Hamilton pfeift auf Mentaltrainer: "Gehe meinen eigenen Weg"

, 22.12.2016

Der Mercedes-Star glaubt, dass Nico Rosberg alle Register hätte ziehen müssen, um ihn zu schlagen - Dennoch glaubt Hamilton an Verbesserungsbedarf bei sich

Viele Sportstars schwören auf Psychologen, Mentaltrainer und Meditationsgurus. Ganz anders sieht die Sache Lewis Hamilton. Der dreimalige Formel-1-Weltmeister erklärt in einem Interview mit dem Fernsehsender 'Channel 4', in seiner gesamten Karriere niemals auf die Hilfe der Spezialisten zurückgegriffen zu haben - obwohl er schon Situationen zu überstehen hatte, in denen es zumindest für Außenstehende sinnvoll erschien. "Ich habe eben meinen eigenen Weg gefunden", meint er.

Dass er dabei nicht immer auf Anhieb richtig handelte und sich mitunter verzettelte - wie etwa mit seiner aggressiven Gangart zu McLaren-Zeiten oder mit privaten Eskapaden zuletzt bei Mercedes - , akzeptiert Hamilton. "Es mag manchmal der falsche Weg gewesen sein", räumt er ein, "aber ich habe es in neun von zehn Fällen geschafft, meine Leistung zu bringen. Auch wenn man sich die vergangene Saison anschaut." Obwohl er sich am Ende Nico Rosberg geschlagen geben musste.

Sein Stallrivale verfolgte die gegenteilige Strategie. Er schirmte sich nach außen hin komplett ab und holte sich im mentalen Bereich Expertise. "Ich verstehe es als Kompliment", erklärt Hamilton. "Er hat in diesem Jahr alles versucht, was möglich war." Bereuen würde er die Entscheidung, sich auf sich selbst verlassen zu haben, aber nicht. "Ich blicke nie zurück und denke mir, ich hätte dies und jenes tun sollen. Das ist nicht meine Lebensweise", winkt Hamilton ruhig und entspannt ab.

Sehr wohl schaut sich der Brite mit den Mercedes-Spezialisten in Brackley aber seine Leistung in unterschiedlichen Teilbereichen an, um mögliche Baustellen für 2017 zu identifizieren und sich bis zur Perfektion hin zu verbessern - ganz besonders, wenn die neuen Regeln dafür sorgen, dass die Formel 1 im nächsten Jahr technischer wird. "Ich stelle sämtliche Fragen", outet sich Hamilton als Quälgeist in Technikmeetings. Er fordert: "Zum Beispiel will ich jetzt die besten Starts haben."

Seine Ingenieure betrachtet er als Koryphäen ihres Faches, die aber auf sein Popometer angewiesen wären: "Ihnen geht es um Zahlen. Sie rechnen ständig. Praxisnähe ist nicht immer ihre Stärke. Ich habe nicht so viel Grips, aber ich kann etwas mit meinem Gefühl im Auto einbringen", so Hamilton.

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