Pirelli fordert: "Brauchen vernünftiges Testprogramm"

, 16.09.2015

Paul Hembery lobt nach den jüngsten Vorkommnissen die gute Zusammenarbeit mit Teams und FIA - Trotzdem muss es in Zukunft ein Testprogramm geben

Pirelli stand in den vergangenen Wochen im Zentrum der Kritik. Die beiden Reifenschäden von Spa-Francorchamps wirbelten viel Staub auf. Vor Monza gab die FIA eine Direktive an die Teams heraus, dass ein bestimmter Reifendruck nicht unterschritten werden darf. Prompt gab es im Anschluss an das Rennen diesbezüglich Diskussionen und die Formel 1 erstrahlte erneut in einem schlechten Licht. 2017 werden die Reifen etwas größer und breiter werden. Noch ist offen, ob Pirelli als Einheitsausrüster bleiben wird, oder Michelin ein Comeback gibt.

Seit den Vorkommnissen in Belgien wird hinter den Kulissen viel diskutiert. Pirelli sieht sich darin bestätigt, dass es mehr Reifentests geben muss. "Für die Zukunft brauchen wir ein ernsthaftes Testprogramm", hält Motorsportchef Paul Hembery fest. "Sollten wir weitermachen, dann gibt es 2017 dramatische Veränderungen bei der Reifengröße. Dafür braucht es ein vernünftiges Testprogramm."

Die kaum vorhandenen Testmöglichkeiten sind nicht nur für Pirelli ein Problem, sondern auch die Teams werden in ihrer Weiterentwicklung beschnitten. Honda kann ein Lied davon singen. "In der Vergangenheit konnten jedes Jahr 100.000 Testkilometer abgespult werden", verweist Hembery auf den Reifenkrieg von vor zehn Jahren. Von einem Extrem schwenkte die Formel 1 in ein anderes. "Wir können momentan mit keinem aktuellen Formel-1-Auto testen. Hinter den Kulissen arbeiten wir daran, dass wir für die Zukunft eine Lösung finden."

Pirelli steckt in einem Dilemma, denn wenn alles gut läuft, wird nicht über die Reifen gesprochen. Gibt es Probleme, steht die italienische Marke sofort im Kreuzfeuer der Kritik. Im Frühling wurde bekannt, dass die chinesische Firma National Chemical Corporation eine vollständige Übernahme von Pirelli plant. Gab es angesichts der Kritik nach Spa Überlegungen für einen Rückzug? "Es wurde etwas übertrieben", versucht Hembery die Wogen zu glätten. "Wir arbeiten hinter den Kulissen mit den Teams und der FIA gut zusammen. In den Medien wurde mehr geschrieben, als in der Praxis der Fall ist.

"Ich möchte die gute Zusammenarbeit mit Ferrari und Mercedes betonen. Wir tauschen Informationen aus. Auch die Beteiligung der FIA ist sehr positiv. Ich denke, das muss man betonen, denn in den Medien geht oft unter, dass hinter den Kulissen eine gute Zusammenarbeit herrscht. Dafür sind wir sehr dankbar. Wir diskutieren natürlich über die Zukunft und es gibt Dinge, die sich verändern müssen. Ein Beispiel sind Testfahrten. Wir wollen auch sichergehen, dass alle auf einer Linie sind. Die Fahrer und die Teams müssen wissen, was wir versuchen umzusetzen. Wir müssen einer Meinung sein."

Reifentests im Freitagstraining?

Offen ist, wie künftig ein Testprogramm gestaltet wird. Es dreht sich wie immer in der Formel 1 um zwei Faktoren: Wer bezahlt die Tests? Und welche Teams nehmen daran teil? Auch wenn ein Auto mit unmarkierten Reifen auf der Strecke ist, können die Ingenieure mit jeder Runde etwas lernen. Kein Rennstall will der Konkurrenz auch nur den kleinsten Vorteil ermöglichen. Somit sitzt das Fahrerlager diesbezüglich in der Klemme beziehungsweise am Verhandlungstisch.

Eine Idee lautet, im Rahmen des Grand Prix am Freitag Reifentests durchzuführen. Pirelli will die Fahrer künftig besser einbinden: "In Zukunft brauchen wir eine engere Zusammenarbeit mit den Fahrern. Das haben wir schon mit den Teams besprochen. Wir haben uns darauf geeinigt, dass es einen Informationsaustausch zwischen uns allen geben muss." Kritik, wie sie Sebastian Vettel nach seinem Reifenschaden in Spa in die Mikrophone abgeben hat, soll in Zukunft vermieden werden.

Ob tatsächlich künftig am Freitag Reifen getestet werden, ist derzeit nicht entschieden. Carlos Sainz wägt die Vor- und Nachteile ab: "Wenn man dafür Trainingszeit am Wochenende aufbringen muss, dann ist es knifflig, denn man will die ganze Zeit nutzen, um die Performance des Autos zu optimieren. Wenn es aber für alle gleich ist, dann hat jeder die gleiche Zeitstrafe, wenn man Experimentalreifen testen muss. Für die Fahrer wäre das schlecht, aber für Pirelli gut. Wenn es aber für alle gleich ist, dann sollte es das Wochenende nicht beeinflussen. Vielleicht ist es keine schlechte Idee."

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