Magneti Marelli versichert: Sound-Problem identifiziert

, 25.12.2015

Für alle Fans, die den Sound der Formel 1 vermisst haben, gibt es gute Nachrichten: Das Problem wurde wissenschaftlich analysiert, schon 2016 wird es viel lauter

Seit Einführung des Hybrid-Reglements zur Saison 2014 muss sich die Formel 1 dem Vorwurf erwehren, dass die V6-Motoren zu leise seien. Auch die FIA hat sich der Sounddiskussion angenommen und den italienischen Zulieferer Magneti Marelli mit einer wissenschaftlichen Analyse des Problems beauftragt. Die Ergebnisse der Untersuchung liegen jetzt vor und es gibt gute Nachrichten: Die Formel 1 wird wieder lauter. Für 2016 wurden bereits die richtigen Entscheidungen getroffen.

"Wir haben herausgefunden, dass es an zweierlei Dingen mangelt", holt Roberto Dalla, der Sportchef von Magneti Marelli und ehemaliger Elektronik-Ingenieur des Ferrari-Teams aus. "Das sind zum einen die Amplitude und zum anderen hohe Frequenzen." Die gute Nachricht: Eines der Probleme, nämlich die Abstinenz höherer Frequenzen, hat die Formel 1 mit ihrem Sound-Vorstoß für 2016 bereits behoben. "Sie sind gar nicht so weit weg von dem entfernt, was wir empfohlen haben", bestätigt er. Die Boliden werden also bereits zur Saison 2016 sich wieder deutlich lauter anhören.

Für die Saison 2016 wurde eine Zweirohrlösung ins Auge gefasst: Neben dem Hauptrohr wird ein kleineres Rohr um das Wastegate herumgeführt, durch das ein Teil der Auspuffgase direkt ins Freie gelangt, ohne durch den Turbolader zu müssen. "Letzten Endes geht es darum, die Gase aus der Turbine fernzuhalten, denn diese wirkt wie ein Filter für hohe Frequenzen", erklärt Andrea Dappiano, der früher für Toyota gearbeitet hat und jetzt Projektleiter für Hybridsysteme bei Magneti Marelli ist.

Doppelter Sound mit doppeltem Rohr

"Wenn man ein Rohr um das Wastegate verlegt, wird es nicht durch den Lader gefiltert", so der Italiener weiter. "Das sorgt für höhere Frequenzen und führt damit subjektiv zu mehr Lärm." Eine Lösung wie der Alternativmotor muss damit nicht zwangsweise her, um der Sound-Problematik in der Formel 1 Herr zu werden: Die bestehenden Antriebseinheiten können mit den richtigen Lösungen ordentlich Lärm machen, wie die Italiener herausfanden.

"Das nennt sich Psychoakustik", fährt Dappiano fort. "Sie befasst sich damit, wie der Körper die Tonsignale verarbeitet. Wenn Sie beispielsweise am Fernseher die Lautstärke hochdrehen, erhöht das nicht die Laustärke an sich, sondern nur die hohen Frequenzen. Aber Sie nehmen es komplett anders wahr." Genauso verhalte es sich mit dem Motorensound. "Je höher die Frequenzen sind, umso besser sind sie geeignet, eine sportliche Atmosphäre zu erzeugen."

Auch ästhetische ansprechende Lösung gefunden

Magneti Marelli hat der FIA eine ganze Reihe von Resultaten und Vorschlägen vorgelegt, von denen einige bereits für 2016 umgesetzt worden sind. Weitere Maßnahmen können zur Saison 2017 erfolgen, wenn ein neues Reglement greifen soll. "Wir werden die FIA weiterhin unterstützen und mit unseren Untersuchungen weitermachen", verspricht Roberto Dalla. "Was die FIA tun muss ist, die Möglichkeiten mit den Teams zu diskutieren um den richtigen Kompromiss zwischen Erhöhung des Lärmpegels und dem Verlust von Leistung oder ähnlichen Dingen zu finden."

Dass der zum Fiat-Konzern gehörende Zulieferer für die heikle Untersuchung ausgewählt wurde, ist kein Zufall: Magneti Marelli arbeitet mit verschiedenen Automobilherstellern zusammen, um die richtige Soundnote für jeweilige Straßenmodelle auszutüfteln. "Der Sound des Auspuffs ist einer der zentralen Aspekte, um die Identität eines Modells herzustellen, speziell bei Sportwagen", verweist Dalla stolz auf die Erfahrung seines Unternehmens. "Wir haben die aktuellen V6-Motoren mit den vorigen V8-Motoren, aber auch mit den alten Turbos (aus den 80er-Jahren; Anm. d. Red.) verglichen, um zu sehen, woran es fehlt."

Wichtig sei es Magneti Marelli insbesondere gewesen, auf die Ästhetik zu achten, sagt er weiter. "Das ist ebenfalls Teil der Show. Eine dicke Trompete oder ein Megafon sehen einfach seltsam aus." Inwiefern die weiteren Vorschläge von Magneti Marelli ab der Saison 2017 umgesetzt werden, hängt nun davon ab, wie die Hersteller reagieren. Sicher ist nur: Zurück zum Saugmotor wird es nicht mehr gehen.

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