Nico Rosberg: War Barcelona der große "Befreiungsschlag"?

, 10.05.2015

Der Deutsche glaubt nicht, mit demSieg einer mentalen Last ledig geworden zu sein - Niki Lauda erkennt eine mögliche Trendwende, Toto Wolff warnt vor Lewis Hamilton

Seiner Stärke im Qualifying beraubt und Wochenende für Wochenende langsamer als Teamrivale Lewis Hamilton: Bis zum Spanien-Grand-Prix am Sonntag drohte die Formel-1-Saison 2015 für Nico Rosberg zum Waterloo zu werden. Doch der amtierende Vizeweltmeister zeigte mit seinem in aller Gemütsruhe herausgefahrenen Erfolg in Barcelona, dass in ihm noch immer ein Sieger steckt. "Für Nico ist es psychologisch ein Befreiungsschlag der ersten Klasse", unterstreicht Niki Lauda bei 'RTL'.

Rosberg gewichtet sein Comeback auf der obersten Stufe des Podests nach über einem halben Jahr anders. "Es hat einfach zusammengepasst", sagt er und glaubt, dass der Erfolg nur eine Frage der Zeit war: "Ich habe nie etwas groß anders gemacht, immer die gleiche Herangehensweise. Ich glaubte an meinen Ansatz und daran, dass ein Sieg kommen würde." Gesagt, getan, geschehen. Und doch fuhr eine Portion Unsicherheit mit, als Hamilton auf Dreistoppstrategie plötzlich vor seiner Nase auftauchte.

Schließlich war es eine Überlegung wert, dass der Brite, der zu diesem Zeitpunkt bereits beide Reifenmischungen auf den Achsen hatte, bis zum Ende durchfahren könnte. "Ein bisschen schon", meint Rosberg über ein Kribbeln, als er die Führung plötzlich los war. Die Möglichkeit, für den Grand-Prix-Sieg doch noch in den Infight zu gehen, war zu diesem Zeitpunkt mehr als eine vage Theorie: "Darüber habe ich nachgedacht", räumt Rosberg ein, "aber dann realisiert, dass es nicht möglich ist, das durchzuziehen."

Wolff: Fahrer haken Schlappen schnell ab

Hat Rosberg mit seinem dominanten Auftritt in Barcelona den Spieß im Titelrennen umgedreht? Ist es die viel zitierte Gezeitenwende? Der Wiesbadener bremst: "Ich freue mich einfach über den Sieg - und aus." Im Duell mit Hamilton scheint es jedoch das "Momentum" - die Gunst der Stunde - zu geben. Das zeigte sich 2014 und wurde in Monaco deutlich: Rosbergs Heimspiel. Die Formel 1 diskutierte über ein mögliches Qualifying-Foul seinerseits - und der zuvor so überlegene Hamilton strauchelte.

Lauda befindet im Gespräch mit 'Sky Sports F1', dass der Pokal in Spanien die Wirkung einer motorsportlichen Happypille hat: "Das ist eine wichtige Voraussetzung, um weitere Rennen zu gewinnen. Besonders in Monaco. Denn Lewis hat ihn in den ersten vier Rennen wirklich weggeblasen." Mercedes-Motorsportchef Wolff zeigt sich trotz umgekehrter Verhältnisse zurückhaltender: "Es gibt nie endgültige Befreiungsschläge. Schon in einer Woche kann es wieder in eine andere Richtung gehen."

Mögliche Siegesserie: Mental wird es dann schwierig

Das exzellente Nervenkostüm und die Teflonmentalität seiner Schützlinge ist laut Wolff der Grund: "Leider ist unsere Zeit so schnelllebig. Keiner von beiden wird schmollen oder übermäßig feiern. Wenn sie von der Strecke abreisen, dann ist es wieder verdaut. Auch wenn es ein suboptimales Wochenende war." Rosberg schlägt in die gleiche Kerbe, wenn er für seine Formkrise und die vier teils herben Niederlagen gegen Dauersieger Hamilton zu Saisonbeginn nicht seine Psyche verantwortlich macht.

"Ich hatte nicht das Gefühl, eine Last zu haben. Eine gewisse Unsicherheit ist immer dabei, das ist auch normal. Auf der anderen Seite gibt es Selbstbewusstsein. Das ist immer ein Hin und Her", winkt Rosberg ab und schüttelt auch bezüglich der Parallelen zu 2014 nur den Kopf: "Das ist nicht vergleichbar." Anders die Sache Adrian Sutil. Der 'Sky'-Experte spricht davon, dass es umso schwieriger würde, sich zu motivieren, je länger der jüngste Sieg zurückliegt. Er spricht von Auswirkungen auf Monaco.

Sutil sieht außerdem die Möglichkeit, dass der bereits auf 20 Zähler geschrumpfte Vorsprung in der WM-Gesamtwertung ganz schnell futsch ist: "Dann geht es ziemlich schnell", warnt er Hamilton, sieht den langjährigen Weggefährten jedoch gut gerüstet: "Lewis ist ein Vollprofi, genau wie Nico. Ein zweiter Platz wird ihn nicht zurückwerfen. Doch wenn Nico jetzt fünf Rennen gewinnt, dürfte es auch für Lewis mental schwierig werden. Aber Sobald ein Fahrer die Überhand gewinnt, wird es für den anderen schwierig."

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