Rennvorschau Sepang: Explodiert Hamilton auf "neuem" Kurs?

, 28.09.2016

Warum es auf dem umgebauten Sepang-Kurs Tränen geben könnte, wie sich Mercedes die Konstrukteurs-WM sichern kann und worauf die Rivalen hoffen

Nur noch sechs Runden im Titelshowdown: Nico Rosberg und Lewis Hamilton müssen sich am kommenden Wochenende in der Tropenhitze von Sepang messen. Und erstmals seit Silverstone im Juli hat Rosberg wieder die WM-Führung inne. "Ich hatte zuletzt einen guten Lauf und genieße den Moment", sagt Rosberg, der acht Zähler Vorsprung hat, aber keinen Gedanken an den WM-Stand verschwenden will.

Mit Spa, Monza und Singapur hat er zuletzt auf Kursen gewonnen, auf denen er in den vergangenen Jahren schwächelte. Und auch in Malaysia wäre ein Rosberg-Sieg eine Premiere. Bislang stand der Wiesbadener dort drei Mal auf dem Podest, bei Hamilton reichte es zumindest 2014 zum Sieg. Doch Rosbergs Verhandler Gerhard Berger warnt vor dem dreimaligen Weltmeister: "Der kann jederzeit wieder explodieren." Das weiß auch Rosberg selbst: "Das nächste Rennen kann schon wieder ganz anders aussehen."

Zumal eine ordentliche Vorbereitung auf Sepang in diesem Jahr besonders schwierig ist, da die Piloten den Kurs kaum wiedererkennen werden: Die Strecke wurde in gleich neun Kurven verändert, zudem wurde ein neuer Asphalt aufgetragen. Die bislang äußerst raue Oberfläche könnte sich also dieses Jahr deutlich rutschiger und glatter präsentieren. Und das könnte Hamilton helfen, dessen enormes Naturtalent und dessen Instinkt bekannt sind.

Völliger Sepang-Neustart durch Streckenumbau

Aus dem Mercedes-Lager hört man, dass das Team an diesen Wochenende herangehen wird, "als ob es auf einer brandneuen Strecke stattfinden würde". Und auch Streckenchef Razlan Razali verspricht: "Es wird den Teams vorkommen, als ob sie zum ersten Mal in Sepang fahren."

Die Zielkurve werde die Piloten nun "zum Weinen bringen", befürchtet der Sepang-Verantwortliche, da sie über einen negativen Sturz verfügt, also nach außen hängt, wodurch sich die Ideallinie verändert und Überholmanöver auf der Außenbahn vereinfacht werden.

Und auch die Setup-Arbeit wird wegen des neuen Asphalts zu einer harten Nuss. "Wir müssen uns darauf einstellen, dass sich die Strecke im Verlauf des Wochenendes stark verändern wird", vermutet Williams-Chefingenieur Rob Smedley. "Wenn dort das erste Mal wieder Formel-1-Autos fahren, wird sie sich unter der Belastung weiterentwickeln." Mit dem einen oder anderen Tropenregen, der die Gummischicht wieder verschwinden lässt, wäre das Chaos bereits perfekt, was für spannende Voraussetzungen und unterschiedliche Setups sorgen würde.

Neuer Belag sorgt für Strategiepoker

"Der ganz neue Belag ist dieses Jahr eine große Unbekannte", fürchtet selbst Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery. "Und das Wetter kann sich urplötzlich ändern und für einen Monsunregen sorgen. Die Veränderung der Strecke ist dadurch sehr unberechenbar." Pirelli hat sich dieses Mal für die härtesten Pneus entschieden, denn der Kurs gilt als reifenmordend.

Die härteste Mischung muss im Rennen von allen Teams benutzt werden. "Das ist ungewöhnlich", wundert sich der Mercedes-Verantwortliche Paddy Lowe. Im Vorjahr wurden die Silberpfeile Opfer des hohen Reifenabbaus und zogen gegen Ferrari und Sebastian Vettel den Kürzeren. "Wir versuchen natürlich, das Vorjahresergebnis zu wiederholen", gibt sich der viermalige Weltmeister wie vor fast jedem Rennen zuversichtlich, doch der Reifenvorteil der Scuderia scheint dieses Jahr keine große Rolle mehr zu spielen, zudem stolpert man viel zu oft wie in Singapur über technische Probleme.

2015 stoppte Vettel nur zwei Mal, während die Mercedes-Piloten drei Mal hereinkommen mussten. "Wir rechnen auch dieses Jahr mit vielen Stopps", sagt Hembery. "Und da die Teams ja dieses Jahr eine zusätzliche Mischung zur Verfügung haben, gibt es noch mehr Strategievarianten."

Red Bull hofft auf Chaos

Bei den Nominierungen gibt es aber dieses Mal keine großen Unterschiede: Die Mercedes- und Ferrari-Piloten setzen auf je sieben Sätze der weicheren Mischung, Red Bull auf sechs Sätze. Die härteste Mischung wird eher gemieden: Vettel und Rosberg haben sie nur zwei Mal gewählt, die anderen drei Mal.

Kann Red Bull Mercedes nach Singapur auch dieses Mal attackieren? "Es wird wieder heiß, schwierige Reifenwahl, aber das sollte dem Mercedes-Team helfen", glaubt Niki Lauda gegenüber 'RTL' an sein Team. "Red Bull wird da etwas abfallen - hoffe ich zumindest."

Monsunregen am Rennsonntag?

Das Layout wird zwar die Schwächen des Renault-Motors offenbaren, doch auch Abtrieb ist in den schnellen Kurven von großer Bedeutung - und das ist die Stärke des RB12. Trotzdem müssen Daniel Ricciardo und Max Verstappen auf außergewöhnliche Umstände hoffen. "Mit verrücktem Wetter oder aufgrund stark abbauender Reifen" habe man laut Teamchef Christian Horner eine Chance gegen die Silberpfeile, sonst werde es eher schwierig.

Doch werden die Hoffnungen des Red-Bull-Teams belohnt? Nicht auszuschließen, denn laut dem Formel-1-Wetterdienst UBIMET könnten vor allem an den Nachmittagen Gewitter drohen. Die Höchsttemperaturen bewegen sich etwas über 30 Grad Celsius. Vor allem am Sonntagnachmittag könnte der Himmel seine Schleusen öffnen.

Wie Mercedes-Konstrukteurs-Weltmeister wird

Das wird auch darüber entscheiden, ob Mercedes seine Feier über die WM-Krone bei den Konstrukteuren doch noch verschieben muss. Sechs Rennen vor Schluss führt man 222 Punkte vor Red Bull und 237 Zähler vor Ferrari. Wenn man bei den verbleibenden sechs Rennen 36 Punkte holt, ist die Entscheidung zugunsten der Truppe von Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff gefallen.

Was das für Sepang heißt? Ein Mercedes-Sieg und jegliches Punkteresultat des Teamkollegen wären bereits der sichere Titel. Nur wenn man über sieben Punkte auf Red Bull und über 22 Punkte auf Ferrari verliert, wird die Entscheidung vertagt.

In jedem Fall feiern darf dieses Wochenende übrigens Jenson Button: Der Brite, der das Rennen in Malaysia in seinem Weltmeisterjahr 2009 für sich entschieden hat, absolviert an diesem Wochenende seinen 300. Grand Prix. Und die Chancen auf ein gutes Ergebnis stehen gar nicht so schlecht, denn McLaren hat sich zuletzt immerhin als braver Punktesammler etabliert.

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