Formel-1-Test in Barcelona 2016: Pannentag in Spanien

, 01.03.2016

Auftakt zur letzten Formel-1-Wintertestwoche 2016: Nico Rosberg fährt Bestzeit und rollt mit dem Mercedes aus, Kimi Räikkönen bleibt mit dem Ferrari stehen

Die Formel 1 ist in die letzten vier Testtage vor dem Beginn der Saison 2016 gestartet. Bei konstant guten Bedingungen am Dienstag auf dem Circuit de Catalunya vor dem Toren Barcelonas waren erstmals alle Teams mit ihren neuen Fahrzeugen unterwegs. Sauber brachte den neuen C35 endlich auf die Bahn, Toro Rosso war mit dem STR11 in der endgültigen Lackierung unterwegs. Ebenfalls neu: Mercedes rollte erstmals in diesem Winter aus.

Lewis Hamilton war im bisher so zuverlässigen W07 am Nachmittag kurz nach dem Verlassen der Box kurz stehen geblieben - Ursache unbekannt. Die Mechaniker konnten das Auto sofort per Hand zurückschieben, nach ganz kurzer Reparaturpause konnte sich der Brite wieder auf den Weg machen. Der amtierende Champion spulte im Rahmen einer Rennsimulation starke Runden ab, setzte sich mit seiner persönlichen Bestzeit von 1:25.051 Minuten nach insgesamt 90 Runden auf Rang sechs .

Am Vormittag hatte Teamkollege Nico Rosberg den Silberpfeil 82 Runden lang bewegt. In 1:23.022 Minuten gelang dem Deutschen die Bestzeit des Tages - und das auf den Soft-Reifen. Nach Aussage von Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff wird Mercedes bis zum Saisonauftakt in Melbourne gar nicht mehr auf weichere Varianten der Pirellis setzen. Die Rangfolge zeigt deutlich: Der Mercedes ist auch auf härteren Mischungen schneller als die Autos der Konkurrenz. Rosberg war nach seinem Einsatz entsprechend zufrieden.

"Wir haben Sprit rausgenommen und sind richtig auf Attacke gegangen", schildert der Vizeweltmeister aus dem Lager der Silbernen. Die Fahrt im Quali-Trimm sei "cool" gewesen, so Rosberg. Ein Blick auf die Reifenwahl macht deutlich, wie schnell der Mercedes wirklich ist. Der Deutsche war auf den Soft-Reifen nur rund zwei Zehntelsekunden langsamer als die bisherige 2016er-Bestzeit von Sebastian Vettel (Ferrari) aus der Vorwoche.

Rosberg spielt Bestzeit herunter: Ferrari wirklich nahe dran?

Der Heppenheimer hatte bei seinem schnellsten Umlauf im neuen Ferrari SF16-H jedoch die Ultrasofts installiert, die rund 1,4 Sekunden schneller seien sollen als die Soft-Pneus. Vorteil Mercedes demnach: rund 1,2 Sekunden pro Barcelona-Runde! Und es kommt noch mehr. "Ich hatte zwei Versuche, und ich war mit beiden nicht zufrieden", sagt Rosberg. Klartext: Im neuen W07 steckt noch mehr, im Fahrer ebenso. Und Mercedes will im Verlauf dieser Woche noch weitere Neuentwicklungen an das Auto bringen.

Valtteri Bottas (2./1:23.229 Minuten/123 Runden) hatte im Williams die große Chance auf eine Tagesbestzeit, aber dem Finnen gelang es trotz der Ultrasoft-Gummis nicht, die Rosberg-Zeit zu knacken. Mercedes sei "unglaublich schnell", meint Bottas. Immerhin lief der neue FW38 stabil und zeigte auf Longruns ein solides Tempo. "Ich hoffe, dass wir mit Ferrari und Red Bull kämpfen können", so der Williams-Pilot, der mit wenig Benzin auf kurzer Bestzeit-Jagd war.

Schneller als der Williams sollte der Ferrari SF16-H sein, aber der zeigte am Dienstag erneut technische Gebrechen. Kimi Räikkönen (4./1:24.836/70) blieb kurz nach dem Mittag bei Kurve 1 stehen. Der Grund: Das Getriebe hing im achten Gang fest. Auf den etwas längeren Runs wurde deutlich, dass auch die Italiener das Tempo von Mercedes kaum mitgehen können. Während Hamilton einen 20-Runden-Stint konstant im Bereich von 1:27 Minuten fuhr, war Räikkönen durchschnittlich fast eine Sekunde langsamer.

Benzinzufuhr defekt: Haas hat den kürzesten Arbeitstag

Nahezu alle Teams fuhren am Dienstag aerodynamische Tests mit FloViz-Farbe an diversen Bauteilen. Ferrari hatte zudem eine gigantische Messeinheit am Heck verbaut. Die dort befestigten Sensoren sollten Aufschluss über die Luftströme hinter dem Heckflügel liefern. Mercedes probierte ein spezielles Tape am leicht veränderten Heckflügel. Dieses Spezial-Klebeband soll vermutlich ähnlich wirken wie ein Gurney-Flap - also eine Gummilippe an den oberen Abrisskanten.

Der Defektteufel machte am Dienstag vor kaum einem Team Halt. Daniil Kwjat (5./1:25.049/68) kam am Vormittag mit qualmendem Heck an die Red-Bull-Box. Am neuen RB12 war die Bremse hinten links überhitzt und musste mit einem Feuerlöscher gekühlt werden. "Wir hatten ein kleines Problem mit dem Bremsschacht. Es hat einige Zeit gedauert, bis wir das beheben konnten. Aber die Jungs haben einen guten Job gemacht, denn davon abgesehen gab es am ganzen Tag kein einziges Problem", so der Russe.

Fernando Alonso (3./1:24.735/91) stoppte mit dem McLaren-Honda, weil die Telemetrie verrückt spielte. Allerdings waren im Lager von McLaren-Honda einige Fortschritte zu erkennen. Nicht nur die solide Laufleistung des MP4-31 sollte den Briten Hoffnung verleihen, sondern auch die Tatsache, dass der McLaren auf längeren Versuchen ein konstant gutes Tempo gehen konnte. Auch in der Topspeed-Messung schnitt das Team am heutigen Dienstag besser ab als in der vergangenen Woche. "Jetzt werden wir etwas besser sehen, wer in der Hackordnung wo steht", meint Jenson Button, der das Auto am Mittwoch übernehmen wird.

Haas in Problemen, perfektes Debüt für den neuen Sauber C35t

Der Arbeitstag von Esteban Gutierrez (9./1:26.661) war besonders kurz. Der Mexikaner schaffte im Haas-Ferrari nur 23 Runden, dann packte das neue amerikanische Team wegen eines Schadens an der Benzinzufuhr vorzeitig zusammen. Am Manor von Rio Haryanto (12./1:27.625/44) gab es am Morgen ein Ölleck, das in langwieriger Arbeit geflickt werden musste. Der Formel-1-Rookie konnte deshalb erst sehr spät in den Testbetrieb einsteigen.

Kevin Magnussen (9./1:25.760/119) sorgte kurz vor dem Ende für Rot, weil sein Renault in Kurve 3 stehen blieb. Unauffällig spulten am ersten Tag der zweiten Testwoche Max Verstappen (7./1:25.176/143) im Toro Rosso und Nico Hülkenberg (8./1:25.336/121) am Steuer des Force India ihre Runden ab. "Es war ein guter Tag, wir sind durch ein umfangreiches Programm gekommen. Am Nachmittag konnten wir ein paar Longruns drehen. Das war für unser Verständnis der Reifen sehr hilfreich", sagt der Emmericher.

Der neue Sauber-Ferrari C35 erlebte in den Händen von Felipe Nasr ein reibungsloses Debüt. Der Brasilianer schaffte insgesamt 102 Runden und belegte in 1:25.493 Minuten den neunten Rang im Tagesklassement. Nasr probierte am Dienstag die Soft-Reifen aus, die Mischungen Supersoft und Ultrasoft werden die Schweizer erst in den kommenden Tagen testen. Am Mittwoch wird Marcus Ericsson seine ersten Runden im neuen Sauber drehen.

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