Liberty-Deal: EU-Politikerin ortet Interessenskonflikt für die FIA

, 27.09.2016

Weil die FIA ein Vetorecht gegen den Formel-1-Verkauf hat, an eben diesem aber Millionen verdienen würde, ortet eine Politikerin einen Interessenskonflikt

Der im Gesamtvolumen mit rund acht Milliarden US-Dollar bewertete Einstieg von Liberty Media in die Formel 1 könnte theoretisch noch an bürokratischen Hürden scheitern. Zwar wurde die erste Tranche der Transaktion zwischen der Investmentgesellschaft CVC Capital Partners und Liberty bereits abgewickelt, doch vollumfänglich greifen würde das Engagement erst mit Vollzug der zweiten, wesentlich größeren Tranche. Dagegen regt sich nun Widerstand.

Die EU-Abgeordnete Anneliese Dodds, Mitglied der sozialdemokratischen Labour-Partei in Großbritannien, hat in einem Brief an die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager auf einen potenziellen Interessenskonflikt des Automobil-Weltverbands FIA in Zusammenhang mit dem Liberty-Einstieg aufmerksam gemacht. Denn sollte CVC wirklich wie geplant weitere Anteile an Liberty verkaufen, würde die FIA an dem Deal mit 44 Millionen US-Dollar (umgerechnet 39 Millionen Euro) partizipieren.

Hintergrund ist ein Vetorecht, das die FIA bei einem Wechsel der Inhaber der kommerziellen Rechte an der Formel 1 geltend machen kann. Sollte die FIA der Meinung sein, bei Liberty handle es sich nicht um einen geeigneten Käufer im Interesse des Sports, dann kann gegen einen solchen Deal ein Veto eingelegt werden. Der Interessenskonflikt entsteht jedoch, weil die FIA selbst mit 1,07 Prozent an der Formel-1-Dachgesellschaft Delta Topco beteiligt ist.

Aus 458.197 mach 44 Millionen Dollar

Die FIA hat diese 1,07 Prozent im Jahr 2013 zum Spottpreis von 458.197 Dollar von CVC erworben. Durch die Neubewertung der Formel 1 im Zuge des Liberty-Deals ist der Anteil inzwischen 44 Millionen Dollar wert. "Angesichts der Tatsache, dass die FIA ihre Anteile nur zu Geld machen kann, wenn sie dem Verkauf zustimmt, scheint seit der Vereinbarung mit der EU-Kommission im Jahr 2001 ein klarer Interessenskonflikt entstanden zu sein", schreibt Dodds.

Die EU-Wettbewerbskommission hat das Geschäftsmodell der Formel 1 in den Jahren 1999 bis 2001 genau untersucht und gab damals die Weisung aus, dass der Grand-Prix-Sport von zwei getrennten Instanzen kontrolliert werden sollte. Einerseits vom Rechteinhaber, vertreten durch Geschäftsführer Bernie Ecclestone, der alle kommerziellen Angelegenheiten zu regeln hat; andererseits von der FIA als rein regelgebende Instanz, die sich nicht in kommerzielle Fragen einzumischen hat.

Wettbewerbskommissarin zu Untersuchung aufgefordert

Dass die FIA nun aber von der Zustimmung zu einer Transaktion selbst finanziell profitieren würde, ist laut Dodds zumindest untersuchungswürdig. "Ich hätte gern Ihre Zusicherung", schreibt sie an Vestager, "dass dieser klare Interessenskonflikt ordnungsgemäß untersucht wird, bevor der Deal Ihre Zustimmung erhält." Die EU ist eine von mehreren internationalen Behörden, die gegen einen Deal von solcher Größenordnung Bedenken vorbringen könnte.

Dodds ist in der Formel 1 keine Unbekannte. Bereits im Jahr 2015 kontaktierte sie Vestager, als zwei Formel-1-Teams in ihrem südenglischen Wahlkreis (Caterham und Marussia) Insolvenz anmelden mussten und dutzende Arbeitsplätze auf dem Spiel standen. Die Labour-Politikerin beantragte damals eine Untersuchung der Einnahmenverteilung in der Formel 1, die ihrer Meinung nach gegen das EU-Wettbewerbsrecht verstößt.

Dodds ist damit eine der wichtigsten Figuren im Beschwerdeverfahren, das Force India und Sauber bei der EU-Wettbewerbskommission vorgetragen haben. Die beiden Teams vertreten bekanntlich den Standpunkt, dass die Einnahmenverteilung in der Formel 1 nicht gerecht vollzogen wird, und hoffen auf eine Intervention seitens der EU. Diese ist seither jedoch noch nicht zu einem Urteil gekommen.

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