Pinkeln im Formel-1-Cockpit? Ist ganz normal...

, 03.11.2016

Ein Drink mit Eddie Irvine: Warum Pinkeln im Cockpit ganz normal ist und wie sich Roland Ratzenberger einst "besonders warm" in den Le-Mans-Toyota gesetzt hat

Johnny Herbert war ein Meister darin, kaum jemand gibt es gern zu, aber sogar Michael Schumacher hat es, wie wir dank Lewis Hamilton wissen, getan: ins Formel-1-Cockpit pinkeln. Da fragt sich der Laie: Wie schwierig kann es sein, das Wasser mal für zwei Stunden nicht laufen zu lassen? Schließlich kennt jeder solche Situationen aus dem Kino oder von Flügen, wenn die Toilette durchgehend belegt ist.

Doch die besondere Situation eines Formel-1-Rennens ist mit dem Kinobesuch von Otto Normalverbraucher nicht wirklich zu vergleichen: "Ich habe vor einem Rennen immer mehrere Liter Wasser getrunken", erklärt Eddie Irvine, 1999 Vizeweltmeister auf Ferrari, in der aktuellen Folge 17 der Video-Interviewserie "Ein Drink mit Eddie Irvine" auf 'Motorsport-Total.com' und 'Formel1.de'.

Dass man mit voller Blase dann eben auch mal während des Rennens laufen lassen muss, sei "ganz normal. Vor dem Rennen lädst du dich auf und nimmst so viel Flüssigkeit zu dir wie möglich. Man sieht, wie die Fahrer vor dem Start immer nochmal auf die Toilette gehen, weil du halt wirklich stark hydriert bist. Es ist wirklich ganz normal", sagt der langjährige Teamkollege von Michael Schumacher.

Interessante Tatsache am Rande dieser journalistisch hochanspruchsvollen Aufarbeitung des Themas: "Beim Bremsen konnte ich nicht pinkeln", verrät Irvine ein Geheimnis. "Beim Bremsen wirst du in den Sitzgurt gedrückt und es wird eng um den Brustkorb. Ich konnte nur beim Gas geben. Das weiß kaum jemand!"

Eine besonders lustige Anekdote zum Thema Pinkeln im Rennauto erlebte Irvine 1992 bei den 24 Stunden von Le Mans, als Teamkollege von Roland Ratzenberger auf Toyota. Irvine hatte vor dem Fahrerwechsel noch im Cockpit "sein Revier markiert" und wollte kurz sauber machen, bevor Ratzenberger einstieg.

Aber der Österreicher war so ehrgeizig, dass er Irvine entnervt zur Seite schob, um nicht unnötig wertvolle Sekunden zu verlieren - nicht ahnend, was der eigentlich, mutmaßlich auch in seinem Interesse, vorhatte. "Ich habe mich kugelrund gelacht", erinnert sich Irvine in unserem Video-Interview .

"Ich habe ihm das nie erzählt, bis wir uns ein paar Jahre später in Tokio wieder trafen", grinst Irvine. "Wir tranken ein bisschen zusammen und er kam mit der Geschichte, wie ich den Sitz trocknete und das zwei, drei Sekunden gekostet hat. Und ich sagte zu ihm: 'Alter, ist dir klar, warum ich den Sitz trocknen wollte?' Da verging ihm das Lachen."

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