Neue Ziele bei Haas: Punkte in jedem Rennen

, 09.04.2016

Nach dem Traumstart von Romain Grosjean hat das Haas-Team Blut geleckt und will künftig konstant punkten - Weiterentwicklung als großes Fragezeichen?

Noch immer staunt die Formel-1-Welt über das perfekte Debüt von US-Neueinsteiger Haas. Bei den ersten beiden Rennen in Australien und Bahrain holte Romain Grosjean mit den Plätzen sechs und fünf bereits 18 Punkte und liegt in der Fahrer-Weltmeisterschaft derzeit auf Rang fünf - noch vor Ferrari-Star Sebastian Vettel. Keine Frage: Grosjean und das neue Team aus Kannapolis (North Carolina) waren die Stars des diesjährigen Formel-1-Auftakts, wie auch das Benotungsranking auf 'Motorsport-Total.com' beweist.

Besonders beeindruckend fanden nahezu alle Experten die Leistung des Teams in Bahrain: Profitierte Grosjean in Melbourne noch von der Rennunterbrechung nach dem Alonso/Gutierrez-Crash, fuhr er beim Wüsten-Grand-Prix mit einer aggressiven Reifenwahl (dreimal Supersoft, einmal Soft) von Startplatz neun aus eigener Kraft in die Top-5. Er komplettierte damit das historisch beste Debüt eines Formel-1-Neueinsteiger-Teams seit 43 Jahren. 1973 gelangen dem - ebenfalls amerikanischen - Shadow-Team mit Fahrer George Follmer zum Auftakt die Plätze sechs und drei.

Kein Wunder, dass sich die Zielsetzung bei der Mannschaft von Gene Haas nach zwei Rennen bereits etwas verschoben hat: "Ab sofort wollen wir versuchen, in jedem Grand Prix Punkte zu holen", kündigt Teamchef Günther Steiner selbstbewusst an. Das Auto biete jedenfalls genügend Gründe für Optimismus, so der Südtiroler: "Wir wissen, was unser Auto kann. Zu sagen, dass wir nun jedes Mal Fünfter werden wollen, wäre vielleicht ein bisschen gierig - und das will ich nicht sein. Aber Punkte sind damit absolut machbar."

Grosjean treibt zu weiteren Fortschritten an

Grosjean pflichtet seinem Boss bei, fordert aber eine konsequente Weiterentwicklung des Boliden: "Wir müssen auf dem Teppich bleiben und uns auch auf Tage einstellen, an denen es nicht so laufen wird", so der Franzose. "Alles wird davon abhängen, wie viel Leistung wir aus dem Auto herausquetschen, wie viele Updates wir bringen und was wir tun können, um uns vielleicht sogar in eine noch bessere Position zu bringen." Punkte seien zwar immer realistisch, jedoch müsse das Team auch beide Fahrer ins Ziel bringen. Esteban Gutierrez schied sowohl in Australien (Unfall) als auch in Bahrain (Bremsdefekt) frühzeitig aus.

Bei der unmittelbaren Konkurrenz beobachtet man das Tun von Haas natürlich ganz genau, will sich von der starken Leistung der Neueinsteiger aber noch nicht verrückt machen lassen. Robert Fernley, der stellvertretende Teamchef von Force India, hatte schon vor Saisonbeginn prophezeit, dass die US-Truppe ein ernsthafter Konkurrent im engen Kampf im Formel-1-Mittelfeld werden würde. Laut Fernley zahle sich für Haas besonders in der Startphase die technische Partnerschaft mit Ferrari aus. Wie berichtet, nutzt Haas in großem Umfang Ferrari-Know-how und mietet sich auch regelmäßig im Windkanal der Italiener ein.

Konkurrenz hofft: Weiterentwicklung als Stolperfalle für Haas?

Bei der nun fälligen Weiterentwicklung sieht Fernley aber Probleme auf die Newcomer zukommen. Seine Hoffnung: Ferrari werde sich wieder verstärkt um seine eigenen Angelegenheiten kümmern und sich weniger um Haas sorgen. Für das Jahr 2017 sieht Fernley ohnehin die "echten" Konstrukteure wieder mehr im Vorteil: "Die strengeren Regeln in Bezug auf Windkanal- und CFD-Nutzung schränken den Doppelpass zwischen Hersteller und Kundenteam ein. Wir können schnell auf neue Regeln reagieren. Haas wird das noch lernen müssen", so der Force-India-Boss zu 'Auto Motor und Sport'.

Durch das neue Reglement werden Haas im kommenden Jahr nicht mehr unbegrenzt Zeit im Windkanal und Computerkapazität zur Verfügung stehen. Das wiederum könnte ein Vorteil für den traditionellen Ansatz von Force India, Sauber oder Williams sein, alles selber zu machen. Diese Teams können schneller und früher auf Regeländerungen reagieren. Sauber-Teammanager Beat Zander blickt sogar noch weiter voraus und prognostiziert Haas ein weiteres Problem: "Was machen die, wenn in fünf Jahren die Regeln wieder strenger werden und vorschreiben, dass du das ganze Auto selber bauen musst? Dann fehlt solchen Teams die Infrastruktur."

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