Pirelli tadelt kleine Teams: "Sollten Topteams dankbar sein"

, 22.08.2016

Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery lobt die Topteams für die teuren 2017er-Reifentests, doch die kleinen Teams sehen darin alles andere als eine selbstlose Tat

Immer wieder werden die Topteams von den kleinen Teams dafür kritisiert, die Kosten in der Formel 1 nicht wirklich senken zu wollen. Nun meint Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery, dass Mercedes, Ferrari und Red Bull eigentlich die Dankbarkeit der restlichen Rennställe verdient hätten, da sie die Entwicklungsarbeit für die Reifengeneration 2017 übernehmen.

"Wir und die anderen Teams müssen dankbar sein, weil die Topteams diese Verantwortung tragen", sagt der Brite gegenüber 'Autosport'. "Nicht nur wir, sondern auch die Teams mussten eine finanzielle Investition tätigen. Die Änderungen sind nur dank der Unterstützung der drei großen Teams möglich." Die drei Rennställe teilen sich an 22 Tagen die gesamte Testarbeit für die neuen, breiteren Pirelli-Reifen auf und müssen dafür ihre Boliden sogar umbauen, um die 2017 erwarteten Abtriebswerte zu erreichen und repräsentative Daten zu liefern.

Doch die Konkurrenzteams bezweifelt, dass Mercedes, Ferrari und Red Bull damit wirklich selbstlos agieren. "Die drei Teams, die für Pirelli Testautos gebaut haben, erhalten einen riesigen Vorteil", meint Force-India-Technikchef Andy Green gegenüber 'Autoweek'. "Alle anderen werden ihre Erfahrungen erst nächstes Jahr machen."

Force India und Williams fürchten enormen Nachteil

Force India würde laut dem Briten keine Sekunde lang zögern, ebenfalls ein Testauto zu bauen. "Hätten wir die zwei Millionen US-Dollar (umgerechnet 1,8 Millionen Euro), dann hätten wir es gemacht." Man habe darüber nachgedacht, aber das kleine Team verfüge nicht über die Kapazitäten, dies parallel zum Rennbetrieb zu bewerkstelligen.

Bei Williams sieht man die Lage ähnlich. "Für ein Team wie unseres ist das einfach zu teuer, aber die drei Teams können einen wirklich enormen Vorteil daraus ziehen", ist Williams-Technikchef Pat Symonds überzeugt. Daher fordert er, dass nicht die Teams - wie es dieses Jahr eingeführt wurde -, sondern Pirelli bei den ersten Rennen 2017 die Reifenmischungen nominiert, schließlich ist die erste Entscheidung bereits vor Weihnachten fällig. "Also bevor wir überhaupt mit den neuen Autos und den neuen Reifen gefahren sind", wirft Symonds ein.

Hembery: Testteams erhalten kein klares Bild

Hembery findet die Sorgen der kleineren Teams allerdings unberechtigt. "Ich habe mit Leuten gesprochen, die in der Vergangenheit bei unseren Reifentests beteiligt waren, und sie meinten, dass sie keine Ahnung hatten, was wir da testen", erklärt der Pirelli-Motorsportchef. "Was also bei einem Auto zum Einsatz kommt, könnte nur ein kleiner Teil des Puzzles sein, der nichts mit einem anderen Teil zu tun hat. Man müsste sich also an einen Strohhalm klammern, um zu verstehen, wie das Endprodukt aussehen wird. Der Vorteil, den man dadurch erhält, ist also marginal."

Ab der Saison 2017 sieht dann ohnehin alles anders aus. "Dann können wir mit allen Teams testen, da wir ja dann die eigentlichen Autos haben. Das ist derzeit das Problem, weil sich ja die Aerodynamik ändern wird. Hätten sie nur die Reifen geändert, dann hätten wir mit viel mehr Teams testen könnten", erklärt Hembery die Herangehensweise des Pneuherstellers.

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