Formel-1-Test Barcelona: Nico Hülkenberg fährt an die Spitze

, 24.02.2016

Bestzeit für Force-India-Pilot Nico Hülkenberg am dritten Testtag in Barcelona - Arbeitsteilung bei Mercedes - Defektes Benzinsystem legt Ferrari lahm

Nicht die Favoriten von Mercedes oder Ferrari, sondern Force-India-Pilot Nico Hülkenberg fuhr am dritten Tag der Foreml-1-Tests 2016 auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya die schnellste Zeit. Der Deutsche bestimmte am Mittwoch schon früh das Tempo, steigerte sich im Laufe des Tages immer weiter und markierte auf superweichen Reifen in 1:23.110 Minuten die Bestzeit.

Damit war Hülkenberg satte 2,764 Sekunden schneller als der Überraschungszweite Romain Grosjean (Haas) und verpasste die bisher schnellste Runde der Woche von Sebastian Vettel (Ferrari) nur um exakt 0,3 Sekunden. Hülkenberg, der mit 99 Runden die Schallmauer von 100 nur knapp verpasste, war am Mittwoch der einzige Pilot, der gezielt auf Zeitenjagd ging. Zufrieden dürfte den Deutschen aber stimmen, dass er bei seinem ersten Einsatz im Jahr 2016 auf Anhieb schneller war als Teamkollege Sergio Perez am Dienstag. "Ein guter Tag. Wir haben heute viel gelernt, es war 2016 mein erster Tag im Auto. Es lief alles gut und standfest. Darauf lässt sich aufbauen", sagt Hülkenberg.

Mit der zweitschnellsten Zeit setzte Grosjean das erste Ausrufezeichen für das neue Haas-Team. Die auf weichen Reifen kurz vor Testende herausgefahrene Zeit war ein versöhnlicher Abschluss eines Tages, der nicht ganz glatt verlaufen war. Nachdem Grosjean am Vormittag 67 Runden gefahren war, hielt ihn am Nachmittag ein Elektrikdefekt lange in der Box. Erst gut eineinhalb Stunden vor Testende nahm der Franzose das Fahrprogramm wieder auf und fuhr bis zum Testende insgesamt 82 Runden.

McLaren weiter in Not

Nachdem Vettel an den ersten beiden Tagen jeweils die Bestzeit gefahren war und nur von kleineren Problemen heimgesucht wurde, traten pünktlich zum Testauftakt von Teamkollege Kimi Räikkönen (3./+2,867 Sekunden) bei Ferrari die ersten gröberen Schwierigkeiten auf. Ein Problem am Benzinsystem das SF16-H sorgte dafür, dass der Finne erst kurz vor der Mittagspause auf die Strecke gehen konnte. Am Nachmittag drehte Räikkönen dann aber auf und spulte das Testprogramm ohne weitere Zwischenfälle ab.

Mit Rauchzeichen machte am dritten Testtag der McLaren MP4-31 von Jenson Button (11./+3,809) auf sich aufmerksam. Über Nacht war das Auto mit einer neuen Antriebseinheit von Honda ausgestattet worden, doch die hielt nicht lange. Ausgelaufene Hydraulikflüssigkeit entzündete sich am Nachmittag bei der Fahrt aus der Box, konnte von den Streckenposten aber rasch gelöscht werden. Damit war der Testtag für McLaren nach nur 51 Runden beendet, da der neue Honda-Antrieb ausgebaut werden musste.

Am Vormittag hatte das Team unter anderem einen neuen Monkey-Seat über dem Auspuffendrohr getestet und Aerodynamik-Messungen durchgeführt. Doch schneller machte das den MP4-31 am dritten Testtag nicht. Auch die Rundenanzahl war wieder einmal unterdurchschnittlich, ein Aufwärtstrend zeichnet sich bei McLaren nicht ab.

Renault kommt in Schwung

Dieser war jedoch bei Renault zu verzeichnen. Nachdem Jolyon Palmer aufgrund von Technikproblemen an den ersten beiden Tagen insgesamt nur 69 Runden gefahren war, kam Kevin Magnussen (4./+2,904) bei seinem ersten Einsatz für das französische Werksteam auf 111 Runden. Erst erst eine Stunde vor Testende tauchte das erste Problem am R.S.16 auf. Magnussen rollte am Ende der Boxengasse aus, was für die dritte Rote Flagge des Tages sorgte. Als der Däne kurz vor 18 Uhr noch einmal auf die Strecke gehen wollte, streikte sein Auto erneut.

Bei den Weltmeistern von Mercedes wurde heute Arbeitsteilung betrieben. Am Vormittag saß entgegen der ursprünglichen Planung zunächst Nico Rosberg (5./+2,974) im W07, ehe am Nachmittag Lewis Hamilton (8./+3,331) übernahm. Am Donnerstag soll genau so verfahren werden. Zunächst hatte das Team diese Planänderung mit muskulären Problemen bei Hamilton begründet, doch am Nachmittag verriet Rosberg, dass die Arbeitsteilung sein Vorschlag gewesen sei, da man sich so besser auf bestimmte Dinge konzentrieren könne.

Wie schon an den ersten beiden Tagen glänzte der W07 auch am Mittwoch als Dauerläufer. Mit 162 Runden fuhren Rosberg und Hamilton zusammen erneut mehr als alle anderen Teams. Am Vormittag führte Mercedes zunächst Messungen der Aerodynamik durch, wozu das Auto mit Staudrucksensoren und die futuristischen neuen Bargeboards mit Flow-Viz-Farbe versehen wurden. Auf die angekündigte neue Nase wurde aber auch heute verzichtet.

Schwieriges Debüt für Rio Haryanto

Anschließend standen zunächst bei Rosberg und dann bei Hamilton Longruns mit unterschiedlichen Reifenmischungen auf dem Programm. Auf Medium-Reifen zeigte Rosberg dabei am Vormittag beeindruckende Konstanz. Über 13 Runden brachen die Rundenzeiten nicht ein und bewegten sich in einem Fenster von nur 0,8 Sekunden.

Toro-Rosso-Pilot Carlos Sainz (6./+3,129) hatte am Vormittag für die erste rote Flagge gesorgt. Um 9:24 Uhr rollte der Spanier mit einem losen Rad am Ende der Boxenausfahrt aus. Offenbar war beim Boxenstopptraining, das Toro Rosso zu Beginn des Testtages absolviert hatte, irgendetwas schiefgelaufen. Anschließend rannte der Toro Rosso aber wie ein Uhrwerk, mit 161 Runden war Sainz am Mittwoch der fleißigste Pilot.

Die zweite Unterbrechung des Testtages löste um 12:40 Uhr Debütant Rio Haryanto (12./Manor/+5,139) aus. In Kurve fünf hatte sich der Indonesier an seinem ersten Arbeitstag als Stammfahrer in der Formel 1 ins Kiesbett gedreht. Nicht nur wegen dieses Drehers hinterließ Haryanto einen deutlich schwächeren Eindruck als sein Teamkollege Pascal Wehrlein, der an den vergangenen beiden Tagen nicht nur fehlerlos, sondern auch gut vier Sekunden schneller gefahren war.

Technische Probleme bescherten bei Williams Felippe Massa (10./+3,602) einen vorzeitigen Feierabend. Nach 109 Runden musste er seinen FW38 wegen eines Öl-Lecks in der Box abstellen. Bis dahin war der Brasilianer unauffällig Longruns gefahren. Auch Daniil Kwjat (9./Red Bull/+3,387) sowie Felipe Nasr (7./+3,282) spulten ihr Testprogramm mit Aerodynamik-Messungen und Longruns ohne große Auffälligkeiten ab.

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