Gewagte Formel-1-Thesen 2016: Was die Experten sagen (1/2)

, 12.12.2016

Ist Verstappen besser als Ricciardo? Was steckt hinter Ron Dennis' Ausscheiden bei McLaren? Unser Expertenteam geht den Fragen der Saison 2016 auf den Grund...

Die Formel-1-Saison 2016 ist Geschichte, und was war das für ein Jahr! Erst das elektrisierende Duell um den Titel, dann die triumphale Krönung von Nico Rosberg zum Weltmeister - und nicht einmal eine Woche später sein völlig überraschender Rücktritt bei der FIA-Gala in Wien. Im Zuge dessen gab es zahlreiche Themen, teilweise abseits der Rennstrecke, die polarisiert und für heiße Diskussionen gesorgt haben. Genau diese Themen greifen wir in einem zweiteiligen Feature für unseren Jahresrückblick noch einmal auf.

Wir haben 20 Thesen aufgestellt, teilweise sehr provokant formuliert, und haben anerkannte Formel-1-Experten* damit konfrontiert. Diese hatten die Gelegenheit, die Thesen mit "Stimmt, weil..." oder "Stimmt nicht, weil..." zu kommentieren - und ihre Meinung kompakt zu begründen. Das Ergebnis ist hochinteressant, bringt teilweise spannende Gedankenansätze zutage und liefert unseren Usern sicher Stoff für weitere Diskussionen. Aber lesen Sie selbst!

Wichtiger Hinweis: Wer noch mehr über die nachstehenden Thesen erfahren will, dem sei die 19. Folge von "Ein Drink mit Eddie Irvine" nachdrücklich ans Herz gelegt. Der ehemalige Ferrari-Star entkräftet in dem Video darüber hinaus eine Behauptung aus Ross Brawns neuem Buch und erzählt, woran sein geplanter Wechsel zu McLaren-Mercedes im Winter 1999/2000 gescheitert ist.

These #1: Red Bull hatte 2016 das bessere Chassis als Mercedes.

Speziell aus dem Red-Bull-Camp kam in der vergangenen Saison mehrmals die Ansage: Mercedes mag den mit großem Abstand besten Antriebsstrang haben, aber wir haben das beste Chassis. Im Grunde genommen eine Möglichkeit, die Verantwortung für die Chancenlosigkeit auf Motorenpartner Renault (pardon, TAG Heuer) abzuschieben. Aber ist es wirklich wahr, dass das Red-Bull-Team mit Stardesigner Adrian Newey zumindest auf Chassisseite bessere Arbeit geleistet hat als die Mercedes-Mannschaft rund um Paddy Lowe?

Das einhellige Urteil unserer Experten: stimmt nur zum Teil. "Nicht auf allen Strecken", meint etwa der ehemalige Formel-1-Pilot Alexander Wurz. "Red Bulls Reifen haben im Schnitt weniger konstant funktioniert als jene von Mercedes." Auf die Saison gesehen seien beide Chassis "gleich gut" gewesen, urteilt er.

Journalist Ralf Bach, tätig für die Kollegen von 'Auto Bild motorsport', geht mit Wurz d'accord: "Nur für Strecken wie Monaco, wo es extrem auf Abtrieb und Traktion ankam", sie die These zutreffend. Aber: "Insgesamt war der Allrounder von Mercedes das beste Auto." Und der ehemalige Formel-1-Teamchef Colin Kolles ergänzt: "Es ist definitiv so, dass der Abstand auf Nicht-Motorenstrecken viel geringer war."

These #2: Max Verstappen mag spektakulär sein, hatte aber auch viel Taktik-Glück, etwa in Barcelona oder Abu Dhabi. Der bessere Rennfahrer ist Daniel Ricciardo.

Auch zu dieser These gibt es kein klares Experten-Urteil. Verstappen sei "anders" als Ricciardo, aber "beide sind gute Rennfahrer", findet Colin Kolles, der 2011 Ricciardos erster Teamchef in der Formel 1 war. Alexander Wurz meint, man könne die These nicht schlüssig bewerten, und stimmt Kolles grundsätzlich zu: "Beides supergute Rennfahrer." Auch Ralf Bach bläst ins gleiche Horn: "Nur mit Glück gewinnt man keine Rennen. Beide sind absolute Weltklassepiloten. Die beiden bilden 2017 unbestritten die stärkste Fahrerpaarung in der Formel 1."

Nur Eddie Irvine, der unsere Thesen zur Formel-1-Saison 2016 in den neuesten beiden Folgen unserer Video-Interviewserie "Ein Drink mit Eddie Irvine" in seiner unnachahmlichen Kompromisslosigkeit diskutiert, sieht Verstappen kritisch: "Alle drehen wegen Verstappen durch. Er ist definitiv gut, er ist jung." Aber: "Andere halten sich an die Regeln, er nicht."

Irvine, 1999 als Ferrari-Teamkollege von Michael Schumacher nach dessen Crash in Silverstone beinahe Formel-1-Weltmeister, bezieht sich mit seiner Kritik auf die sogenannte "Verstappen-Regel", die besagt, dass während des Bremsvorgangs die Spur nicht mehr gewechselt werden darf. Das hatte der Red-Bull-Junior 2016 mehrere Male aggressiv praktiziert, ehe die FIA einschreiten musste und die Regel auf Drängen vieler anderer Fahrer präzisierte und straffte.

"Wenn jeder fahren würde wie er, gäbe es viel mehr Unfälle", glaubt Irvine und ergänzt: "Weil das sehr gefährlich ist. Die Fahrer wussten das und haben sich dran gehalten." Nur Verstappen habe die Regeln ignoriert und damit eine Zeit lang Erfolg gehabt. Bis sich die FIA gezwungen sah einzuschreiten.

These #3: Sebastian Vettel ist im führerlosen Ferrari-Schiff der heimliche Kapitän, bringt das Schiff aber mit seiner Einmischung zum Kentern.

Vettel, so unsere These, versuche "einen auf Michael Schumacher" zu machen, um mit Ferrari eines Tages die gleichen Erfolge einzufahren wie sein großes Vorbild aus Kindertagen. Aber das trägt bisher keine Früchte - nach der erfolgreichen Debütsaison 2015 mit drei Siegen gab es 2016 einen Rückschritt. Im Zuge der Ferrari-Krise wurde er zwischendurch von Teamchef Maurizio Arrivabene ermahnt, er möge sich nicht in Management-Angelegenheiten einmischen, sondern sich auf das Fahren konzentrieren.

Video-Experte Eddie Irvine räumt in diesem Kontext gleich mal mit dem Mythos auf, dass Schumachers Einfluss auf das damalige Erfolgsteam so groß gewesen sei, wie das in der Fachliteratur als historisch überliefert gilt. Das sei "totaler Bullshit", relativiert er und ergänzt: "Michael hat Ferrari nicht gemacht. Das war Jean Todt. Todt war das Genie hinter Ferrari. Maurizio Arrivabene - so sehr ich ihn auch liebe - ist nicht Jean Todt. Und Marchionne ist nicht Montezemolo. Er ist vielleicht ein besserer Geschäftsmann, aber Montezemolo war eher als er ein Racing- und ein Marketingmann."

Dass die von uns aufgestellte These nicht stimmt, findet Colin Kolles: "Sebastian Vettel braucht in diesem seinem verzweifelten Kampf dringend Unterstützung. Effektiv führen Maurizio Arrivabene und Gino Rosato bei Ferrari den Laden. Die sind unfähig. Und Marchionne macht Druck, weil er denkt, die Leute funktionieren nur so. Nur: Diese Leute funktionieren nicht! Es sind die falschen Leute am Ruder." Ralf Bach stimmt zu: "Vettel ist der Kapitän, der versucht, die Titanic vom Eisberg wegzulenken. Das ist aber eine Mission impossible."

Alexander Wurz vertritt indes eine ganz andere Meinung, warum Vettel und Ferrari noch nicht so funktionieren, wie sie sich das vorgestellt hatten: "Mir scheint, Sebastian leidet am gleichen Syndrom wie Alonso. Bei Ferrari gibt es seit Jahren eine Allergie und chemische Reaktion zwischen sportlichem und politischem Handeln. Diese beiden Themen sind nicht auf einer Parallele und hindern das Team und Sebastian am Fortschritt."

These #4: Mit seinen emotionalen Funksprüchen ist Sebastian Vettel in einer sonst öde gewordenen Formel 1 ein erfrischender Farbklecks.

"Stimmt absolut", findet Ralf Bach und vertritt damit die Sicht der Medien, die sich über jeden Funken Authentizität in der modernen Formel 1 freuen. "Er ist authentisch und soll es auch bleiben." Eine konträre Meinung hat Eddie Irvine, selbst zu aktiven Zeiten nie ein Kind von Traurigkeit gewesen: "Ich finde es ziemlich traurig, wenn die Menschen denken, dass die Verwendung des F-Worts aufregend ist. Das ist seiner Stellung nicht würdig und lässt ihn sehr, sehr schlecht aussehen."

"Stimmt nicht", sagt Ex-Teamchef Colin Kolles und knüpft in der Begründung an seine Antwort auf These #3 an: "Ich würde die Funksprüche nicht als kontraproduktiv bezeichnen, aber ich verstehe seinen Frust. Er weiß ganz genau, was das Problem ist, nur kommt er nicht weiter. Und mit diesem Teammanagement wird er auch nie weiterkommen."

Alexander Wurz, als Ex-Fahrer mit TV-Expertise bestens positioniert, zu dieser These beizutragen, legt Wert auf eine wichtige Ergänzung: "Die Auswahl der Funksprüche liegt allein bei den FOM-Leuten von Bernie Ecclestone. Und die heutige Formel 1 ist ein Resultat von zehn Jahren politischen Machtkämpfen und einer Führung, die zu extrem nur um das Business ausgerichtet ist statt auf den Sport."

These #5: Nico Hülkenberg wäre in einem Mercedes Weltmeister geworden.

"Stimmt", urteilt Colin Kolles. "Wie viele andere auch. Wie ein Max Verstappen, ein Daniel Ricciardo, ein Fernando Alonso und so weiter - wie wahrscheinlich fast alle Fahrer." Alexander Wurz schränkt ein: "Zumindest wäre er in den Top 2 gelandet." Und Eddie Irvine glaubt: "Nur wenn sein Teamkollege nicht Lewis oder Nico gewesen wäre." Anderer Meinung ist übrigens nur der Journalist im Bunde, denn: "Dann wäre das Sergio Perez auch gelungen. Und das glaube ich nicht", hält Ralf Bach fest.

Weltmeister werden kann Hülkenberg immer noch, und zwar wenn Renault der Fünfjahresplan wie geplant aufgeht. Daran will Kolles aber nicht glauben. Der ehemalige Force-India-Teamchef hätte dem ehemaligen Le-Mans-Sieger trotz des Lockrufs des Geldes dazu geraten, bei Force India zu bleiben: "Ich wäre an seiner Stelle nicht zu Renault gewechselt. Renault hat ein ähnliches Managementproblem wie Ferrari."

These #6: Der kurze Williams-Höhenflug von 2014/15 ist vorbei. Frank Williams wird keinen Grand-Prix-Sieg seines Teams mehr erleben.

2014 war das Williams-Team mit neun Podestplätzen WM-Dritter, 2015 mit immerhin noch vier Top-3-Platzierungen ebenfalls. 2016 folgte der Absturz auf Platz fünf, und Podestplatz gab es nur noch einen einzigen. Viele Experten vertreten daher die These: Je mehr sich der Vorteil des Mercedes-Antriebs gegenüber der Konkurrenz relativiert hat, desto weiter ist Williams sportlich zurückgefallen - auf Normalniveau, wo das Team eigentlich hingehört.

"Stimmt. Außer mit Glück", meint Kolles, der - was viele nicht wissen - einst Toto Wolff als Teilhaber zu Williams vermittelt hat, über These #6. "Es krankt an den Strukturen und an der mangelnden Flexibilität, neue Wege zu gehen. Der Mercedes-Motor hat viele Schwächen kaschiert. Das gilt auch für Force India oder für Manor - ein Auto, das jenseits von Gut und Böse ist, fährt auf Niveau von Renault oder Sauber, weil sie auf einmal diesen Motor fahren."

Bach widerspricht nur zum Teil und glaubt, dass Frank Williams "zumindest in den nächsten fünf Jahren" keinen Sieg erleben wird. Und Wurz, seines Zeichens Ex-Williams-Fahrer und heute noch Williams-Berater, möchte sich aus dieser Diskussion raushalten. Williams sei "ein herausragender Mensch, dessen Team auch nach seinem Ableben noch wesentlicher Bestandteil der Formel 1 sein wird. Ich würde mir sehr wünschen, dass Frank noch Siege des Williams-Teams erleben wird."

Damit ist zu These #6 alles gesagt.

These #7: Ron Dennis war der Totengräber seines eigenen Lebenswerks. Der sportliche Niedergang von McLaren geht in erster Linie auf seine Kappe.

2016 ist eine Ära zu Ende gegangen, die die Formel 1 geprägt hat, als Ron Dennis nach einem internen Shareholder-Machtkampf zum Rücktritt als Geschäftsführer gezwungen wurde. McLaren gehört zu 50 Prozent einem Wohlfahrtsfonds des Königreichs Bahrains und zu je 25 Prozent Dennis und seinem langjährigen Geschäftspartner Mansour Ojjeh. Zwischen Dennis und Ojjeh kam es aber zum Zerwürfnis, als Ojjeh aus gesundheitlichen Gründen außer Gefecht war - mit dem Machtkampf, der nun eskaliert ist, als unmittelbare Folge.

Alexander Wurz, der zwischen 2001 und 2005 McLaren-Testfahrer war und in Imola 2005 als Ersatzmann für den verletzten Juan Pablo Montoya Dritter wurde, stimmt unserer These teilweise zu: "Ron war einer der Hauptdarsteller, aber er war nicht alleine am Graben des jetzigen Loches. Allerdings hat er oftmals am schnellsten gegraben." Ralf Bach findet: "Der Niedergang hat nur zum Teil mit der Sturheit von Ron Dennis zu tun. Als Mercedes 2010 ein eigenes Team auf die Beine stellte, war für mich der Niedergang McLarens nur eine Frage der Zeit."

Der Machtkampf zwischen Dennis und Ojjeh war in den letzten Wochen eine Schlammschlacht, die Dennis bis vor das Oberste Gericht getragen hat - weil er gegen seine Kündigung als Geschäftsführer eine einstweilige Verfügung erwirken wollte. Aber wie kam es zum Zerwürfnis zwischen den beiden? Darüber gibt es viele Gerüchte, die sich auf einer sehr persönlichen Ebene abspielen und von deren Veröffentlichung wir daher Abstand nehmen. Nur so viel: Dennis kommt dabei nicht gut weg.

"Ich bin irgendwie ein Fan von Ron. Er ist ein bisschen wie Steve Jobs: ein extremer Charakter, der McLaren aus dem Nichts aufgebaut hat", sagt Irvine über den 69-jährigen "Mister McLaren", ergänzt aber: "Ron hat Persönlichkeitsstörungen." Eine kontroverse Einschätzung, die von Kolles geteilt wird: "Ron Dennis leidet an Realitätsverlust. Das Problem ist seine Persönlichkeit - und damit verbunden seine Persönlichkeitsstörung."

Einschränkung: "Er war auch auf seine Art genial, das muss man ihm lassen. Nur liegen Genialität und Wahnsinn bei ihm ganz nah beieinander. Und letztendlich ist er an seiner eigenen Persönlichkeit gescheitert. Und an seiner Beziehung zu Mansour Ojjeh, in der er sich auch sehr persönliche Fehltritte geleistet hat", analysiert Kolles.

These #8: Renault hatte mit Kevin Magnussen und Jolyon Palmer die schlechteste Fahrerpaarung der Formel 1.

Eine besonders provokant formulierte These, die Alexander Wurz dazu veranlasst, die beiden in Schutz zu nehmen: "Es gibt keine schlechten Piloten", sagt der Österreicher, der früher selbst für das Renault-Vorgängerteam Benetton gefahren ist. "Beide haben - wie viele andere - in anderen Rennserien gewonnen, und es ist mir fremd, solche Talente als schlecht zu bezeichnen. Ich darf aber anmerken, dass es nicht die beste Paarung ist."

Auch Ralf Bach findet die These in dieser Härte "übertrieben" und ergänzt: "Die beiden bei Haas waren auch nicht besser. Besonders der Mexikaner dort senkte den Durchschnitt." Nur Colin Kolles stimmt These #8 zu: "Ich hatte mit Palmer zu tun, mit Magnussen weniger. Ich würde sagen, dass es sich bei Renault 2016 um das schlechteste Gesamtpaket der Formel 1 gehandelt hat - weil das Auto und das Management ja auch eine Katastrophe waren."

These #9: P10 gerettet, Investor gesichert: Sauber wird schon 2017 zu alter Stärke zurückkehren.

Ein klares "Stimmt" vom Journalisten zu dieser These: "Teamchefin Monisha Kaltenborn hat klare Ziele: 2017 ins Mittelfeld zurückkehren und sich ab 2018 kontinuierlich nach oben orientieren. Sie wird es schaffen", glaubt Ralf Bach. "Stimmt nicht", hält Colin Kolles dagegen, denn: "Sie treffen meiner Meinung nach falsche Entscheidungen, zum Beispiel bei der Verpflichtung von Personal."

"Die zwei Punkte im Regenrennen in Brasilien waren Glückssache", sagt er. "Jörg Zander halte ich zwar für einen fähigen Mann, aber in diesem Konstrukt wird er nicht funktionieren. Sauber hat nicht die Mittel, mit denen er etwas bewegen könnte. Mit dem alten Ferrari-Motor werden sie einen Schritt nach hinten machen. Frau Kaltenborn führt das Team jetzt alleine, ohne Peter Sauber. Jetzt wird man sie daran messen, wie sich das Team entwickelt."

Alexander Wurz positioniert sich mit seiner Einschätzung in der Mitte: "Das Sauber-Team wird länger brauchen, um die Schäden der letzten Jahre aufzuholen. Man wird in der Schweiz Geduld haben müssen, und behutsam das Team aufbauen und verstärken. Dazu braucht es Feingefühl, um Nachhaltigkeit zu erlangen. Die tolle Nachricht: Sie haben jetzt festen Boden unter den Füßen und können nach vorne blicken."

These #10: Pascal Wehrlein wird auf lange Sicht die erfolgreichere Karriere hinlegen als Esteban Ocon.

Wehrlein war die tragische Figur der "Silly Season" 2016: Nach seinem Punkt in Österreich als Millionen-Dollar-Heilsbringer für Manor gefeiert, ging der wichtige zehnte WM-Platz für das Team beim vorletzten Saisonrennen in Brasilien an Sauber verloren. Der DTM-Champion von 2015 schien lange Zeit für 2017 bei Force India gesetzt - aber als Esteban Ocon bei Manor zur Saisonmitte einen guten Start hinlegte, war Wehrlein in der Hierarchie der Mercedes-Junioren plötzlich nur noch die Nummer zwei.

Dabei hatte Wehrlein den Franzosen zumindest der Statistik nach sicher im Griff. Und durch Nico Rosbergs Rücktritt könnte sein Albtraum doch noch ein Happy-End wie aus dem Märchen bekommen, nämlich durch die mögliche Beförderung in den Mercedes-Silberpfeil. Die These, dass Wehrlein die erfolgreichere Karriere als Ocon hinlegen wird, stimmt, findet Ralf Bach, und zwar "unabhängig davon, ob er den Mercedes 2017 bekommt. Wer sich mit den Hintergründen von Wehrleins erster Formel-1-Saison beschäftigt hat, weiß, welches Ausnahmetalent er ist."

Colin Kolles scheint davon weniger überzeugt zu sein: "Die These stimmt nicht - es sei denn, er bekommt das Mercedes-Cockpit. Das könnte die Ausgangslage verändern. Pascal Wehrlein ist sicher ein guter Fahrer, aber der Einstieg von Esteban Ocon in die Formel 1 war sehr beeindruckend", findet der Ex-Teamchef.

*Das sind unsere Experten:

Eddie Irvine: Der 51-jährige Nordire stieg 1993 auf Jordan in die Formel 1 ein und erlangte frühe Berühmtheit, als er sich mit dem großen Ayrton Senna anlegte. 1996 wechselte er als Teamkollege von Michael Schumacher zu Ferrari, 1999 verpasste er um ein Haar den Gewinn der Weltmeisterschaft. Ende 2002 beendete er auf Jaguar nach vier Grand-Prix-Siegen seine Formel-1-Karriere und begann eine zweite Laufbahn als erfolgreicher Geschäftsmann. In der Video-Interviewserie "Ein Drink mit Eddie Irvine" tauchte er 2016 nach langer Pause wieder in der Öffentlichkeit auf.

Alexander Wurz: Der 42-jährige Österreicher hat zwischen 1997 und 2007 69 Formel-1-Rennen für Teams wie Benetton, McLaren und Williams bestritten. 2007 war er bei Williams Teamkollege von Weltmeister Nico Rosberg. In seiner Grand-Prix-Karriere stand er dreimal auf dem Podium. 1996 und 2009 hat er zudem das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewonnen. Heute ist er TV-Experte für das österreichische Fernsehen.

Colin Kolles: Der 48-jährige Deutsche war Teamchef bei mehreren Formel-1-Rennställen (Jordan, MF1, Force India, HRT und Caterham). Davor betrieb der gelernte Zahnarzt unter anderem in der Formel 3 Teams, aber auch in der DTM. Heute ist er vor allem im Langstrecken-Sport engagiert, mit seinem eigenen LMP-Rennstall ByKolles - und in der Formel 1 immer noch bestens vernetzt. Schlagzeilen machte zuletzt seine Kontroverse mit Toto Wolff im Jahr 2013.

Ralf Bach: Der 55-jährige Deutsche arbeitete als Journalist für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Abendpost/Nachtausgabe, bevor er 1989 das Motorsportressort bei der Auto Zeitung übernahm. In Köln zog er mit dem jungen Michael Schumacher und Heinz-Harald Frentzen um die Häuser. Ihr Beiname damals: "magisches Dreieck". Heute schreibt er für Sport Bild, Auto Bild motorsport, die tz sowie die Westdeutsche Allgemeine Zeitung.

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