (11 Runden), Jenson Button 15. (27 Runden) - und Honda hat weiterhin jede Menge Arbeit. Denn die Japaner waren froh, dass das McLaren-Duo am Nachmittag überhaupt fahren konnte, nachdem am Vormittag ein technisches Problem aufgetreten war.

Button musste ein paar Minuten vor Ende der Session mit "starkem Leistungsverlust", wie er am Boxenfunk meldete, zum Team zurückkommen. Bei Max Verstappen (Toro Rosso) streikte im Finish die Batterie, trotzdem darf sich das B-Team von Red Bull mit den Positionen sieben (Carlos Sainz) und 13 zufrieden zeigen. Denn hinter Mercedes, Ferrari und Williams schien man damit zumindest heute auf Augenhöhe mit dem "großen Bruder" Red Bull zu sein.

Auch Lotus schaffte - trotz mehrerer Dreher - mit beiden Autos den Sprung in die Top 10, was wohl auf die neuen Mercedes-Motoren zurückzuführen ist. Die hat auch Nico Hülkenberg, aber Force India hat noch zu kämpfen. "So schlimm war es noch nie", klagte der Deutsche über Vibrationen von der Lenkung. Dass er am Ende als Zehnter mit stark verbesserter Balance noch bis auf 2,776 Sekunden an Rosberg herankam, ist eine kleine Überraschung.

Fazit: Mercedes hat von der 2014er-Stärke offenbar nichts eingebüßt. "Es ist unglaublich, zum zweiten Mal in Folge mit so einem starken Auto hier in Australien aufzutauchen", freut sich Titelverteidiger Hamilton. Rosberg sagt: "Ob Erster oder Zweiter macht keinen großen Unterschied, denn es ist so eng zwischen uns. Aber für das Team war es ein guter Tag." Aber Experte Surer warnt: "Ferrari ist deutlich stärker geworden."

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