Lewis Hamilton: Verhältnis zu Nico Rosberg wieder schlechter

, 02.08.2016

Der Crash von Österreich und der Gelbe-Flaggen-Zoff von Ungarn belasten die Atmosphäre bei Mercedes - Kann Rosberg doch noch mal zurückschlagen?

Die Formel 1 geht in die Sommerpause und viele Piloten und Verantwortliche zieht es in den kommenden Tagen in die Sonne. Doch während sie auf wärmere Temperaturen hoffen, herrscht in einem Punkt noch immer Eiszeit: Im Verhältnis zwischen den Mercedes-Stars Lewis Hamilton und Nico Rosberg glaubt niemand mehr an eitel Sonnenschein. Überraschte Hamilton im Frühsommer noch mit der Aussage, dass die Beziehung zu seinem Kindheits-Kumpel und WM-Rivalen erstaunlich gut sei, ist nun wieder ein neuer Tiefpunkt erreicht.

Die Auslöser: Die Silberpfeil-Kollision beim Großen Preis von Österreich und der Gelbe-Flaggen-Zoff von Ungarn. Im österreichischen Fernsehen 'ORF' bestätigt der Brite nun, dass seither wieder Missgunst im Lager der englisch-deutschen Truppe herrscht. Angesprochen auf seine überraschenden Aussagen zum angeblich guten Verhältnis stellt er klar: "Das war vor Österreich." Auf dem Red-Bull-Ring in Spielberg hatte es in der letzten Runde des Rennens wieder einmal zwischen den beiden erbitterten Rivalen gekracht.

"Vor ein paar Wochen, vor Österreich, war es vielleicht noch etwas besser. Jetzt ist es so wie auch schon in den letzten Jahren. Nicht besser, nicht schlechter. Wir zwei kämpfen um den Titel", analysiert der amtierende Weltmeister. Ein großes Problem sieht er im Zoff mit seinem deutschen Kollegen aber nicht. "Absolut nicht. Es macht eigentlich keinen Unterschied", kommentiert er den teaminternen Beziehungsstatus "Es ist kompliziert" betont lakonisch.

Psycholgische Kriegsführung sorgt für Unruhe bei Mercedes

Seit dem ersten Silberpfeil-Crash des Jahres in Barcelona eilt der Brite von Sieg zu Sieg, gewann sechs der letzten sieben Grands Prix und hat seinen anfänglichen Rückstand in der WM-Wertung in eine Führung mit 19 Punkten Vorsprung umgewandelt . Kein Wunder, dass Hamilton vor Selbstbewusstsein strotzt und regelmäßig Spitzen gegen Rosberg austeilt. So zuletzt beim Großen Preis von Ungarn, als er bei Rennleiter Charlie Whiting nach einer Bestrafung für seinen Stallgefährten fragte, weil dieser im Qualifying seine Pole-Position unter doppelt geschwenkten Gelben Flaggen holte.

Teamintern kam das überhaupt nicht gut an - und auch Rosberg sah sich gezwungen, in der Pressekonferenz nach dem Ungarn-Rennen seinem Teamkollegen offen zu widersprechen. "Er hat einen falschen Eindruck der Situation mit den Gelben Flaggen vermittelt und ich musste das korrigieren", erklärt der Deutsche, der aber abstreitet, dass ihn solche Sachen belasten. "Er hat mich nicht gepiesackt, er hat einfach etwas Falsches gesagt. Sauer war ich deshalb aber nicht. Ich habe gelernt, dass ich mich einzig und allein auf meine Arbeit konzentriere und nicht auf Lewis", stellt Rosberg im Interview mit 'Sky Sports F1' klar.

Trotz der jüngsten Vorkommnisse will der 31-Jährige keine erneute Diskussion über das teaminterne Verhältnis aufkommen lassen. "Lewis ist ein super Fahrer. Er wird immer eine große Herausforderung bleiben. Doch dafür fahre ich schließlich Rennen. Es ist der größte Thrill, den man bekommen kann, wenn man die Besten schlägt", streut er seinem Teamrivalen sogar Rosen und provoziert damit eine spannende Diskussion mit Interviewpartner Martin Brundle.

Rosberg: Schlagabtausch mit Martin Brundle im englischen TV

Der englische TV-Experte und Ex-Pilot will wissen, ob solches Lob nicht Hamiltons Selbstbewusstsein weiter füttere? "Nun, das ist natürlich nicht mein Ziel, sein Selbstvertrauen zu stärken. Lass mich wissen, wenn er das Gefühl hat, dann sage ich künftig was anderes", antwortet Rosberg mit einem Lächeln im Gesicht. Doch Brundle lässt nicht locker, hakt nach: "Du klingst, als würdest du dich selbst noch nicht so gut wie Lewis sehen..." Doch auch damit kann er den Wahl-Monegassen nicht aus der Reserve locken. "Was ich jetzt denke, behalte ich lieber für mich. Mach dir keine Sorgen, ich fühle mich gut", antwortet der Vizeweltmeister cool.

Dritter Versuch von Brundle: "Manche sagen, du bist zu nett, um Lewis zu schlagen..." Rosberg, der dieses Argument nur allzu gut kennt, kontert: "Das finde ich ja eine seltsame Diskussion: Vor drei Rennen in Spielberg war ich noch der Böse, jetzt bin ich wieder zu nett... Nein, ich werde weiter attackieren", so der WM-Zweite, der nun den Spieß umdreht und von Brundle wissen will, wo er denn Vor- und Nachteile bei den beiden Mercedes-Piloten sehe. Dessen Antwort: Hamilton wirke auf der Renndistanz manchmal etwas schneller, sei mehr der Instinkt-Fahrer, während Rosberg seine Sache mit Köpfchen mache.

Hier findet er die Zustimmung des Deutschen, der einwirft: "Ungarn war doch ein gutes Beispiel. Bei den Gelben Flaggen im Qualifying habe ich genau gewusst, was zu tun ist. Ich habe verlangsamt und dafür gesorgt, dass die Situation sicher ist, und dennoch das Beste herausgeholt." Hier habe er Instinkt bewiesen, lobt Brundle - erntet aber heftigen Widerspruch. "Das war kein Instinkt, ich war auf so etwas vorbereitet. Ich kenne das Reglement und weiß, was ich mache", gibt sich der Rosberg selbstsicher. In der Sommerpause will er nun die jüngsten Niederlagen verdauen und ab dem Großen Preis von Belgien im Dauer-Duell gegen Hamilton zurückschlagen. Fortsetzung folgt in Spa...

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