Formel-1-Qualifying 2016: Der neue Modus unter der Lupe

, 24.02.2016

Die Formel-1-Kommission hat am Dienstag einstimmig ein neues Qualifyingformat beschlossen - Der neue Modus soll vor allem den Zuschauern mehr bieten

Der Automobil-Weltverband (FIA) hat am Mittwoch offiziell bestätigt, dass die Formel-1-Kommission einstimmig den neuen Qualifyingmodus beschlossen hat, der von 'Motorsport-Total.com' bereits am Dienstagabend skizziert wurde. Zwar muss die Idee am 4. März noch vom FIA World Motor Sport Council (WMSC) in Genf abgesegnet werden, dabei handelt es sich allerdings nur noch um eine Formalität. Somit wird der neue Modus wohl bereits beim Saisonauftakt 2016 zum Einsatz kommen.

"Die Idee dahinter ist, dass es so sein wird wie ein Qualifying im Nassen", erklärt Formel-1-Boss Bernie Ecclestone gegenüber 'Reuters' und ergänzt: "Vielleicht werden ein oder zwei der Favoriten eliminiert werden. So werden wir vorne nicht immer die üblichen Verdächtigen sehen." Von diesem Schritt verspricht sich Ecclestone auch spannendere Rennen und ein "anderes Racing".

Der 85-Jährige brachte persönlich übrigens auch noch eine andere Idee ein. "Meine Idee war es, dass wir das Qualifying selbst unberührt lassen", verrät Ecclestone, der die Startaufstellung anschließend allerdings dadurch beeinflusst hätte, dass er den Piloten, abhängig von ihrem Ergebnis im vorherigen Rennen, gewissen "Strafen" aufgedrückt hätte. Denkbar wäre beispielsweise eine gewisse "Strafzeit" gewesen, die zur Qualifyingzeit addiert worden wäre.

Lauda mit neuem Modus zufrieden

Auch das nun eingeführte System könnte allerdings für Abwechselung an der Spitze sorgen. So gingen in der Saison 2015 von den insgesamt 19 Pole-Positions ganze 18 an Mercedes . Der neue Modus wird es den Silberpfeilen definitiv schwer machen, diese Quote zu halten. Trotzdem äußert sich auch Niki Lauda, Aufsichtsratsvorsitzender des Mercedes-Formel-1-Teams, positiv über die Änderung.

"Das ist ein guter Schritt, weil die Fans mehr Autos auf der Bahn sehen werden", sagt der Österreicher gegenüber 'Speedweek.de' und erklärt: "Die meisten Fahrer werden gezwungen, sich auf der Rennstrecke zu zeigen, das fanden wir alle gut, der Vorschlag wurde schnell angenommen." Zuletzt war es teilweise so, dass einige Piloten in Q1 und Q2 nur einen Versuch ganz am Ende der Session setzten.

Diese "Wartespielchen" sind durch den neuen Modus nicht mehr möglich. "Wir müssen an den Zuschauer denken, und es ist allen gedient, wenn sich mehr Renner auf der Bahn zeigen", erklärt Lauda und ergänzt: "Das wertet das Training auf. Am schlimmsten fand ich immer, wenn ein Training läuft, die Zuschauer sitzen auf den Tribünen oder zuhause vor dem Fernseher, und niemand fährt raus."

"Oder wenn die schnellsten Fahrer rasch eine gute Runde fahren und dann in der Box verschwinden. Nun haben wir eine sinnvolle Änderung im Quali-Prozedere, die bewirken wird, dass es sich die meisten nicht leisten können, in der Box zu bleiben, weil sie sonst Gefahr laufen auszuscheiden. Das neue Format ist leicht umzusetzen und eine gute Sache", so der 67-Jährige.

Boullier noch nicht überzeugt

McLaren-Rennleiter Eric Boullier erklärt derweil gegenüber 'Autosport': "Ich denke nicht, dass das neue Qualifyingformat eine besonders große Chance bietet. Es wird lediglich für etwas mehr Unberechenbarkeit sorgen. Wenn ein Fahrer einen Fehler macht, dann muss er dafür gleich bezahlen, denn wenn du nicht zum richtigen Moment eine Rundenzeit setzt, dann kannst du rausfliegen."

"Auf dem Fahrer wird mehr Druck lasten, aber auch die Teams haben mehr Druck", sagt der Franzose und erklärt: "Wenn an deinem Auto die Reifen abbauen, dann bist du vielleicht nach sieben Minuten der Schnellste, aber am Ende der Session bist du vielleicht nur Dritter und verpasst die Pole. Wie gesagt: Es wird Überraschungen geben, aber letztendlich werden das beste Auto und der beste Fahrer vorne stehen."

"Aber es wird vielleicht Situationen geben, in denen Mercedes die Pole verpasst, was dann gut für die Show ist", so Boullier. Bis zum Saisonauftakt am 20. März in Melbourne wird an dem nun beschlossenen System nur noch Feintuning betrieben werden. Wir haben die von der FIA am Mittwoch offiziell bekanntgegeben Eckdaten in der Übersicht:

So läuft ein Formel-1-Qualifying in der Saison 2016 ab

Q1:

- Dauer: 16 Minuten*

- nach 7 Minuten wird der langsamste Fahrer eliminiert

- anschließend scheidet bis zum Ende der Session alle 1:30 Minuten ein weiterer Fahrer aus

- insgesamt 7 Fahrer scheiden aus, 15 ziehen in Q2 ein

Q2:

- Dauer: 15 Minuten*

- nach 6 Minuten wird der langsamste Fahrer eliminiert

- anschließend scheidet bis zum Ende der Session alle 1:30 Minuten ein weiterer Fahrer aus

- insgesamt 7 Fahrer scheiden aus, 8 ziehen in Q2 ein

Q3:

- Dauer: 14 Minuten*

- nach 5 Minuten wird der langsamste Fahrer eliminiert

- anschließend scheidet bis zum Ende der Session alle 1:30 Minuten ein weiterer Fahrer aus

- in den letzten 1:30 Minuten des Qualifying sind noch 2 Piloten übrig

* Bei der letzten Eliminierung in jedem Qualifyingabschnitt dürfen angefahrene Runden zu Ende gefahren werden, sofern die Start-/Ziellinie vor Ablauf der Zeit überquert wurde.

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