Hausgemachte Krise: Ecclestone rügt Verschwender-Teams

, 02.06.2015

Bernie Ecclestone ist der Überzeugung, dass die Teams für ihre Finanzsorgen selbst verantwortlich sind, und watscht Technologietransfer ab: Niemals in Straßenautos!

Von den kleinen Bastelbuden, die die Formel 1 in den Anfangsjahren begleitet haben, kann in der heutigen Zeit keine Rede mehr sein. Die Rennteams in der Königsklasse sind Millionenunternehmen, die pro Jahr acht- oder neunstellige Beträge ausgeben. Für viele Rennställe sind die Kosten aktuell allerdings zu hoch, und das Damoklesschwert hängt Jahr für Jahr bedrohlich über Marussia, Sauber, Force India & Co.

Die Formel 1 steckt diesbezüglich in einer Krise und droht nach HRT oder Caterham noch weitere Teams zu verlieren. Lösungsvorschläge kreisen derzeit viele im Fahrerlager, doch eine Einigung für eine Umsetzung wird meist nicht erzielt. Formel-1-Boss Bernie Ecclestone sieht zwei Gründe für die schlechte finanzielle Situation: "Erstens: Man benötigt heutzutage viel zu viel Geld, und zweitens haben viele involvierte Personen ein großes Ego und wünschten, sie hätten so viel Geld, um es mit den Siegern aufzunehmen", so der Brite gegenüber 'F1Racing'.

Ecclestone nimmt die Teams selbst in die Pflicht. Sie sollen finanziell eben besser haushalten, meint er: "Es gibt keinen Grund, so verdammt große Motorhomes zu haben. Ich denke nicht, dass sie ihr Geschäft wirklich als Geschäft führen", urteilt der Zampano, der mit Brabham früher sein eigenes Team leitete und mit den Mechanismen der Wirtschaft bestens vertraut ist.

"Es ist ganz einfach: Man sollte mit seinem Geschäft nicht mehr ausgeben, als man weiß, das man einnehmen wird - aber genau das machen diese Leute", findet Ecclestone, dass sich die Verantwortlichen die jeweilige finanzielle Schieflage selbst anzukreiden haben. "Ich denke, viele von ihnen brauchen auch gar nicht so viel, wie sie verlangen - in der Hoffnung, sie würden vielleicht etwas mehr bekommen."

Doch auch in der Formel 1 gilt: Ohne Geld kommt man nicht voran. Weil sie ohnehin viel weniger einnehmen als die vertraglich begünstigten Teams wie Ferrari, Red Bull oder Mercedes dürften die kleinen Rennställe auch nur einen Bruchteil ausgeben und würden noch weiter hinterherfahren - ein Umstand, den Ecclestone ohnehin schon häufig angeprangert hat. Er ist bekanntlich kein Fan von Teams wie Manor-Marussia, die dem Ansehen der Formel 1 seiner Meinung nach nicht zuträglich sind.

Die finanzielle Lage verschlimmert haben im vergangenen Jahr die neuen V6-Turbomotoren, die die Kosten noch einmal deutlich in die Höhe getrieben haben. Immer wieder hört man von Plänen, wieder zurück auf die alte V8- oder V10-Technologie zu gehen, die zudem auch den altbekannten Klang, nach dem sich die Fans sehnen, zurückbringen würde. "Wir hätten sie niemals loswerden dürfen", meint Ecclestone nun und gibt zu: "Als damals über die Motoren gesprochen wurde, hat niemand realisiert, was daraus werden würde."

"Es ist ein Triebwerk, kein Motor. Es hat nichts mit Autos zu tun und wird niemals in Autos verwendet werden", kanzelt er die Idee vom Technologietransfer zu den Straßenwagen ab. "Und ich denke, was noch wichtiger ist: Es ist nicht wirklich Formel 1", so der Brite. "Es ist nichts, was die Leute zur Formel 1 zieht." Seiner Meinung nach sei die neue Technologie wie ein Abend beim Ballett, bei dem die Tänzerinnen Turnschuhe statt Ballettschuhen anhätten: "Es ist nicht das, was man erwartet."

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