Red Bull klagt über Renault-Misere: "Ein Würfelspiel!"

, 23.04.2015

Das angeblich beste Chassis, im Ziel aber - wenn überhaupt - qualmend wie ein Schornstein: Helmut Marko erwartet vorerst keine "Mercedes-PS-Zahlen"

Red Bulls werbewirksamer Showauftritt in den Straßen Wiens am Mittwoch täuschte nicht darüber hinweg, dass das ehemals dominante Team der Formel-1-Szene knietief in der Krise steckt. In Bahrain am vergangenen Wochenende das Ziel mit zwei Autos - eins rollend, eins qualmend - das Ziel erreicht zu haben, bezeichnet Helmut Marko bereits als "Höhepunkt". Der hörbar unzufriedene Motorsport-Berater sagt auch: "Wir sind, was das Chassis angeht, deutlich weitergekommen."

Laut Marko ist der RB11 in schnellen Kurven sogar das Maß der Dinge. Das lässt sich über den Renault-Antrieb nicht behaupten. Im Gegenteil: "Beim Motor gibt es neben dem PS-Manko noch große Unsicherheit bei der Haltbarkeit", klagt er. Die Franzosen planen, die Zuverlässigkeit, dann die Fahrbarkeit und anschließend die Leistung zu optimieren. "Realistisch gesehen werden wir erst zu Saisonende - wenn überhaupt - annähernd solche PS-Zahlen haben wie Mercedes und Ferrari", orakelt Marko.

Für Daniel Ricciardo könnte die neue Zuverlässigkeit zu spät kommen, schließlich hat er nach zahlreichen Antriebsschäden große Teile seiner vier Komponentensätze aufgebraucht - und das nach vier von 19 Grands Pirx. Ihm seien die Hände gebunden, hadert er: "Natürlich kann man vorsichtig fahren, sich vom Drehzahllimit fernhalten. Wenn der Motor aber hochgeht, kann man nichts machen." Beispiel Bahrain, als der V6-Turbo-Hybrid bei der Zieldurchfahrt abrauchte.

Ricciardo nimmt's noch immer mit Humor

Ricciardo sagt: "Ich sehr vorsichtig mit dem Motor umgegangen, aber es hat offensichtlich nicht gewirkt. Es ist wie bei einem Würfelspiel." Dem Australier drohen Strafen, bald könnten sie zum Dauerphänomen werden. Er befürchtet: "Wir müssen weise sein, wenn es um die Rückversetzungen geht, aber irgendwann wird es nicht mehr zu vermeiden sein." Kollege Daniil Kwjat erhöht wie die Verantwortlichen den Druck auf Renault: "Wir wollen keine Versprechen, wir wollen Fortschritte."

Der junge Russe ist weit seltener von den Pannen betroffen als Ricciardo. Eine Erklärung hat der dreifache Grand-Prix-Sieger der Vorsaison nicht. Der Mann mit dem Dauergrinsen demonstriert, dass ihm auch Misserfolg den Humor nicht nimmt: "Ich habe eine spezielle Beziehung zu meinem Motor. Gestern haben wir gemeinsam gefrühstückt." Offenbar hat der Zufall seine Finger im Spiel: "Ich glaube eigentlich nicht an Glück, aber in dieser Situation hatte ich wahrscheinlich nur Glück."

Gezeitenwende in Barcelona?

Red Bull hofft, nach dem Stress der Auftaktrennen ab der Rückkehr nach Europa effizienter zu arbeiten. "Wir sollten produktiver sein, die Updates sollten sich klarer in Leistung niederschlagen. Derzeit müssen wir uns noch gedulden", blickt Ricciardo voraus auf den Spanien-Grand-Prix am zweiten Mai-Wochenende in Barcelona. Der Circuit de Catalunya mit hohen aerodynamischen Ansprüchen lag den Adrian-Newey-Autos in der Vergangenheit stets, auch die Tests liefen gut.

Ricciardo macht keinen Hehl daraus, größere Erwartungen an seine vierte volle Formel-1-Saison gehabt zu haben: "Vor allem nach dem Vorjahr, als wir mit einem weiteren Schritt gerechnet haben, der uns näher an Mercedes herangebracht hätte." Jetzt sind die Österreicher noch weiter weg. "Wir haben intern alle Anstrengungen unternommen, um dieses Jahr wieder das beste Chassis zu bauen, aber Motorsport ohne Motor ist etwas schwierig", ärgert sich Marko einmal mehr über Renault.

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