Motorenregeln 2018: Strafenchaos oder Kostenexplosion?

, 12.10.2017

Noch weniger Motoren erlaubt als aktuell: 2018 könnte es deutlich mehr Gridstrafen in der Formel 1 geben - Die Hersteller warnen derweil vor explodierenden Kosten

Der Formel 1 könnte in der Saison 2018 ein noch größeres Strafenchaos drohen als in diesem Jahr. Hintergrund: In der neuen Saison sind noch einmal weniger Antriebsteile erlaubt als aktuell. Dürfen die Teams 2017 noch je vier Verbrennungsmotoren (ICE), Turbolader (TC), MGU-H, MGU-K, Energiespeicher (ES) und Kontrollelektroniken (CE) erlaubt sind, sinkt das Limit 2018 auf je drei ICE, TC und MGU-H und sogar nur noch zwei MGU-K, ES und CE.

Eigentlich soll durch diese Verschärfung der Regeln eine Kostenersparnis erzielt werden. Doch bei Honda glaubt man, dass dieser Schuss komplett nach hinten losgehen wird. Sportchef Yusuke Hasegawa erklärt, dass es für einige Hersteller - darunter auch Honda - "sehr schwierig" werden wird, mit nur drei Antriebseinheiten durch die gesamte Saison zu kommen.

"Drei Motoren werden die Kosten nicht reduzieren", stellt er klar und erklärt: "Die Herausforderung besteht dann darin, die Performance an diesen drei Motoren zu verbessern. Dafür brauchen wir dann ein höheres Budget. Die FIA möchte die Kosten dadurch reduzieren, aber das genaue Gegenteil ist der Fall." Auch Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff glaubt nicht, dass die Kosten 2018 signifikant sinken werden.

Man habe zwar "weniger Hardware" - also weniger Motoren -, dafür würden aber die Entwicklungskosten steigen, um die geforderten längeren Laufzeiten der Aggregate zu erreichen. Zum Vergleich: 2017 haben nach 16 der 20 Saisonrennen bereits neun der 20 Piloten - also fast die Hälfte des Feldes - mindestens eine Gridstrafe bekommen, weil sie das erlaubte Motorenmaximum überschritten haben.

Explodieren die Entwicklungskosten?

Folglich müssen die Hersteller wohl eine Menge Geld in die Entwicklung pumpen, um 2018 mit nur drei Einheiten durch die gesamte Saison zu kommen. Andernfalls drohen massenweise Strafversetzungen in der Startaufstellung. In diesem Jahr haben alle 20 Piloten zum jetzigen Zeitpunkt bereits die vierte Power-Unit im Auto. 2018 würde das bedeuten, dass alle Fahrer jetzt bereits mindestens eine Strafe bekommen hätten.

"Es gibt eine Regel, und jetzt ist es etwas zu spät, um diese noch zu ändern", erklärt McLaren-Renndirektor Eric Boullier und erinnert: "Diese Regel ist seit einigen Jahren bekannt. Alle haben sehr hart daran gearbeitet, die Motoren im nächsten Jahr zuverlässiger zu machen." Er ist der Meinung, dass man 2018 "sehr limitiert" sei. An eine kurzfristige Änderung, die nur mit der Zustimmung aller Teams möglich wäre, glaubt er aber nicht.

"Ich bin kein Freund von Strafen gegen den Fahrer. Sie sehen lächerlich aus", erklärt Toto Wolff derweil und verweist auf die 35 Strafplätze, die Fernando Alonso zuletzt in Suzuka aufgebrummt bekam. "Wir müssen uns überlegen, ob uns ein System einfällt, das den Fahrer weniger bestraft", grübelt Wolff, der allerdings gleichzeitig warnt, dass die Kosten dabei nicht explodieren dürften. Eine Gratwanderung.

"Lächerliche" Gridstrafen in der Kritik

Denn der Österreicher warnt: "Wir wollen nicht zu jedem Rennen einen neuen Motor mitbringen, nur weil es dafür keine sportliche Strafe gibt." Klar ist nämlich auch, dass finanzielle Strafen den großen Teams kaum wehtun würden. Diese würde man wohl einfach schlucken und dann mehr oder weniger beliebig viele Motoren einsetzen - während die kleinen Teams in die Röhre schauen würden.

Aber wie viele Motoren wären überhaupt optimal? "Das ist schwer zu sagen", grübelt Yusuke Hasegawa. "20 Motoren pro Jahr wären natürlich zu viel", ist er sich bewusst und erklärt, dass "vier oder fünf" Antriebseinheiten eine vernünftige Zahl wären. "Ich denke nicht, dass sich das Strafensystem ändern wird", winkt Eric Boullier derweil ab. Allerdings kann er sich vorstellen, dass man kleine Anpassungen vornehmen wird, um es "leichter verständlich" zu machen.

"Es ist aber noch zu früh, um darüber zu sprechen", bremst er die Erwartungen. In die Strategiegruppe habe man nämlich noch nicht darüber diskutiert, obwohl das Thema bereits auf dem Zettel stehe. Denn neu ist das Problem keinesfalls. Bereits seit Jahren stehen die Gridstrafen immer wieder in der Kritik. Toto Wolff nimmt es mit Galgenhumor und erklärt: "Ich bin seit 2009 hier, und wir reden immer wieder über die gleichen Dinge ..."

Jetzt kommentieren
Jetzt bewerten

Zum Bewerten musst Du registriert und eingeloggt sein.

Weitere Formel 1-News

Verzweifelter Rettungsversuch in Suzuka: Das soll in Zukunft verhindert werden

Ferrari holt Expertin: Spanierin soll das …

Der Schock sitzt in Maranello immer noch tief: Bis zum Heimspiel in Monza war Sebastian Vettel WM-Leader, doch ein Startcrash in Singapur sowie technische Defekte im Sepang-Qualifying und im …

Sebastian Vettel hält Sergio Marchionne für einen

Vettel: Um Marchionne-Kritik wird zu viel Wirbel gemacht

Sebastian Vettel findet, dass seitens der Medien zu viel Wirbel gemacht wird, wenn sich Ferrari-Boss Sergio Marchionne wieder einmal kritisch über die Leistungen des Teams äußert: "Mein Gefühl ist, dass …

Esteban Ocon hatte in der Formel 1 noch nie einen Ausfall zu verzeichnen

Force India begeistert: "Ocon übertrifft unsere Erwartungen"

Der junge Franzose Esteban Ocon hat sich in seiner ersten vollen Formel-1-Saison mehr als etabliert. Der Force-India-Youngster gilt als potenzieller Weltmeister der Zukunft. Zum Start in die Saison 2017 …

Sergio Marchionne hat in den Abläufen in Maranello ein Problem erkannt

Marchionne: Ferrari hat Qualitätskontrolle vernachlässigt

Unfall in Singapur, technische Defekte in Malaysia und Japan - Sebastian Vettel hat in den vergangenen drei Grands Prix der Formel-1-Saison 2017 insgesamt 56 Punkte auf WM-Rivale Lewis Hamilton (Mercedes) …

Hat trotz Nörglern auch vor der TV-Kamera seinen Spaß: Nico Rosberg

Keine Comeback-Pläne: Rosberg "glücklich und zufrieden"

Der zurückgetretene Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg plant kein Comeback als Aktiver im Motorsport. Der Deutsche, der beim Japan-Grand-Prix in Suzuka für das deutsche und das englische Programm des …

AUCH INTERESSANT
Walter Röhrl: Seine 7 besten Momente

AUTO-SPECIAL

Walter Röhrl: Seine 7 besten Momente

Walter Röhrl gehört zu den besten Rallye-Fahrern aller Zeiten und fuhr auch auf der Rundstrecke bedeutende Rennsiege ein. Jetzt wird es persönlich: Walter Röhrl kramt in seiner Fotokiste und …


Formel1.de

TOP ARTIKEL
Louis Vuitton Ferrari gehört 15-jährigem
Louis Vuitton Ferrari gehört 15-jährigem
RUF CTR Yellowbird 2017: Ein Wahnsinns-Preis für 710 PS
RUF CTR Yellowbird 2017: Ein Wahnsinns-Preis für …
Ford GT 2017: Warum Ferrari & Co. eine Schlappe kassierten
Ford GT 2017: Warum Ferrari & Co. eine …
News-Abo
Jeden Morgen kostenlos per E-Mail:
Aktuelle Artikel
Oettinger VW Golf 400R: Die Polizei dreht durch
Oettinger VW Golf 400R: Die Polizei dreht durch
Mercedes G 500 4x4² von Jon Olsson: Ein krankes Biest!
Mercedes G 500 4x4² von Jon Olsson: Ein krankes …
Hyundai i30 N Performance Test: Die neue Empfehlung im Segment
Hyundai i30 N Performance Test: Die neue …
Seat Ibiza FR 2018: Was reißen drei Zylinder im Sport-Test?
Seat Ibiza FR 2018: Was reißen drei Zylinder im …
Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio: 510 PS zum heißen Preis
Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio: 510 PS zum …


Speed Heads - Sportwagen- und Auto-Magazin

Das Auto und Sportwagen Magazin mit täglich aktualisierten Auto News, Motorsport News, Auto Tests, Sportwagen Berichten und der streng geheimen Auto Zukunft. Speed Heads ist die Community für echte Auto-Fans und informiert im Sportwagen Magazin über Neuigkeiten aus der Welt der schnellen Autos.

  • emotiondrive Logo
  • Torpedo Run Logo
  • Motorsport Total Logo
  • autoaid Logo